Solothurn
Bleibt im maroden Sportzentrum CIS womöglich alles beim Alten?

Auch einen Monat nach Versteigerung des Solothurner Sportzentrums CIS bleiben die Pläne des neuen Besitzers Peter Ammann im Dunkeln.

Andreas Kaufmann
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Auch nach der Handänderung bleibt die Zukunft des CIS ungewiss.

Auch nach der Handänderung bleibt die Zukunft des CIS ungewiss.

Hanspeter Bärtschi

Einen Monat ist es her, seitdem das CIS-Sportzentrum seinen Besitzer wechselte. Am 11. Dezember ging die Anlage in einer Steigerung von der verschuldeten CIS Solothurn AG an den Berner Unternehmer Peter Ammann, respektive an seine Ammann Globalbau AG in Hilterfingen – für 4,51 Mio. Franken.

Mit dem Besitzerwechsel erstarkten bei den Vereinen, die in der baulich angeschlagenen Infrastruktur Trainings und Turniere abhalten, die Hoffnungen, dass nun längst fällige Sanierungen angegangen werden. Je nach Expertise wären Investitionen zwischen 2,5 und 5,5 Mio. Franken nötig.

Prekäre Situation für die Vereine

Soweit die Missstände, die im Vereinsalltag ihre Spuren hinterlassen haben, wie das Beispiel des Tennisclubs CIS zeigt: «Die sich rapid verschlechterten Bedingungen der vergangenen Jahre und die daraus resultierende Rundum-Verfassung des Centers haben dem Club massiv zugesetzt», sagt Präsident Stefan Brand: «Viele Mitglieder und ganze Mannschaften haben sich dadurch anderen Vereinen zugewandt.»

Derweil hofft man beim TC CIS, mit dem neuen Besitzer möge wieder ein stabiler und verlässlicher Betrieb in gut unterhaltener Infrastruktur möglich werden. «Mit jeder neuen Geschäftsleitung – und davon gab es einige – haben wir daher immer wieder neue Hoffnung auf Besserung und eine Umkehr gehegt.» Vergeblich, wie der aktuelle Zustand zeigt.

Neuen Besitzer noch nicht erreicht

Bleibt also die Hoffnung. Seit vergangenem Jahr vertritt die Interessengemeinschaft Sport Solothurn IGSSO die im CIS aktiven Sportvereine und hielt im Dezember eine Sitzung ab. «Wir haben unsere Vereinsmitglieder informiert, dass wir Ammann trotz mehrfacher Kontaktversuchen noch nicht erreicht haben», sagt auf Anfrage IGSSO-Geschäftsführer André Naef. Dabei sei es für die IG wichtig, mit dem neuen Besitzer in Kontakt zu treten.

«Wir wollen verstehen, was er mit dem CIS in Zukunft machen will.» Erst danach könne über die weiteren Pläne der IGSSO mit dem CIS diskutiert werden, so Naef weiter. Davon hänge nämlich ab, in welchen Dimensionen und mit welcher Nutzung die zusätzlich von der IGSSO geplante Ballsporthalle realisiert werden könnte.

Dinett Holding AG – ein undurchsichtiges Firmenkonstrukt

Hinter Dinett Holding AG, der Muttergesellschaft des CIS, steht der Elsässer Unternehmer Laurent Helfrich. Er erwarb 2006 sämtliche Aktien der heute am Thunersee ansässigen Gesellschaft. Der «Beobachter» publizierte Ende des vergangenen Jahres eine ausführliche Auslegeordnung über das Firmenkonstrukt, das Helfrich in Form der Dinett Holding anschliessend sukzessive errichtete.

Bis sich gemäss Gläubigerliste zuletzt ein Schuldenberg von happigen 40 Mio. Franken angehäuft hatte, vermochte es der Geschäftsmann, kaufkräftige Investoren von seinen visionären Ideen zu überzeugen: Zunächst waren es Pläne für altersgerechten Wohnbau im Berner Oberland und Wallis. Ohne nennenswerte Sicherheiten einzufordern, gewährte die Thuner Bank AEK 1826 Kredite in der Höhe von mindestens 20 Mio. Franken für Helfrichs Visionen. Die meisten seiner Bauvorhaben für altersgerechtes Wohnen blieben auf der Strecke. Später preschte er mit einem ambitiösen Ökoprojekt vor. Unter dem Stichwort «Plastic to fuel» erwarb er eine Pilotanlage zur Umwandlung von Altplastik zu Dieselöl. Traumhafte Renditen versprach er sich – und wohl auch seinen Geldgebern – von diesem Technologieprojekt. Ausserdem hätten die Gewinne in besagte Bauprojekte für Seniorenwohnungen fliessen sollen. Doch nur ein kleiner Teil der Investorengelder gelangte überhaupt ins Projekt. Der «Beobachter» schreibt weiter, dass Helfrich auf diese Weise mitunter seinen privaten Lebensunterhalt finanziert hatte. Bald erkannte auch die AEK Thun, dass es sich bei Helfrichs Ideen um nichts anderes als Luftschlösser handelte: Sie kündigte die Kredite in Höhe von 20 Mio. Franken. Notabene: Im Lastenverzeichnis des versteigerten CIS-Sportzentrums waren Forderungen der AEK-Bank aus der Festhypothek in der Höhe von über 5 Mio. Franken aufgeführt. Auch zur CIS Solothurn AG lassen sich Verbindungen Helfrichs festmachen: 2013/2014 war er Verwaltungsrat der AG. Und von Sommer 2017 bis Januar 2018 amtete sein Sohn Raphael Helfrich als Geschäftsführer des CIS. Dieser jedoch dementierte damals einen ein Zusammenhang zwischen seiner eigenen Anstellung als Geschäftsführer und seinem Vater.

