Oktober ist Jagdzeit. Die Saison in den kantonalen Jagdrevieren hat begonnen und die Jäger sind wild auf Wild. Dies kommt nicht nur den Fleischfressern zugute – man beachte viele Speisekarten von Restaurants in und um Solothurn – auch Vegetarier kommen auf ihre Kosten, wenn «Wild» angesagt ist.

Bei keinem anderen Fleisch gibt es ein eigenes (fleischloses) Menu, das eigentlich lediglich aus Beilagen besteht. Oder hat schon jemand einen «Fischbeilagenteller» bestellt?

Das interessanteste Phänomen der Jagd ist das so genannte »Jäger-Latein». Diese Sprache kann man momentan an vielen Solothurner Stammtischen hören – nicht nur im Jägerstübli. Wenn die Schützlinge des St. Hubertus ausschwärmen, Hochsitze und Anstand zwischen Rüttenen und dem Kurhaus besetzen, weiss man, dass den Jägern nicht immer alles Erzählte geglaubt werden darf.

Mit anderen Worten ist «Jäger-Latein» eine Kunst, die nach jahrelanger Übung den Erzähler befähigt, ein schwaches Reh, auf 20 Schritt schlecht geschossen, in ein Prachtexemplar zu verwandeln, das unter schwierigsten Umständen und bei dickstem Nebel auf weiteste Entfernung mit einem gekonnten Blattschuss erlegt wurde.

Aber auch der Normalbürger spricht im Jägerchargon. Ist doch die Alltagssprache voll von Redewendungen, die ursprünglich aus der Jagd stammen. So weiss zum Beispiel jeder schlaue Fuchs, der seine Löffel spitzt, dass jemand, der zu schnell die Flinte ins Korn wirft, ein grosser Angsthase ist.

Nehmen wir an, heute Abend würde mir am Philipp Fankhauser-Konzert im Kofmehl von einem Schürzenjäger mein Schatz ausgespannt. Dann hiesse das in die Weidmannssprache übersetzt: Auf dem Brunftplatz äugte mich der Platzhirsch an und zog mir das Fell über die Ohren. Da muss man aufpassen wie ein Schiesshund!

Die Stadt Solothurn übrigens gehört zu keinem der angrenzenden Jagdreviere. Aber ein angestellter Wildhüter sorgt dafür, dass Tiere in der Stadt nicht zur Plage werden. Marder, Dachse und Füchse lieben immer mehr unsere Abfallsäcke und besuchen nachts die Altstadt.

Wenn sich diese Belästigung der Wildtiere in der Stadt vergrössern sollte, ist es nur eine Frage der Zeit, bis der erste Ambassadoren-Jäger offiziell ernannt wird. Wenn der nur keinen Bock schiesst! Voilà...