Vorstädter-Chilbi
«Bewahrt die Chilbi – das ist Heimat»

Vaterland und Heimat sind auch positive Begriffe – so am Anlass der St. Margrithen-Bruderschaft. An der Vorstädter-Chilbi in Solothurn hielt Regierungsrat Roland Fürst die Vaterländische Ansprache.

Mark A. Herzig
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Vorstadt Chilbi 2018
22 Bilder
Traditionell gekleidet geht man an die Chilbi.
Weitere Impressionen von der Vorstadt Chilbi.
 Die diesjährigen Vortänzer: Reto und Eveline Hess.

Vorstadt Chilbi 2018

Michel Lüthi

An der stark traditionell geprägten Vorstädter-Chilbi hielt Regierungsrat Roland Fürst die Vaterländische Ansprache. Er beleuchtete die Begriffe Heimat, Tradition und Vaterland, die wir weiterhin anwenden dürften, auch wenn sie destruktiv instrumentalisiert werden. Mit seinen Gedanken erntete er von den St. Margrithenbrüdern viel Applaus.

Frage man die Menschen nach dem Begriff Heimat, erkenne man schnell, dass dies nicht einfach ein Ort auf Google Maps sei. «Die meisten verbinden Heimat mit den Menschen, die sie gerne haben.» Für etliche habe Heimat vor allem mit Traditionen zu tun, fuhr Roland Fürst fort: «Das Verarbeiten von Geschichte ist ein weiterer Aspekt von Vaterland und Heimat.» Und er zitierte: «Wer die Vergangenheit nicht kennt, kann die Gegenwart nicht verstehen und die Zukunft nicht gestalten.»

Heimat, Tradition, Vaterland - das seien gegensätzlich empfundene Begriffe, sagte Fürst mit einem Seitenblick auf jüngere innenpolitische Schlagzeilen, in denen sie von links bis rechts beansprucht würden. Für die einen sei es Wandel, für andere Gemeinschaft. Er rief den St. Margrithenbrüdern zu: «Bewahrt die Chilbi, das ist Tradition, das ist Heimat.»

Chilbi und ihre Geschichte(n)

Historische Verwurzelung prägt die Vorstädter-Chilbi. Das Tagwachtschiessen, an dem auch Hanspeter Roth als Träger des Ehrenkleides teilnahm, eröffnete den Festtag mit elf Böllern. Beschwingt tönte anschliessend das Ständchen der Blaskapelle Konkordia durch die Vorstadt. Dem schloss sich ein besinnlich heiterer Festgottesdienst in der Alten Spital-Kirche zum Heiligen Geist an, den der Domchor St. Urs mitgestaltete. Zelebriert wurde die Messe durch Ehrenprediger Ernst Eggenschwiler, die Festpredigt hielt Synodalrat Pfarrer Roland Stach.

Während sich immer mehr Brüder und Schwestern in der Vorstadt versammelten, besuchten Offizielle und Neubrüder die Ehrwürdigen Spitalschwestern. Wieder herabgestiegen von Schöngrüns Höhen, verteilten sich auch die Honoratioren in den Tavernen zu Umtrunk und Gesang. Der Vorstand widmete sich einer Besonderheit der Chilbi - er nahm die Pfannenprobe vor und prüfte die traditionell zum Bruderschaftsmahl gehörende Krebsensuppe.

Das Bruderschaftsmahl

Das Bruderschaftsmahl begann um zwölf Uhr mittags mit dem Chilbi-Marsch der Kapelle Gebrüder Reber und der Begrüssung durch Obmann Franz Gamper. Zwischen Hauptgang und Dessert verlas Cancellarius Patrick Schwaller mit Schwung und Witz das Protokoll der letztjährigen Chilbi. Dem folgte die eingangs erwähnte Vaterländische Ansprache.
An der Chilbi erinnern sich die St. Margrithen-Brüder jeweils ihrer Vorfahren, die in der Schlacht bei Dornach am 22. Juli 1499 Leib und Leben liessen. Deshalb wird der Schlachtbericht des Robert Glutz verlesen, diesmal tat dies Cancellarius. Eingeschlossen in das Gedenken sind ausdrücklich auch die Gefallenen der gegnerischen Seite.

1'153 Franken für den Vortanz

Wie gewohnt schlugen die Wogen hoch bei der Vortanz-Versteigerung nach amerikanischer Art, trefflich geleitet vom Bieter Daniel Ritschard. Wer den Zuschlag erhalten soll, muss anwesend sein und seine Partnerin in der Nähe wissen. Nach heissem Bietgefecht freute sich Säckelmeister Sacha Bärtschiger über 1153 Franken, die für das Vortänzerpaar Reto und Eveline Hess zusammen gekommen sind. Es übernahm sogleich die Spitze des Chilbizügleins, das bis auf die Mitte der Brücken und zurück in den Oberen Winkel führte.