Dubiose Geschäftsgebaren pflastern Helfrichs Laufbahn bis zurück in die Neunziger: Zahlreiche Firmenkonkurse gehen auf sein Konto. In Frankreich wurde Helfrich 2003 verurteilt und mit einem Berufsverbot belegt. Weil er die Auflagen missachtete, folgte eine bedingte Gefängnisstrafe, die 2014 letztinstanzlich bestätigt wurde. Er selbst bestreitet die Urteile. In der Schweiz blieb sein Strafregister unbekannt – bis ihn die französischen Behörden aufgriffen. Vor einem Jahr schliesslich wurde ein fester Wohnsitz verfügt. Frankreich darf er seither nicht verlassen – und muss seine Geschäftstätigkeiten unterlassen. Als mutmasslicher Alleinaktionär lenkt er dennoch hauptamtlich die Geschicke der Dinett Holding. (ak)

Was sagt man bei der Stadt?

Ausstehend ist auch ein Gespräch Ammanns mit der Stadt Solothurn: Sie tritt einerseits als Baurechtsgeberin fürs Sportzentrum in Erscheinung, andererseits vermietet sie Jahresstunden an die städtischen Vereine weiter. «Ammann teilte uns schriftlich, dass er zu Beginn des Jahres ferienhalber abwesend ist und einen neuen Termin für ein Treffen vorschlagen wird», weiss Urs F. Meyer, Leiter des Rechts- und Personaldienstes der Stadt.

Einzig in Sachen Beachstyle ist bekannt, dass Gespräche stattgefunden haben. Die Beachstyle GmbH hatte mit der Vorbesitzerin einen entsprechenden Vertrag, um aareseitig des CIS ein Eventareal zu errichten. Erste Investitionen für dieses Projekt waren bereits vor dem Besitzerwechsel getätigt worden, was die Initianten kurzweilig bangen liess. Wie Michel von Burg von Beachstyle nun aber bestätigt, sei das Treffen mit Ammann positiv verlaufen: «Wir konnten uns auf einen neuen Vertrag einigen.»

Es herrscht Funkstille

«Im Westen nichts Neues», vermeldet Benno Krämer von der «Eigenheimmesse». Man habe Ammann sofort nach der Versteigerung angeschrieben und ihm den CIS-Mietvertrag zukommen lassen, seither herrsche Funkstille. Immerhin habe die Geschäftsführung bestätigt, dass der Mietvertrag gesichtet worden sei. Indes laufe die Planung für die nächste Messe vom 21. bis 24. Februar auf Hochtouren, so Krämer.

Zweifel bleiben bestehen

Gegenüber dieser Zeitung äusserte sich Ammann noch nicht zu Sanierungsplänen oder anstehenden Änderungen im CIS. Ob er nach der Rückkehr aus seinen Ferien ab 14. Januar zu vorliegenden offenen Fragen Stellung beziehen will, lässt er indes offen. Vor Ort ist nach wie vor Julian Wyss als interimistischer Geschäftsführer und direkte Ansprechperson tätig, «was sich jedoch in naher Zukunft ändern würde», wie Wyss selbst ankündigte.

Derweil bestanden schon kurz nach der Versteigerung Zweifel, dass wirklich ein frischer Wind im CIS Einzug gehalten hat. So lässt sich eine Verbindung zwischen Ammann und der konkursiten Muttergesellschaft der CIS Solothurn AG, der Dinett Holding AG, belegen.

Anfang November fällte das Regionalgericht Oberland einen Gerichtsentscheid, wonach für die ausserordentliche Generalversammlung der Dinett Holding die Wahl eines neuen Verwaltungsrats anzusetzen sei: Peter Ammann. Ob diese Wahl tatsächlich stattgefunden hat, geht aus aktuellen Einträgen des Schweizerischen Handelsamtsblatt noch nicht hervor.