Solothurn
Brand im GIBS: «Wir wollten nur noch eines: Raus!»

Glück im Unglück: Gegen 300 Schüler der Gewerblich-industriellen Berufsschule Solothurn kamen mit dem Schrecken davon. Ein Brand hatte ein Schulzimmer verwüstet und für starke Rauchentwicklung gesorgt.

Wolfgang Wagmann
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Brand in der Gewerblich-industriellen Berufsschule Solothurn im August 2003
17 Bilder
Starker Rauch steigt aus dem Schulzimmer
Die Flammen im Parterre-Schulzimmer hatte die Feuerwehr von der Westfassade aus rasch im Griff
Bei so starkem Rauch galt es, sich gut zu schützen
Insgesamt standen 45 Feuerwehrleute im Einsatz
Feuerwehrleute mit der Ausrüstung
Sperrzone GIBS
Gegen 300 Schüler kamen mit dem Schrecken davon
Schüler der GIBS warten draussen
Die Schüler hatten das Schulzimmer durch die Fenster verlassen
Ein Foto aus dem verkohlten Schulzimmer
Es war ein Schulzimmer für Allgemeinbildungs-Unterricht
Zum Zeitpunkt des Feuers wurden hier 16 Schüler unterrichtet

Brand in der Gewerblich-industriellen Berufsschule Solothurn im August 2003

Urs Lindt

Kurz vor 11 Uhr: Weisser Rauch steigt über der Vorstadt auf, das Martinshorn gellt. «Um 10.49 Uhr war der Alarm eingegangen, im Berufsschulhaus brenne es. Zuerst wurde die Tagesgruppe 3 aufgeboten, das sind jene Leute, die am nächsten wohnen. Dann die ganze Mannschaft, insgesamt 45 Mann», erzählt Peter Hänsli, Kommandant der Stützpunktfeuerwehr Solothurn. «Unsere erste Sorge war natürlich, ob und dass die ganze Schülerschaft draussen ist. Doch haben Rektor Hürlimann und seine Lehrkräfte vorbildlich reagiert.» Die Flammen im Parterre-Schulzimmer hatte die Feuerwehr von der Westfassade aus rasch im Griff; «wir haben nicht voll drauf gehalten, sondern gezielt gelöscht, damit möglichst wenig Schäden entstehen. Im Keller sollte es kein Löschwasser haben.»

Wars das Elektro-Tableau?

Rektor Ernst Hürlimann steht vor seiner Schule - er hustet. «Der Brand ist in einem normalen Schulzimmer für Allgemeinbildungs-Unterricht ausgebrochen. Das Feuer schoss explosionsartig aus einem Schrank, hat mir der Lehrer berichtet, der gerade 16 Schüler unterrichtete.» Zusammen mit dem Lehrer und dem Prorektor sei er sofort durch das grosse Gebäude gehastet, um die Schülerschaft zum Verlassen der Schule aufzufordern. «Es war erstaunlich, wie ruhig sie sich in dieser Situation verhielten», betont Hürlimann.

Die Brandursache - Angelegenheit des Brandermittlungsdienstes - kann der Rektor vorderhand nur vermuten: In der Ecke beim betroffenen Schulzimmer befinde sich ein Einbaukasten mit einem Elektro-Tableau. Dagegen hätten die automatischen Türen zur Rauchabdichtung einwandfrei funktioniert. Sorgen bereiten Ernst Hürlimann jedoch die Rauchschäden vorab im Korridor und ihre Folgen: «Es könnte sein, dass sich durch die Rauchentwicklung Säuren bilden und unser Surfer umsteht. Aber vielleicht kommen wir mit einem blauen Auge davon.» Davongekommen ist man aber auch in anderer Hinsicht: Im Schulhaus sind hochexplosive Stoffe wie Acetylen-Gasflaschen für den Chemie-Unterricht vorhanden...

Auf Empfehlung von Peter Hänsli hat Rektor Hürlimann bis am Montag den Unterricht ausgesetzt. Ob er dann wieder aufgenommen werden kann, hängt auch vom besagten Computer-Server ab. Doch vorläufig das grösste Problem ist der Platz. «Wir haben (bei bis zu 800 Schülern) Raumnot, und uns deshalb schon in benachbarten Schulen für ein, zwei Zimmer umgesehen.»

«Es gab einen Knall...»

Draussen im Park und auf dem Asphaltweg liegen verstreut Schulhefte und Schreibzeug herum. In kleinen Gruppen diskutieren die Schüler über das gerade Erlebte. Drazen Bozic und Claudi Iseli liefern eine identische Version ab: «Wir waren im Stockwerk oberhalb des Schulzimmers, wo der Brand ausgebrochen ist. Es gab einen Knall, der Boden vibrierte und wir hörten Fensterscheiben klirren.» Dann hätten sie weissen Rauch gesehen «und wir dachten sofort an - Gas. Wir gerieten schon etwas in Panik und dachten nur noch an eines: Raus! So rasch wie möglich raus!»

Dies ist ihnen gelungen. Die 16 Schüler unter ihnen haben das im Vollbrand stehende Zimmer durch die Fenster verlassen. Leicht verletzt wurde laut Rektor Ernst Hürlimann nur gerade ein Schüler, als ihm ein anderer bei der Flucht durch die Korridore auf die Hand gestanden war. Nach einem Kontrollbesuch im Bürgerspital konnte er jedoch schon bald wieder den schulfreien Nachmittag geniessen - für die meisten hiess es jedoch: «Jetz müemer haut go schaffe...»