«Derborance – Malerei und Zeichnung» ist die neue Ausstellung im Kunstmuseum Solothurn übertitelt, in welcher das Museum zum ersten Mal die Bandbreite des Schaffens der Solothurner Künstlerin Elisabeth Strässle (*1942) in zwei Sälen des Parterres Ost zeigt.

Denn malerische Erinnerungen und Assoziationen an «Derborance», dem Roman von Ferdinand Ramuz (1878–1947), über den Bergsturz in der Region Les Diablerets von 1714, sind die neuesten Arbeiten von Strässle gewidmet.

Die in Gerlafingen arbeitende Künstlerin reiste in den vergangenen Jahren mehrfach in das heute zum Urwald erklärte Bergsturzgebiet und verarbeitete ihre Eindrücke auf grossformatigen, weiss getünchten Leinwänden. Archaisch anmutende Gebilde, Felsschichten in Grau-, Anthrazit-, Blau- oder Grüntönen treten in Erscheinung und lassen die Wucht und Endgültigkeit des Bergsturzes erahnen.

Oder Strässle zeichnet mit Bleistift Steinwüsten oder Geröllfelder, sodass sich nirgends ein Anfang oder ein Ende erkennen lässt. Schön, dass sich gerade während der kommenden Literaturtage eine Künstlerin so intensiv mit einem der wichtigsten Werke der Schweizer Literatur befasst.

Geröll I, 2016, Bleistift auf Papier, 20,5 x 29,3 cm

Geröll I, 2016, Bleistift auf Papier, 20,5 x 29,3 cm

Tiere, lebend und tot

Eine weitere Werkgruppe von Strässle befasst sich mit Tieren. Zu sehen ist ein monumentaler Elefant, dessen Konturen fast nur skizzenhaft zu erkennen sind. Das Gleiche mit einem gewaltigen Rabenbild – nur ein Schimmern des Gefieders lässt die Gestalt erahnen. Besser für einen Betrachter erkennbar ist der Lastesel, welcher ebenfalls auf eine übergrosse Fläche gemalt wurde.

Charakteristisch sind bei Strässle Zeichnungen von Tierskeletten, die eigentlich wissenschaftlich anmuten, doch bei genauerer Betrachtung die künstlerische Interpretation erkennen lassen. Und nicht fehlen darf bei einer Gesamtschau von Strässles Arbeiten ihr Zyklus «Paneele», welcher zwischen 1996 und 2006 entstanden ist. Es sind Erinnerungen an ihre Wahlheimat New York, wo sie bis 1996 lebte. Besonders in diesen Arbeiten lotet die Künstlerin die Möglichkeiten zwischen Malerei und Zeichnung meisterhaft aus.

Im Gegenflügel (Parterre West) hat Elisabeth Strässle zusammen mit Kurator Christoph Vögele eine Auswahl ihrer Lieblingsbilder der Solothurner Museumssammlung zusammengestellt. Ein Schwerpunkt liegt auf Arbeiten des Landschafts- und Steinmalers Otto Frölicher (1840–1890) – und so schliesst sich der Kreis zu «Derborance».

Bis 22. Juli.