Mit zur guten Stimmung dürfte der allgemeine Durst beigetragen haben, denn die 10. waren sicher die wärmsten Biertage aller Zeiten. Zusammengezählt liessen sich seit dem Donnerstagabend gut 6000 Bier-Fans, darunter sehr viele weibliche, in der Reithalle blicken. «Allein in der letzten Nacht waren es 2600 Eintritte», erklärte «Öufi»-Inhaber Alex Künzle gestern.

Dank dem «Puffer» des stets proppenvollen Biergartens unter dem Sternenhimmel kam der Organisator am Freitagabend noch um eine stets unpopuläre Massnahme herum – in der Nacht vom Samstag auf Sonntag war es aber definitiv soweit: «Wir mussten angesichts des Andrangs schliessen, die Sicherheit für die Leute geht vor», kommentierte Alex Künzle das Finale der Biertage.

Je später der Abend

Einmal mehr war der Donnerstagabend die «Nacht der Einheimischen» und der Samstagnachmittag die Stunde der Biersachverständigen, welche sich bei den 24 ausstellenden Kleinbrauereien aus der ganzen Schweiz mit den verschiedenen Geschmacksrichtungen der Braukunst auseinandersetzen konnten. Laut Alex Künzle kristallierte sich bald einmal die Rorschacher Kornhausbrauerei als eine der favorisierten Adressen heraus. «Das dortige Honigbier kam speziell bei den Frauen sehr gut an. Und das so genannte Frühlingsbier entsprach ganz dem aktuellen Trend, ein Bier gut zu hopfen, und zwar sehr fruchtige Hopfensorten erst spät im Brauvorgang einzusetzen.»

Ein Trend, der in den USA lanciert worden sei, und den «Künzles «Öufi»-Brauerei mit ihrem aktuellen «Pale Ale»aufgegriffen hatte – «dafür bekam ich auch am meisten Komplimente.» Nur um zu verdeutlichen, was heute eine Kleinbrauerei an Sortenvielfalt bietet: «Öufi» zapfte an zwei Ständen insgesamt sechs verschiedene Biere, von den zwei Starkbieren M-Bock und Weizenbock über das dunkle «Orbi», das amberfarbne «Spez», das erwähnte «Pale Ale» und das meist getrunkene Lager. Doch damit lag Alex Künzle noch in der durchaus vertrauten Geschmackpalette – denn «Brauer-Rebell» Jerome Rebetez von der Brasserie Franche Montagne in Saignelégier rückte mit 11,5- prozentigem, schon fast likörartigem Bier an, oder eine Sorte war mit – Dörrtomaten gebraut.

«Delikatessen», die mit zunehmendem «Nachtbetrieb» etwas untergingen, kam es doch einmal mehr in der Reithalle zum Spagat zwischen Fachtagung und Party. Denn nun heizte die irische Band «Glor» dem Publikum mächtig ein, und bald wurde es zwischen den Ständen heiss, eng und laut. Oder wie sich der Organisator ausdrückte: «Je später der Abend, desto jünger die Gäste.»

Die kleinen Schatten

Während der Biergarten florierte, war das erstmals gestellte VIP-Zelt nur am Donnerstagabend ausgebucht – trotz der 1-A-Haxen von Urs Witmer. «Da muss ich mir etwas einfallen lassen», räumte Alex Künzle ein. Für die Kanalisationsverstopfung unterhalb der Reithalle und den Einsatz des Reinigungsdienstes in der Samstagnacht konnte er allerdings nichts und deshalb lautete Künzles Fazit: «Erfreulich, dass jeweils so viele Leute friedlich zum Biertrinken zusammenkommen.»