Solothurn

«Bohnenblust» neu als Kinderladen Elf an der Gurzelngasse

Margrit Bohnenblust und Tanja Weber haben an der Gurzelngasse den Kinderladen Elf eröffnet.

Margrit Bohnenblust und Tanja Weber haben an der Gurzelngasse den Kinderladen Elf eröffnet.

Im Solothurner Kinderparadies Bohnenblust läuft der Räumungsverkauf auf Hochtouren. Inzwischen ist dessen Baby-Shop an die Gurzelngasse umgezogen und als Kinderladen Elf neu eröffnet worden.

Noch bis Weihnachten herrschte an der Hauptgasse 18 im Kinderparadies Bohnenblust Normalität: Tout Soleure versorgte sich wie immer mit Spielwaren für seine Kinder. In der Altjahreswoche änderte sich dies abrupt: «Innert drei Tagen haben wir alles gezügelt», erklärt Margrit Bohnenblust. Und meint damit den Baby-Shop im Parterre des bisherigen Standorts. Ihre ältere Schwester Verena Holzer-Bohnenblust verwaltet nun noch bis Ende Monat die Restbestände an Spielwaren vor allem im Untergeschoss an der Hauptgasse 18.

Vorerst für ein Jahr

Margrit Bohnenblust konnte die neue Lösung mit dem Outsourcing an die Gurzelngasse dank mehrerer positiver Umstände vollziehen: Das Modehaus Schild hatte bekanntlich im Dezember die Türen geschlossen. Globus wollte das Traditionshaus in Solothurn nicht mehr fortführen. «Wir konnten die frei gewordenen Flächen vorerst für ein Jahr mieten, haben aber auch eine Verlängerungsoption», meint Bohnenblust zum aktuellen «Deal», der nun die die Einrichtung und Eröffnung des neuen Geschäfts Kinderladen Elf möglich gemacht hat.

Die Bleibe auf Zeit beruht auf dem Umstand, dass das prominente Geschäftshaus an der Gurzelngasse dereinst umgebaut werden soll, über mögliche neue Mieter ist allerdings noch nichts bekannt. Im Kinderladen Elf findet sich nun alles fürs Baby «vom Nuggi bis zum Kinderwagen», daneben Schul- und Rucksäcke. «Spielsachen haben wir allerdings nur noch für Kleinkinder», ergänzt Margrit Bohnenblust.

Kinderparadies

Der alte Standort vom Kinderparadies Bohnenblust

Kinderparadies

Und eine treue Angestellte

«Wir hatten damals frühzeitig das Personal über die bevorstehenden Veränderungen informiert.» Das war vor zwei Jahren, als feststand, dass das Haus an der Hauptgasse auf Anfang 2019 in den Besitz der Zuger Newport Swiss AG übergehen würde. Diese will die mehrgeschossige Liegenschaft wie schon die benachbarte Hauptgasse 14 vor einigen Jahren umbauen. Aber auch hier ist über den künftigen Mietermix noch nichts Genaueres bekannt.
Die damalige Information traf vor allem eine Angestellte im Kinderparadies Bohnenblust: Tanja Weber.

«Für sie brach eine Welt zusammen», erinnert sich Margrit Bohnenblust. Hatte doch Weber vor zehn Jahren die Lehre im Haus Bohnenblust absolviert, dann sogar die Lehrmeister-Prüfung abgelegt und sich im Kleinkinder-Bereich des Geschäfts als mögliche Nachfolgerin spezialisiert. «Nun haben wir zusammen eine GmbH gegründet.» Sie freut sich, dass Tanja Weber als neue Generation ein neues Baby-Fachgeschäft in dieser nicht ganz einfachen Zeit engagiert leiten wird, "mit meiner Erfahrung und Unterstützung im Hintergrund". Denn Margrit Bohnenblust will nach der Startphase im zweigeschossigen Kinderladen Elf wieder kürzer treten. «Habe ich doch insgesamt drei Jobs», lacht sie – die Geschäftsfrau unterrichtet auch noch und ist im Teilzeitpensum Gemeindepräsidentin von Twann-Tüscherz.

Ein Abschied mit Wehmut

«Das Weihnachtsgeschäft ist gut gelaufen», blickt an der Hauptgasse 18 Verena Holzer auf die letzten Wochen zurück. Nun ist der Räumungsverkauf noch bis Ende Januar in vollem Gange. Im Parterre wirken die Räumlichkeiten schon recht leer, im Untergeschoss warten noch etliche Schnäppchen auf Abnehmerinnen und Abnehmer. «Bis jetzt ist der Plan mehr oder weniger aufgegangen», schaut sie der definitiven Räumung bis Ende Februar und damit verbunden der Übergabe des Hauses an den neuen Besitzer entgegen.

Obwohl das Pensionsalter in Sicht ist, bleibt bei der engagierten Geschäftsfrau doch viel Wehmut angesichts des baldigen Abschieds zurück. «Ja es tut schon weh. Es war halt mein Leben.» Der Kundenkontakt sei für sie immer sehr wichtig gewesen, «das Schönste war jeweils, wenn sie mich Frau Hirsig genannt haben», scherzt Verena Holzer. Sie bereut keineswegs, dass sie mit ihrem Vater und ihrer Schwester zusammen vor 20 Jahren das frühere Traditionshaus übernommen hatte. «Hirsig hatte ja vor 50 Jahren wie wir auch Bébé-Artikel geführt. Aber damals konnten noch zwei solche Fachgeschäfte in Solothurn existieren», erinnert sie sich an bessere Zeiten im städtischen Detailhandel. So hatten Bohnenblusts nach dem Kauf des Hirsig-Hauses noch jahrelang beide Geschäfte, das Stammhaus in der Vorstadt und das Kinderparadies in der Altstadt parallel geführt.

Fasnacht und Feuerwerk

Von Hirsigs hatte Verena Holzer auch einen besonderen Job übernommen: Die Lieferung des städtischen 1.-August-Feuerwerks, dessen Abbrennen im letzten Jahr wegen der Dürre allerdings nicht stattfinden konnte.

Nicht zuletzt aber war Verena Holzer Vollblut-Fasnächtlerin und führte auch diese Hirsig-Tradition fort. So werden wohl viele Fasnachtsfans in den nächsten Wochen ihren kompetent geführten und von ihr gegründeten Fasnachtsladen im ersten Stock vermissen.

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Autor

Wolfgang Wagmann

Wolfgang Wagmann

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