Geheimnis gelüftet

Botox für Boden und Co.: Was es sich mit dem rätselhaften Schaufenster auf sich hat

«Behandlungen auch über den Mittag möglich» – an der Hauptgasse 2 sieht einiges gar vielversprechend aus.

«Behandlungen auch über den Mittag möglich» – an der Hauptgasse 2 sieht einiges gar vielversprechend aus.

Falten weg, mitten in der Altstadt? Ein noch leeres Schaufenster verspricht solches – ist aber nur ein geschickter Werbegag für eine andere Verschönerungsbranche.

Schon die Coiffeuse war deswegen in helle Aufregung geraten – und das will etwas heissen. Botox-Behandlungen mitten in der Stadt. «Das kann man vielleicht in Zürich machen. Aber doch nicht in Solothurn, wo jede oder jeder jede und jeden kennt. Da geht bestimmt niemand rein», meint auch der Herr, der uns beim Fotografieren zuschaut, kopfschüttelnd.

Tatsächlich: Botox, das Verjüngungsmittel für mehr als nur Einfältige wird zwar oft angewendet, aber niemand soll es wissen. Man, vielmehr frau bleibt einfach ewig jung – und wenn Botox nicht mehr hilft, dann tuts notfalls der Chirurg.

Verschlüsselte Botschaft

In Kenntnis dieser heiklen Mission spielt nun ein Solothurner Gewerbetreibender genau auf dieser Klaviatur. In der «humanen Klinik für sämtliche Aufpolsterungen» soll es solche ab dem kommenden Herbst geben – wenn der verlassene Schuhladen der Boutique Metro mit einem neuen Mieter nach monatelangen Leerstand wieder eröffnet. Ob der gross angebrachte Begriff «Botox» auf dem Schaufensterglas nur ein interimistischer Jux-Geschäftsname oder der tatsächliche Begriff für eine weitere Altstadt-Filiale des rührigen Geschäftsmannes bleibt, ist derzeit auch noch nicht so wichtig.

Wichtiger ist, wer sich personell hinter dem ominösen Botox-Team am Anfang der westlichen Hauptgasse verbirgt. Eine eigentliche Crew von sogar diplomierten Spezialisten wird nämlich für das Wohl der Kundschaft und deren Bedürfnisse sorgen. So ist ein gewisser Oliv Hiercie-Gleer für «Verjüngung und Rekonstruktionstechniken» zuständig. Man lasse das «H» weg, ersetze das «c» durch ein «z» und lasse das letzte «e» weg. Damit wird man (und auch frau) schon einiges schlauer. Gleiches gilt beim Spezialisten für «Reworking und Implantate», Ann Drehwe-Baer. Nur soviel: Bei «Ann» handelt es sich um einen Mann. Hingegen est Nomen non omen bei Gabriel A. Laddy-Kowah – sie wird die Frau für «infrastrukturelle Anwendungstechniken» sein.

Für alle, die noch nicht drauf gekommen sind, hier noch eine weitere «Orient»-ierungshilfe: Der besagte Geschäftsmann ist tatsächlich für Erzeugnisse aus dem Orient sehr bekannt. Da darf dann auch einmal ein Märchen wie aus tausend und einer Nacht seinen Platz haben – an der Hauptgasse 1.

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