Hotel Krone
Bis auf die Geranien an der Fassade ist das Hotel Krone fast völlig leergeräumt

Zehn Tage lang wurde im seit Ende Juli geschlossenen Hotel Krone eingepackt Schränke, Spiegel, Kronleuchter, Bilder. Alles ist bereit für den Transport nach China. Dort hat ein Geschäftsmann das Inventar gekauft.

Wolfgang Wagmann
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Für das zu entsorgende Material war auch ein Kran im Einsatz
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Der Leuchter wird erst in Shanghai wieder ans Tageslicht kommen
Der grosse Kronleuchter ist professionell verpackt für die Reise nach China
Die Krone ist jetzt ohne ihre kostbare Ware
Zuerst wurde der Estrich mit Mulden entrümpelt
Mit einem Spezialgerät wurde die kostbare Ware aus den Obergeschossen abtransportiert
Das Hotel Krone birgt ein schier unglaubliches Gebäudevolumen in sich

Für das zu entsorgende Material war auch ein Kran im Einsatz

Nachdenklich zieht die bisherige Hotelbesitzerin Marie-Thérèse Dörfler eine Liste mit 350 Positionen hervor. «Darunter ist auch das Geschirr, Besteck, Wäsche.» Alles wurde durch eine Equipe von 14 Mann fachgerecht in Kisten verpackt, bestimmt für den Transport nach China. Ja, es stimme, die Geschichte vom reichen chinesischen Geschäftsmann, der das ganze «Krone»-Inventar gekauft hat. Und allenfalls damit einen Replika-Nachbau des Solothurner Traditionshauses im Reich der Mitte einrichten will (wir berichteten).

«Ob im French Quarter von Schanghai oder in seiner Heimatstadt, das ist noch unklar», meint Dörfler, die diese Woche auch ihre Wohnung im Hotel selbst aufgegeben hat. Bekanntlich müssen Marie-Thérèse und Gregory Dörfler das Haus am 31. Oktober geräumt den neuen Besitzern übergeben – Stadt und Kanton Solothurn haben es für 9 Mio. Franken erworben, damit die «Krone» als Restaurant und Hotel erhalten bleibt.

Die Rechnung an Napoleon

Nicht alles geht nach China. Die Credit Suisse, die als Investorin mit ihrem Immobilienfonds das Hotel bis im Herbst 2014 umbauen will, kann einige Erinnerungsstücke an die geschichtsträchtige «Krone» behalten. So zwei Spiegel beidseits des Saal-Cheminées oder zwei Porträt-Bilder aus dem 18. Jahrhundert im Grillraum.

«Auch die Original-Rechnung an Napoleon bleibt dem Haus erhalten», erklärt Marie-Thérèse Dörfler. Der Empereur hatte vor dem Einmarsch seiner Truppen am 2. März 1798 in Solothurn eine Durchreise mit Nachtessen im Hotel angekündigt – es dann aber angesichts der feindseligen Haltung von Bern und Solothurn bei einem Glas Wasser bewenden lassen. Die enorme Rechnung für gehabten Aufwand wurde zwar gestellt, doch Napoleon hatte nie gezahlt.

«Er war sehr charmant»

Das ist offenbar beim chinesischen Magnaten anders, der jetzt das Innenleben der «Krone» aufgekauft hat. «Er nächtigte zufällig dreimal bei uns, gerade als der Verkauf des Hauses besiegelt war», erinnert sich Marie-Thérèse Dörfler. Und «er war sehr charmant.» Bereits waren Kontakte zu einem Auktionshaus hergestellt, da meldete sich ein Mittelsmann des Chinesen, der alles erwerben wollte.

Es folgten mehrere Besuche einer Delegation, ehe der Geschäftsmann selbst nochmals mit einer vierköpfigen Entourage in Solothurn den Kauf persönlich besiegelte. «Zuerst tat es sehr weh, alles so weggeben zu müssen.» Der Käufer aus China habe dies gespürt, und sie getröstet, so die langjährige Hotelbetreiberin. Doch jetzt freue sie sich, «das alles beisammenbleibt. Und auch darüber, dass die neuen Besitzer das Ganze derart schätzen.»