Feuersbrunst im Altersheim, der Aufzug bleibt im Erdgeschoss, und der einzige mühsame Weg, die bettlägerigen Betagten vom ersten Stock ins Freie zu bekommen, führt übers Treppenhaus. Eines der zahllosen Horrorszenarien, über die man gar nicht nachdenken mag – aber eben muss. Boris Anderegg, Kommandant der städtischen Feuerwehr, tut dies regelmässig – in Zusammenarbeit mit den Heimleitungen der Alters- und Pflegezentren St. Katharinen, Thüringenhaus und Wengistein, des Pflegezentrums Magnolienpark, sowie des Demenz-Pflegezentrums Forst.

So probt seine Mannschaft im jährlichen Turnus und unter Mithilfe der Samariter in einem jeweils anderen Alters- und Pflegezentrum den Ernstfall – im vergangenen Jahr war das «Wengistein» an der Reihe. «Dies ist allerdings jeweils nicht als Evakuationsübung mit Heimbewohnern zu verstehen», sagt Anderegg. «Für die meisten von ihnen wäre es schlicht unzumutbar, erst recht für bettlägerige oder für demenzbetroffene Personen.»

Vielmehr sei es eine «Angriffsübung», bei dem die Feuerwehr ihre Abläufe überprüfen und entsprechende Lerneffekte daraus ziehen könne. Und aus Sicht der Heime: «Solche Anlässe geben auch immer die Gelegenheit, dass die Mitarbeitenden der Feuerwehr Fragen stellen können – was genutzt wird», sagt Hansruedi Moor-Minikus, «Wenigstein»-Zentrumsleiter.

LED-Kerzen aus Sicherheit

Sensibilisiert wird entweder für die Bewältigung des Ernstfalls. Oder noch besser dafür, dass dieser gar nicht erst eintritt. Kerzen beispielsweise sind in allen Zentren strikt verboten, sogar in Trauerfällen oder zur Weihnachtszeit. «Stattdessen gestatten wir LED-Kerzen», sagt Sepp Haldi vom «Magnolienpark». Dennoch gebe es immer wieder Betagte, die sich darüber hinwegsetzen. «So kam es schon zu kleineren Bränden wie Adventskränze, Tischtücher oder dergleichen», sagt Anderegg. «Das waren aber auch die einzigen paar Brandfälle, deretwegen wir in den letzten zehn Jahren in die Heime ausrücken mussten» – Fehlalarme ausgenommen. Das Rauchen seinerseits ist in den meisten Heimen höchstens draussen möglich.

Auch dieses Szenario ist bekannt, wie Moor schildert: «Der Bewohner legt sich mit der Zigarette hin und schläft ein ...» Und bei Neueintritten muss vor allem der technische Leiter, der in den meisten Fällen auch der Sicherheitsbeauftragte ist, beide Augen offen halten. Mit zahlreichen Gerätschaften wie Fernsehern und Radios, aber auch Heizöfen, Kleinkühlschränken oder sogar Notebooks ziehen gleichzeitig neue Gefahrenherde mit ins Heim ein. «Der technische Leiter hat einen schwierigen Job», weiss Moor.

Auch die Schulung des Personals ist ein vorrangiges Thema zur Früherkennung und -bekämpfung von Bränden. «Im ‹Wengistein› werden die Mitarbeitenden jährlich durch unseren Sicherheitsbeauftragen geschult», sagt Moor. Hierzu zählt auch die richtige Handhabe von Löschmitteln. Ausserdem besteht im «Wengistein» eine elfköpfige, aus dem Kader gebildete Löschgruppe, die bei einem Feueralarm oder für einen Alarmtest aufgeboten werden kann. Und auch in den beiden Alterszentren der Bürgergemeinde, dem «St. Katharinen» und dem «Thüringenhaus», ebenso im «Magnolienpark» werden neue Mitarbeiter in Sachen Brandschulung instruiert.

Dies beinhalte die Bedienung der Brandalarmanlage und das Verhalten bei Notfällen, informiert Pascal Vonaesch, Heimleiter «St. Katharinen» und «Thüringenhaus». «Die effektive Brandbekämpfung mit Brandlöschern und Löschdecken wird auch im Turnus geschult. Ebenso gibt es Auffrischungskurse.» Wichtig ist auch der Selbstschutz: «Pflegemitarbeitende verstehen sich oft als Helfer», sagt Haldi. Dass sie sich also auch im Brandfall voreilig einer Gefahr aussetzen könnten, um zu helfen, sieht er als Risikofaktor.

Es wird anders evakuiert als früher

Während die Feuerwehr im Brandfall eine umfassende, regelmässig aktualisierte Dokumentation eines jeden Heims mit sich führt, greifen die Alterszentren ihrerseits im Ereignisfall auf erarbeitete Sicherheitskonzepte und Notfallpläne zurück. Letztlich sind die Betriebsbewilligungen für Alters- und Pflegeheime an Auflagen geknüpft: Es sind dies Richtlinien der Eidgenössischen Koordinationskommission für Arbeitssicherheit (EKAS), sowie der Kriterienkatalog Qualivista, der die Betriebsqualität in Heimen sicherstellen soll und nach einer Sicherheits- und Notfalldokumentation verlang. Ebenso prüft die Gebäudeversicherung sicherheitsrelevante Fragen: Wenn beispielsweise ein Fluchtweg nicht ihren Anforderungen genügt, wird über das Amt für Soziale Sicherheit eine Verfügung gegen das betreffende Heim erlassen, um einen rechtmässigen Zustand herzustellen.

Und so zählen zu allen Massnahmen gegen die Feuersbrunst natürlich auch die baulichen. Gerade im Anbau des «Thüringenhaus» sind es enge Platzverhältnisse, die zur Herausforderung werden können. «Und teilweise konkurrenzieren sich Denkmalschutz- und Brandschutzvorgaben», sagt Vonaesch. Ansonsten werden die Gebäude bei allfälligen Sanierungen auch brandschutztechnisch auf den neuesten Stand gebracht.

Eine wichtige und in den letzten Jahren investitionsschwere Massnahme sind Brandschutzabschnitte mit Sicherheitstüren, die das Feuer bis zu einer gewissen Zeit davon abhalten, auf andere Bereiche überzugreifen. Was auch das eingangs erwähnte Treppenhaus-Szenario entschärft: «Unser Fokus liegt in erster Linie bei der Bekämpfung des Ereignisses. Und natürlich ist es auch unsere Aufgabe, einzelne Personen zu retten», so Anderegg. Logistisch aber sei es fast nicht möglich, grössere Gruppen über das Treppenhaus zu evakuieren. So erfolge die Evakuation in horizontaler statt vertikaler Richtung: in benachbarte Brandschutzabschnitte.