Was auf dem Fussballfeld gilt, hat sich auch mit dem 21. Jahrhundert kaum geändert: Die wichtigste Nebensache der Welt bleibt ein Biotop der Männlichkeit – auch mit augenscheinlichen Schattenseiten. Dies weiss Roger Buchmüller, der sich seit vielen Jahren in verschiedenen Funktionen im Fussball engagiert: «Wer mit offenen, kritischen Augen und Ohren durch die Fussballwelt geht, erkennt Diskriminierungen und Vorurteile.» Und: dass es sich um einen der konservativsten Bereiche der Gesellschaft handle. Konkret: Homophobie und Sexismus grassieren nach seiner Beobachtung nach wie vor auf dem Rasen. Gleichzeitig werde das Thema Homosexualität auf und neben dem Platz oft hartnäckig umkurvt.

«Dabei ist Fussball ein Ort, an dem gesellschaftliche Vorstellungen geprägt werden», ergänzt Buchmüller. Die Möglichkeit, aber auch die Verantwortung, den Hebel anzusetzen, nimmt er derzeit beim Sportclub Blustavia Solothurn wahr, wo er als Trainer fungiert. Zum Beginn der Saison fiel der Startschuss für eine Sensibilisierungsaktion gegen Ignoranz, Sexismus und Homophobie. «Gerade wir als Ausbildungsverein mit vielen Juniorinnen und Junioren aus vielen Nationen haben einen Aufklärungsauftrag», sagt dazu Thomas Burki, Blustavia-Vorstandsmitglied.

Eine Selbstverpflichtung

«Gemeinsam für Respekt, Toleranz und Vielfalt im Fussball» lautet die Aktion, mit der im Sinne einer Selbstverpflichtung Spieler und Trainer des SC Blustavia für das Anliegen einstehen können. Bis jetzt haben über 150 Menschen dieses Commitment unterzeichnet. Durch spezielle Kapuzenpullover wird die Kampagne auch sichtbar gemacht. Weitere Aktionen sind laut Roger Buchmüller bereits in naher Zukunft geplant.

Dass nämlich auch der SC Blustavia nicht um das Thema herumkommt, zeigen clubinterne Befindlichkeiten. In der Vergangenheit erlebte der Verein, was man vielerorts kennt. «Die Sprache auf dem Platz ist zum Teil rassistisch, sexistisch oder homophob», erzählt ein Mitglied. Gerade von der Bevorzugung der Männer in Bezug auf Material und Trainingszeiten berichtet eine andere Spielerin. «In gewissen Situationen habe ich bemerkt, dass jemand Angst vor einer Person hat, die nicht genau so ist wie man selbst. Man hat Angst vor etwas Unbekanntem», erzählt Marija Torkalovic, die in der zweiten Frauenliga spielt. Darauf folgt, was man sich selbst für den Verein wünscht: «Es sollte nicht aufgrund einer sexuellen Orientierung oder aufgrund persönlicher Interessen entschieden werden, ob jemand mitspielen darf oder nicht», sagt Albine Sulejmani, ebenfalls bei der Zweitliga-Frauenmannschaft.

Jeder Mensch solle das Recht haben, einem Verein beizutreten und ein Hobby auszuüben.» Ein weiteres Mitglied betont, wie wichtig es sei, dass der Fussball zum positiven Erlebnis wird, der frei sei von irgendwelchen Zwängen oder Vorbehalten.

Kritik auch an die Fifa

Man ist sich der Grenzen des Machbaren durchaus bewusst, sagt Buchmüller: «Klar kann ein kleiner lokaler Verein das Klima im Fussball alleine nicht ändern. Das geht nur gemeinsam.» Damit spricht er auch auf die Zusammenarbeit unter der Dachorganisation des Fussballs, wo er einigen Aufholbedarf erkennt. Dort finde sich aufgrund der starken Kommerzialisierung des Fussballs eine weitere Malaise – gerade wenn eine Weltmeisterschaft in Länder wie Katar verkauft werde, wo Homosexualität mit bis zu fünf Jahren Haft bestraft werde. Kritische Töne an die Fifa, die sich das Geschäft durch unbequeme Fragen und Aufklärungsarbeit zur Thematik nicht vermiesen lassen wolle. Die Sensibilisierungsarbeit, die bei Vereinen wie dem SC Blustavia nun mit Elan angepackt wird, dürfte also mittelfristig nicht ausgehen.