Es war 1973, als ein paar Schüler der Kantonsschule Solothurn beschlossen, sich in das närrische Treiben der Stadt Solothurn aktiv einzumischen. Noch hatte sich der aufmüpfige Geist der 68er-Bewegung nicht ganz verflüchtigt, und ein bisschen Lust zum Protestieren lag auch den Nach-68ern im Blut. Abgesehen hatten es die jungen Intellektuellen auf das fasnächtliche Establishment. Brave Kleider, schöne Musik, Leute, die nett applaudieren? Nein, das war nicht im Sinn einer Jugend, die sich ohnehin gerne gegen Bestehendes aufbäumt. Im Besitz einer Pauke und viel musikalischem Talent lag es auf der Hand, die verklemmten Spiesser in diesem Bereich aus der Reserve zu locken.

Auch heute noch gibt es traditionelle Fasnächtler, die mit der mittlerweile 40 Jahre alt gewordenen Gugge nie ganz ins Reine gekommen sind und deren unkonventionellen, aber wertvollen Beitrag an die Solothurner Fasnacht sowie deren musikalisches Können und Kreativität nur hinter vorgehaltener Hand rühmen.

Denn in ein Korsett einbinden liessen sich die Bloosophoniker, die jede Fasnacht ihren Namen ändern, bis zum heutigen Tag nicht. Ihre mutigen Gags, ihr einfallsreicher Witz und ihre Lust, am Umzug aus der Reihe zu tanzen, polarisieren - haben aber inzwischen auch Nachahmer gefunden.

Eher leise Töne

Wer nun aber glaubt, die derzeit 32 Aktiven, die immer von neuem mit musikalischen Meisterwerken auftrumpfen, gehörten zu den Lauten und Wilden, die durch Solothurns Gassen schränzen, liegt falsch. Obwohl in ihren Musikstücken vom Schweizer Mundartrock bis zu Punk und Heavy Metal alles vorkommt, gehört die immer wieder aus der Norm fallende Fasnachtsgruppe zu jenen, die eher leise Töne von sich gibt und musikalisch wie rhythmisch stets auf der Höhe ist. Nicht selten mischen sich Klänge aus fernen Ländern ein, die der eine oder andere im Reisegepäck mitgebracht hat. «Wir sind keine Schränzermusik und deshalb auch vorwiegend in den Fasnachtsbeizen anzutreffen», korrigiert Thomas Lampart, ein langjähriges Mitglied, das falsche Bild. Fasnachtsbeizen notabene, die mangels närrischem Publikum immer mehr am Verschwinden seien.

Wie das Outfit der Bloosos an der Fasnacht aussehen wird, hängt nicht von einem Thema ab, das gerade aktuell ist, sondern davon, wie man sich selbst gerne sehen möchte und gerade fühlt. «Wir sind sehr auf uns selbst bezogen und egoistisch», beschreibt Bruno Flury, ebenfalls seit Jahrzehnten dabei, das Befinden, das letztlich das Neue, Eigene widerspiegeln und Konventionen sprengen soll. Dabei wird auch Selbstkritik geübt, die der Frage standhalten muss: «Sind wir wirklich die, die wir sind und so gut wie wir sind oder könnten wir besser sein als es möglich ist?» Letztlich obsiege dann aber vor allem die Freude an all dem Blödsinn, die man sich ausdenke, sagt Flury. Und Lampart doppelt nach: «Ganz oben steht der Wunsch, sich selbst zu gefallen und sich nicht zu ernst zu nehmen.»

Nur locker organisiert

Entspricht die Maske den Vorstellungen und hat auch das Kostüm die Feuerprobe bestanden, wird ein entsprechendes Sujet gesucht. Wie alles, was die Querdenker anpacken, geschieht auch das mit unzähligen Wortspielereien und basisdemokratisch. «Wir sind nur locker organisiert und stets getragen von einer guten Stimmung», sind sich Lampart und Flury einig. Zudem habe jeder sein Ämtli und könne das tun, was ihm am besten liege.

Den Gönnerknopf haben die Bloosos inzwischen abgeschafft. Der Jahresbeitrag der Aktiven richtet sich heute nach den Kosten, die sie während der Fasnacht selbst verursachen und die solidarisch aufgeteilt werden. Statt Stress steht nach all den Jahren das Geniessen im Vordergrund, zu dem auch gutes Essen und Trinken gehört. Wie bei den anderen, in die Jahre gekommenen Solothurner Guggen bahnt sich auch bei den Bloosophonikern ein Generationenwechsel an. Doch auch das trägt man mit Fassung, denn: der revolutionäre Geist ist noch lange nicht tot.