Solothurner Fasnacht

Bööggin «Dotsch» hielt den Flammen zehn Minuten stand

Der weibliche Böögg in Solothurn löste sich nach zehn Minuten in Rauch und Asche auf.

Auf Mundart ist es ein «Dotsch», im Jargon des 21. Jahrhunderts eine «Tussi», das am Mittwoch als Böögg zum Raub der Flammen wurde – mit Selfie-Stick. Die Böggiers der Narrenzunft Honolulu nahmen bei der Sujetwahl das aktuelle Gesellschaftssymptom der ewigen Selbstdarsteller auf die Schippe, um die fünfte Solothurner Jahreszeit ausklingen zu lassen. Und im jährlichen «Geschlechterwechsel» war dieses Mal wieder eine weibliche Gestalt an der Reihe.

«Heuer ist der Bau ein bisschen weniger intensiv ausgefallen als sonst», befand Bööggier Rolf Grau. «Wir waren im zeitlichen Verzug und konnten erst nach Neujahr damit beginnen. Ausserdem war die Fasnacht heuer früh dran. Wir mussten uns nach der Decke strecken, so ist er etwas einfacher geworden.»

Noch nie gegeizt haben die Macher an den Pyroeffekten, und das taten sie auch diesmal nicht: Neben «Chlöpfern», die mit dem Feuer selbst losgingen, wurden weitere Elemente wie Rauch und Sonnen elektrisch gezündet. Besonders absorbiert war die Bööggen-Gruppe im Vorfeld auch mit der Ausstellung zum Zwei-Mal-elf-Jahr-Jubiläum. 1995 hatte die Narrenzunft Honolulu die Aufgabe des Bööggen-Baus übernommen. So sind seither viele Sujets zustande gekommen, die seit Hilari bis Dienstag als Schautafeln in Schaufenstern zu sehen waren. Ende Februar wird zudem der Bööggier-Film von Remo Hug vorgestellt, wie Rolf Grau verriet.

Böögg Solothurn

Böögg Solothurn

Wetter machte im Vorfeld Sorgen

Der Böögg hielt den Flammen rund zehn Minuten stand, bevor er sich von der Menschenmenge verabschiedete. Übrigens hatte die Wettersituation von Dienstagabend noch für Sorgenfalten bei den Bööggiers gesorgt. Aber in Absprache mit der Feuerwehr und der Polizei und nach der Beurteilung der aktuellen Wetterlage sei die Durchführung doch noch gutgeheissen worden, so Rolf Grau. Etwas unkontrolliert muteten einzelne Feuerwerkskörper an, die an Häuserfassaden prallten. 

Übrigens trug der diesjährige Böögg noch eine besondere Widmung: Mit dem Tod des Bööggiers Terry Spillmann kurz vor Weihnachten verschied ein Mitglied aus der Crew der Bööggenbauer. Ihm waren auf dem Böögg ein Foto und Worte des Abschieds zugedacht.

Der Böög ist ein «Dotsch».

Das steckt hinter dem Sujet

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