Theater Biel
Biel bietet ein burleskes Opernvergnügen wie im Kino

Die Bieler Premiere von Albert Lortzings Spieloper «Zar und Zimmermann», unter der Regie von Beat Wyrsch, verbindet französischen Esprit mit italienischer Opera buff und deutscher Romantik. Lortzings Musik und Pointen begeistern zeitlos.

Silvia Rietz
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Bei «Zar und Zimmermann» geht die Post ab – die Spieloper bietet Showdown, Eklat und Happy End. Edouard rieben

Bei «Zar und Zimmermann» geht die Post ab – die Spieloper bietet Showdown, Eklat und Happy End. Edouard rieben

Auf der Browe-Werft im niederländischen Saardam geht die Post ab: Die Chefin raucht Zigarre, und für politischen Sprengstoff ist gesorgt: Zar Peter I. arbeitet nämlich undercover als Peter Michaelow, um die Kunst des holländischen Schiffbaus auszuspionieren.

Namensvetter Peter Iwanow hat als Deserteur in der Zimmermannskluft Unterschlupf gefunden und sich in die kesse Marie, Nichte des aufgeblasenen Bürgermeisters van Bett, verliebt. Dieser hält ihn, wie auch die Diplomaten Syndham und Châteauneuf, fälschlicherweise für den Zaren. Zum Showdown und Eklat kommt es auf der Hochzeit des Werft-Erben – und nach dem Holzschuhtanz bald zum Happy End.

Stereotypen aus der Kinowelt

Biel hat sich einer Spieloper angenommen, in der sich französischer Esprit mit italienischer Opera buffa und deutscher Romantik verbindet. Elemente, die eigentlich nicht zusammenpassen. Doch dem gewieften Theatermann, Sänger, Komponisten, Librettisten und humoristischen Meister Albert Lortzing glückt das Kunststück.

Nur ansatzweise glückte das Regiekonzept von Hausherr Beat Wyrsch, dessen Burleske viel Szenenapplaus bekommt. Er zitiert Stereotypen aus der Welt des Cinemas und verleiht damit der mit sicheren Lachern angereicherten Handlung einen eigenen Reiz und zeichnet die Maskenbildnerinnen als Koryphäen aus: Der Zar tarnt sich als Reporter Clark Kent alias Superman (Christopher Reeve), während van Bett an Professor Unrath aus dem Blauen Engel erinnert und Marie an Cornelia Froboess, als diese noch als Conny trällerte.

Die Gesandten agieren als ein Verschnitt von Blues-Brother-Look und Edgar-Wallace-Habitus. Als Kinoplattform dient das famose Bühnenbild von Martin Warth, der eine den 50er-Jahren entsprungene Fabrikhalle konzipierte, die sich zur Festhalle und zum Restaurant variieren lässt.

Zeitlose Musik und Pointen

Die Meriten dieses Opernfilms mit Tortenschlacht holt sich jedoch der «Soundtrack» aus dem Orchestergraben. Harald Siegel inspiriert das Sinfonie Orchester Biel zu einem akzentuierten, von Esprit und Leichtigkeit getragenen Spiel. Dieses setzt sich auch auf der Bühne fort, wo Erzkomödiant Ulrich Simon Eggimann die Van-Bett-Szenen («O ich bin klug und weise» und die Singschule) zum Kabinettstückchen erhebt.

Ein toller Bariton und Sängerschauspieler, der mit Witz und Esprit gutmacht, was er dieser Partie an Basstiefe schuldig bleiben muss. Mit Charisma und männlichem Gebaren herrscht Ute Kreitmair als Witwe Browe. Formidabel besetzt auch Bojidar Vassilev als Zar. Der Bariton reüssierte bereits als Don Giovanni und als Agamemnon und bietet auch «mit der Macht des Zepters» vokal und darstellerisch Topqualität.

Daniela Braun vom Schweizer Opernstudio bezaubert sowohl als draufgängerische Marie und als Zukunftsversprechen. Als General im Trenchcoat gibt es ein Wiederhören mit Arkadius Burski. Eric Förster als balletttanzender Lord Syndham und Valery Tsarev alias Marquis de Châteauneuf agieren als akzentsichere Agenten, während Allrounder Konstantin Nazlamov als Peter Iwanow auch als rasend Eifersüchtiger eine gute Figur macht.

Der spielfreudige Chor glänzt in roten Holzzoggeli und mit dem frenetisch beklatschten Holzschuhtanz. «Zar und Zimmermann» gehört zu den Klassikern der Komischen Oper, und Lortzings Musik und Pointen begeistern zeitlos.

Aufführungsdaten. Theater Biel: 26. April, 2., 15. und 29. Mai, 1., 3. und 8. Juni. Theater Solothurn: 5. Mai, 6., 13., 15. und 21. Juni.

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