Baustelle

Biogen beflügelt die Solothurner Hotellerie

Die Hotelzimmer in Solothurn sind gefragt. Ein Grossteil der Logiernächte entfällt auf das Segment des Geschäftstourismus. (Archiv)

Die Hotelzimmer in Solothurn sind gefragt. Ein Grossteil der Logiernächte entfällt auf das Segment des Geschäftstourismus. (Archiv)

Zahlreiche Fachkräfte verbringen wegen der Grossbaustelle in Luterbach viele Nächte in der Region.

Das Bautempo ist horrend: Nur zehn Monate nach dem Spatenstich stehen fast alle Gebäudehüllen des riesigen Industriekomplexes für die Produktionsstätte des US-Biopharmakonzerns Biogen in Luterbach. Entsprechend hoch ist die eingesetzte Manpower. Nebst den Baufachkräften geben sich Ingenieure, Techniker und Besucherdelegationen von Biogen und der US-Generalunternehmerin Jacobs Group die Türe in die Hand. Manche fliegen für ein paar Tage ein, andere siedeln sich für mehrere Monate temporär an. Davon profitiert die regionale Hotellerie. Ihre Hotelzimmer sind und bleiben begehrt.

«Die meisten Hotels in der Region, insbesondere jene in der Stadt Solothurn, spüren den Effekt», beobachtet Jürgen Hofer, Direktor von Region Solothurn Tourismus. An der Front wird der Befund bestätigt. «Die Nachfrage im Zusammenhang mit dem Neubau in Luterbach nach Hotelzimmern ist eindeutig spürbar», sagt Roland Furrer, Chef der beiden Hotels «An der Aare» und «Bären». Er vertritt als Vorstandsmitglied zudem die Solothurner Branche im Verband Hotellerie Bern+Mittelland. Es sei auch vorgekommen, dass die Nachfrage nach Hotelzimmern nicht habe gedeckt werden können. Grund sei gewesen, dass sie sich zeitweise auf nur wenige Tage konzentriert habe. Beim grössten Haus auf dem Platz Solothurn, dem Ramada, hiess es bereits im vergangenen Sommer, dass man 2017 sehr viele Zimmer an Biogen-Leute vermieten könne. Thomas Wilken, der vor kurzem temporär die operative Leitung des Ramada Solothurn übernommen hat, will derzeit keine Auskünfte über aktuelle und künftige Buchungen machen. «Wir werden aber bemüht sein, einen guten Gästemix zu erreichen und somit das Haus nicht exklusiv an Biogen/Jacobs zu vermieten.»

Zwei Prozent aller Logiernächte

Auf der Nachfragerseite wird bestätigt, dass zu gewissen Zeiten nicht genügend freie Zimmer zur Verfügung standen. «Wir mussten deshalb auf andere Städte ausweichen», berichtet Markus Ziegler, Mitglied der Geschäftsleitung von Biogen Schweiz AG. Und im kommenden Jahr werden die Solothurner Hotels wohl noch mehr Anfragen erhalten. «Wir gehen für 2017 von rund 1500 Übernachtungen aus, welche Biogen und Jacobs generieren werden», so Ziegler. Somit werden die Amerikaner wohl die grösste Gästegruppe sein. Die erwarteten Logiernächte entsprechen immerhin fast zwei Prozent aller Übernachtungen in der Stadt.

Über 50 Wohnungen zugemietet

Nebst den Kurzaufenthaltern gebe es zahlreiche Projektmitarbeitende, die für eine längere Zeit auf der Baustelle tätig seien, erklärt Ziegler weiter. Für diese Gruppe weichen Biogen und Jacobs sozusagen auf die «Parahotellerie» aus. «Jacobs hat in Luterbach zwölf Wohnungen für ihre Mitarbeitenden gemietet. In der ganzen Region sind es derzeit bereits über 50 Wohnungen.»

Hier ortet Verkehrsdirektor Hofer noch Chancen. Es habe mehrere Anfragen von Privatpersonen gegeben, die Zimmer vermieten wollen. «Wir werden solche Angebote auf unserer Homepage aufschalten, damit sie auch sichtbar werden.» Ob die angekündigte Nachfrage nach Hotelzimmern abgedeckt werden könne, sei offen. «Die Kapazität von rund 300 Hotelzimmern in der Stadt Solothurn ist gegeben.» Hofer denkt, dass der Biogen-Effekt nachhaltig sein werde, also über die Inbetriebnahme der Produktionsanlage ab 2019 hinaus. In diesem Sinne komme die Wiedereröffnung des Hotels «Krone» genau zum richtigen Zeitpunkt. Dieses wird am 2. Mai 2017 unter dem Namen «La Couronne» mit vorerst 28 Zimmern die Türen öffnen.

Darüber hinaus sieht Hofer durchaus noch Platz für ein neues Hotel, gerade im Bereich Geschäfts-, Seminar- und Kongresstourismus. Er geht aber davon aus, dass die grösseren Hotelketten den Markt genau beobachten. «Wenn diese davon ausgehen, dass sich der Standort Solothurn rechnet, dann werden sie aktiv, andernfalls eben nicht.» Eher skeptisch äussert sich dazu Hotelier Roland Furrer. Der Bedarf wäre an einzelnen Tagen durchaus da. Solothurn sei aber nur während rund 60 Tagen im Jahr voll ausgelastet. In der übrigen Zeit und vor allem über die weniger gut gebuchten Wochenenden wäre «ein neues Hotel nur eine Belastung», so Furrer.

Stadt auf Rekordkurs

Droht nicht die Gefahr, dass mit den positiven Impulsen für den Geschäftstourismus der Freizeittourismus «vergessen» geht? «Nein», sagt Hofer. «Dieses Segment wird überhaupt nicht vernachlässigt. Da sehen wir noch deutliches Potenzial.» Er denkt dabei an die angesprochene ungenügende Belegung an den Wochenenden. Genau dort brauche es das Leisure-Segment. Das gelinge derzeit nicht schlecht. So sei die Solothurner Stadthotellerie per Ende November auf Rekordkurs. Ganz sicher werde man nahe ans bisherige Rekordjahr 2014 mit rund 88 000 Logiernächten herankommen. Inklusive Parahotellerie mit Jugendherbergen und Camping sei jetzt schon klar, dass 2016 das bisherige Rekordjahr übertroffen werde.

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