Solothurn

Bewohner der Weststadt laufen Sturm gegen 5G-Antennen

Eine geplante Aufrüstung einer Antenne in Schulnähe hat 177 Einsprecher auf den Plan gerufen.

Eine geplante Aufrüstung einer Antenne in Schulnähe hat 177 Einsprecher auf den Plan gerufen.

Swisscom plant in der Solothurner Weststadt eine der ersten 5G-Antennen der Stadt. Dagegen regt sich massiver Widerstand.

Ein Reizwort hat Solothurn erfasst: 5G. Schweizweit wehren sich Bürger mit Einsprachen dagegen, dass in ihrer Nachbarschaft neue Antennen mit der neuen Mobilfunktechnologie errichtet, oder dass vorhandene Anlagen aufgerüstet werden. Nun besteht auch für Bewohner der Solothurner Weststadt Anlass, um gegen 5G und die damit verbundenen befürchteten Risiken für Gesundheit und Umwelt auf die Barrikaden zu gehen: Die bestehende Swisscom-Mobilfunkantenne, die sich an der Benedikt-Hugi-Strasse 45 auf einem privaten Grundstück befindet, soll auf den 5G-Standard aufgerüstet werden.

Zusammen mit einem noch pendenten Baugesuch an der Wengistrasse 31 ist dies das erste 5G-Projekt, das auf Stadtboden hängig ist. Baubewilligt sind hingegen noch keine 5G-Antennen. Bis dato zählt die Stadt nach Angaben des Stadtbauamts 29 Standorte mit 4G und 3G. 16 Standorte weisen 2G auf. Wobei eine Antenne mehrere Technologiegenerationen «beherbergen» kann.

Gegner hoffen auf baldige Einsicht

Wie Andrea Lenggenhager, Leiterin Stadtbauamt, auf Anfrage informiert, sind im Falle der Benedikt-Hugi-Strasse zwei Einzeleinsprachen gegen das Vorhaben eingegangen, sowie eine Sammeleinsprache mit nicht weniger als 175 Unterschriften. Letztere war von Raja Hollenstein und Tommy Läubli initiiert worden, die wie die meisten Mitunterzeichner im Einspracheperimeter von rund 690 Metern um das Vorhaben wohnen. «Wir lehnen eine Antenne mit der 5G-Technologie aus verschiedenen Gründen ab – allen voran wegen der gesundheitlichen Risiken», begründet Hollenstein die Einsprache.

Petitionäre wollen 5G-Ausbau bremsen

«Wir erhoffen uns, dass die betroffenen Mobilfunkanbieter und die Behörden bald einsehen, dass das gewählte Vorgehen beim Grossteil des Volkes nicht erwünscht ist», stützt sie sich auf den Gegenwind, der schweizweit vielen 5G-Projekten entgegenschlägt. Zudem wurde in den vergangenen Tagen dem Bundesrat eine Petition unter dem Namen «Stoppt 5G in der Schweiz» eingereicht. 40 000 Petitionäre wollen den weiteren Ausbau von 5G ausbremsen und stützen sich dabei auf weltweite Befunde von Ärzten und Wissenschaftlern. Auf der Gegenseite widerspricht der Schweizerische Verband der Telekommunikation Asut den Argumenten, wonach 5G beispielsweise krebserregend sein soll und das Bienensterben beschleunige.

Ein Argument eint die 5G-Gegner auf alle Fälle: Noch seien die Risiken der neuen Technologie zu wenig erforscht. Und weil es eine neue Technologie sei, müsse die Änderung als Neubau behandelt werden, findet Hollenstein. Ganz so eindeutig beurteilt Lenggenhager den Fall nicht: «Ob eine Anlage als Neubau, Umbau oder Bagatellfall zu beurteilen ist, klären wir im Einzelfall mit dem kantonalen Amt für Umwelt ab. Hierzu gibt es technische Abgrenzungskriterien, die Spezialwissen erfordern.»

Sorge um die Schulkinder im Quartier

Wie Raja Hollenstein weiter informiert, wurde die Einsprache auch von Eltern und von Lehrpersonen und der umliegenden drei Schulhäuser Wildbach, Brühl und Rudolf-Steiner-Schule sowie der angeschlossenen Kindergärten mitunterschrieben. Vom Schulverein der Steiner-Schule selbst stammt gar eine eigene Einzeleinsprache, wie dessen Vorstandsmitglied David Horisberger bestätigt. «Was die gesundheitlichen Risiken angeht, muss man gerade auch die möglichen Auswirkungen von heranwachsenden Kindern in Betracht ziehen», begründet Horisberger die Einsprache. Was er ausserdem bemängelt: «Es ist nicht absehbar, wie das weitere Ausbauprozedere für 5G verläuft.» Konkret: Welche Abdeckung für die neue Mobilfunkgeneration stadtweit vorgesehen wird.

Dass eine Gesamtplanung für 5G fehle, wird grundsätzlich als Argument gegen die Antennenaufrüstung angeführt. Ebenso eine fehlende Evaluation der möglichen Risiken auf Mensch und Natur. Weiter fehle eine Standortevaluation. Ausserdem seien Überschneidungen mehrerer Antennenperimeter nicht berücksichtigt worden.

Kein «Wunschdatum» für Baupublikationen

Die Baupublikation für die 5G-Aufrüstung an der Benedikt-Hugi-Strasse erschien übrigens am 3. Oktober, also mitten in den Herbstferien. Wie Raja Hollenstein andeutet, ein übliches Vorgehen der Swisscom, solche Projekte zu Ferienzeiten anzukündigen. Andrea Lenggenhager hingegen betont, dass für die Bauherrschaft kein Recht bestehe, ein «Wunschdatum» auszusuchen. Die Baubehörde werde des Öfteren mit dem Vorwurf konfrontiert, gewisse Bauvorhaben zur Ferienzeit zu publizieren, um möglichen Widerstand gering zu halten. «Aber wir publizieren ein Geschäft, wenn es reif ist und die Unterlagen vorhanden sind» – dies unabhängig von allfälligen Wünschbarkeiten der Bauherrschaft, so die Leiterin des Stadtbauamts.

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