Solothurner Bäche Teil I

Bis im 19. Jahrhundert ging ohne den Stadtbach gar nichts

Uns Solothurnern geht es gut. Es genügt, den Wasserhahn aufzudrehen, und schon fliesst frisches, sauberes Wasser aus der Röhre. Das war nicht immer so.

Noch bis in die Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde das Wasser für die Stadt an den Juraabhängen gefasst und in hölzernen Känneln künstlich in den Stadtkern und die Aussenquartiere geleitet.

Die keltisch-römische Siedlung Salodurum (was «Sumpfburg» bedeuten soll) verfügte seit jeher über reichlich Wasser, und die Quellen im Jura wussten bereits die Römer zu nutzen.

Im Gegensatz zu den Menschen im Mittelalter waren sie allerdings im Besitz eines ausgeklügelten Kanalisations- und Wassernetzes, das in der Folge durch Kriege und Naturgewalten zerstört wurde.

Doch nicht nur die Einrichtungen, auch das Wissen darum ging verloren, sodass man mit der Wasserversorgung auch in Solothurn von vorne beginnen musste. Während das Trinkwasser aus den Brunnen gewonnen wurde, die bis zum Grundwasser reichten, versorgten die Bäche die Stadt mit sogenanntem Brauchwasser.

Von grösster Bedeutung war der Stadtbach, innerhalb der Mauern Goldbach genannt. Er bildete sich aus zwei künstlichen Zuflüssen, die sich bei der Mühle nördlich des Klosters Visitation vereinigten.

Einer dieser Wasserarme, der Brüggmoosbach, wurde oberhalb des Könighofes aus dem Dürrbach abgezweigt, um am steilen Abhang der Bergstrasse hintereinander eine Marmorsäge, die Knochenstampfi und später auch eine Gipsmühle zu betreiben.

Das Gerinne ist beim Königshof heute noch zu sehen, und im «Franzoseneinschlag» waren vor einiger Zeit Trümmer der Trinkwasserversorgung entdeckt worden. Der Dürrbach mündet auch heute noch oberhalb der Eisenbahnbrücke als Obach in die Aare.

Die Schanzmühle

Der andere Zufluss, der Busletenmühlibach, wurde in schrägem Verlauf oberhalb der Rosegg und Hofmatt zur Mühle herangeführt. Er führte Wasser aus dem aus Lommiswil stammenden Busletenbach und aus dem Wildbach mit sich. Ausserhalb der Stadtmauern betrieb er die am Wildbach gelegene Schanzmühle, um dann nördlich des Franziskanerklosters zwischen dem heutigen Kunstmuseum und dem Konzertsaal über den Ringgraben in die Stadt zu fliessen.

Als der Bau der Schanzen beschlossen war, wurde der Stadtbach in einem gedeckten Aquädukt über den Schanzengraben und den Wallgang ins Stadtinnere geleitet. Innerhalb der Mauern betrieb er zuerst die Gibelinmühle vor der Westfassade der Franziskanerkirche, um dann westlich des Rathauses zur Eselsmühle geführt zu werden.

Entlang der Schützenzunft (heute Kino Palace) erreichte er die Hauptgasse, wo er nach Westen abbog und südwärts die Goldgasse hinunterfloss. Im untersten Teil des Goldbaches, der sich schliesslich in die Aare ergoss, wird 1303 urkundlich eine erste Mühle erwähnt.

19 Wasserräder

Eine Zusammenstellung des Stadtschreibers Franz Haffner zeigt, dass der Busletenbach und der Brüggmoosbach sowie der aus ihrer Vereinigung entstandene Stadtbach insgesamt 19 Wasserräder betrieben.

Die Mühlen waren lange Zeit die einzige Energiequelle und somit von grosser Bedeutung für die Stadtentwicklung. Sie dienten nicht bloss zum Mahlen von Getreide zu Mehl, sondern die Wasserkraft der Bäche wurde unter anderem von den Gewerbetreibenden auch zum Stampfen, Hämmern, Sägen und Schleifen benutzt.

Die Wasserleitungen aus Langendorf und dem Brüggmoos versorgten über 300 Jahre teils offen, teils gedeckt oder teilweise sogar unter den Häusern durch die Stadt nördlich der Aare allein.

1638 wurde, angeblich aus Wassermangel, von Bellach her eine weitere Leitung in die Stadt geführt. Zugleich lieferten Langendorfer Quellen Wasser via Hermesbühl durch das Bieltor in die Stadt.

Im Osten gab es seit 1603 eine Leitung von Feldbrunnen her (heute Katharinenbach). Die Vorstadt schliesslich bezog ihr Wasser von einer Wasserleitung, die vom Buchhofwald über das Schöngrün in die Ischern geleitet wurde.

Arbeitslose Brunnenmeister

Vom wasserreichen Busletentäli und einer künstlichen Umleitung des Dürrbachs dürfte auch das Stift profitiert haben. So wie dieses durften nur wenige Privilegierte öffentliche Leitungen für die Versorgung des eigenen Hauses anzapfen. Die alten Wasserrechte gelten noch heute und sind Anlass von Streitereien. Der Dürrbach selbst mündet noch heute oberhalb der Eisenbahnbrücke als Obach in die Aare.

Die technische Entwicklung des 19. Jahrhunderts führte allmählich dazu, dass die Bäche ihre Funktion verloren. Nach dem Bau von Trinkwasserleitungen und einer funktionierenden Kanalisation wurden verschiedene kleine Bäche und Rinnsale trockengelegt und aufgefüllt.

Dadurch wurden allmählich auch die Brunnenmeister arbeitslos, die unablässig mit dem Ausbau und der Reparatur des weitverzweigten Netzes an hölzernen, seit 1624 mehrheitlich steingefassten Rinnen beschäftigt waren.

Quellen: Band I der Kunstdenkmäler des Kantons Solothurn über die Stadt Solothurn von Benno Schubiger und das Brunnenbuch von Paul L. Feser.

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