Solothurn

Blasorchester und helle Kinderstimmen erschallen im Konzertsaal

Blasorchester, Mädchenchor und Solistin harmonierten ausgezeichnet – der Komponist stand selber am Dirigentenpult.

Blasorchester, Mädchenchor und Solistin harmonierten ausgezeichnet – der Komponist stand selber am Dirigentenpult.

Das Blasorchester Helvetia Rüti-Tann brachte die 4. Sinfonie von Johan de Meij zusammen mit dem Mädchenchor Solothurn zur Aufführung.

Immer wieder auf der Suche nach einem lohnenden und gerne auch besonderen oder gar aussergewöhnlichen Musikwerk stiess das Blasorchester Rüti-Tann auf die Symphony No 4 von Johan de Meij. Das Werk ist eine Auftragskomposition für das Südtiroler Jugendblasorchester. Dieses suchte für seinen Auftritt am Gustav Mahler-Festival in Toblach, das seit 1981 jedes Jahr stattfindet, die passende Literatur.

Es sollte auf jeden Fall eine Komposition sein, die original für Blasorchester geschrieben wurde. Dazu sollte diese gerne eine Verbindung mit Gustav Mahler aufweisen. Das Orchester entschloss sich, den Niederländer Johan de Meij mit einer Neukomposition zu beauftragen. Johan de Meij ist ein international gefragter Komponist, Arrangeur, Dirigent und Juror.

Uraufgeführt wurde das Werk denn auch am 24. Juli 2013 am Festival. De Meij griff – wie das Mahler auch schon tat – als Grundlage auf die «Kindertodtenlieder» von Friedrich Rückert zurück. Das lieferte ihm genügend Themen und Motive für mindestens die ersten drei Sätze.

Zusätzliches Material für die folgenden Sätze fand er in einem Gedicht von Heinrich Heine «Zwei Brüder» sowie zwei Liedern von Hugo von Hofmannsthal. Damit will de Meij Hoffnung ausdrücken, Hoffnung auf Wiedergeburt und neues Leben.

Solostimme und Kinderchor

Das Werk verlangt neben dem gut bestückten Blasorchester auch eine weibliche Solostimme und einen Kinderchor. Der Chefdirigent des Blasorchesters Thomas Trachsel ist mit dem Komponisten seit Jahren befreundet. Er ist Solothurner und wohnt in Kappel.

Daher reichte die Suche nach dem geeigneten Chor bis in die Region. Tatsächlich wurde man mit dem Mädchenchor Solothurn auch fündig. Das bescherte der Stadt Solothurn eine zusätzliche Aufführung, sogar die erste in der Schweiz. Als Besonderheit erfolgte sie sogar unter der Leitung der Komponisten selber.

Mit dabei war die Sängerin Bettina Weder, die kurzfristig für Stephanie Bühlmann eingesprungen war. Ihr angenehmer Mezzosopran passte hervorragend, sowohl zum Werk wie zum Orchester.

Ausgezeichnet schlugen sich auch die jungen Sängerinnen des Mädchenchors. Sie waren von ihrer Leiterin Lea Scherrer bestens auf ihren Einsatz vorbereitet worden. Dass sie wirklich singen können, konnten sie zu Beginn mit einigen Liedern aus ihrem Weihnachtsprogramm beweisen.

Eine Welturaufführung

Auch das Blasorchester gönnte sich zwei eigenen Auftritte. Die Welturaufführung erfuhr dabei das Blasorchester-Arrangement von Johan de Meij der «American Suite» von Antonin Dvorak. Dabei zeigte sich, wie engagiert Thomas Trachsel das Werk erarbeitet und einstudiert hat. Feine, grazile aber peinlich exakt ziselierte und sauber klingende Passagen charakterisieren auch sein eigenes Musikschaffen.

Deshalb verstehen sich die beiden Freunde Trachsel und de Meij auch musikalisch so gut. Johan de Meij durfte schon auf dem Hinflug sicher gewesen sein, dass Trachsel das Konzert bestens vorbereitet haben wird.

Als Schlusspunkt wählte das Blasorchester mit «Via Claudia» wieder eine Komposition des Gastdirigenten. Die 2012 vom Blasorchester Landeck uraufgeführte Komposition schildert eine Wanderung über die Alpen. Dabei fehlen weder ein Alphorn noch die Kuhglocken.

Weder den Dirigenten, noch das Blasorchester wollte man ohne Zugabe ziehen lassen. Schmissig zwar, aber ohne musikalische Abstriche führte de Meij das Orchester dazu durch eine instrumentale Version von Gioachino Rossinis «La Danza».

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