Aus dem Anfang ist auch ein Ende geworden. Die diesjährigen Literaturtage unter dem Motto «Anfänge.Débuts.Inizi.Entschattas» sind zugleich die letzten unter der Geschäftsleitung von Bettina Spoerri.

Für Aussenstehende überraschend, ist Spoerri am vergangenen Wochenende von ihrer Position als Geschäftsleiterin zurückgetreten – und das, nachdem die 35. Literaturtage an der Aare nicht nur bei Publikum und Presse, sondern auch hinsichtlich Besucherzahlen und Finanzen ein Erfolg waren.

Machtkampf hinter den Kulissen

Doch während die Fassade und das Resultat glänzten, brodelte hinter den Kulissen ein Machtkampf – und das offenbar schon länger. «In Solothurn gilt: Wer macht, hat Macht», hatte Spoerri letztes Jahr den AZ Medien noch begeistert erzählt. Nun, ein Jahr später, scheint vielmehr zu gelten: Wer macht, der beschneidet Macht. Denn 34 Jahre lang hatte Spoerris Vorgängerin Vrony Jaeggi das vielköpfige Solothurner Gremium (aus Geschäftsleitung, Vereinsvorstand und Programmkommission) sehr diskret und aus dem Hintergrund geleitet.

So waren gewisse Machtstrukturen organisch gewachsen und das Machtverhältnis hatte sich über die Jahre eingependelt – aber offenbar in einem labilen Gleichgewicht. Und das brachte die neue Geschäftsleiterin nun aus dem Lot.

«Man erwartete von mir als Geschäftsleitung, dass ich Veränderungen bewirke», sagt Spoerri, «aber sobald ich etwas verändern wollte, wurde ich von allen Seiten angegriffen.» Ob sie mit ihrer Initiative nur mit bestehenden Strukturen in Widerspruch kam oder sich vielmehr Einzelne an Spoerris Ideen stiessen, dazu mag die scheidende Geschäftsleiterin sich nicht äussern: «Ich will keine Schlammschlacht führen.» Allerdings sei sie enttäuscht, dass in den Medien bereits Aussagen kursierten, die ihrer Ansicht nach nicht den Tatsachen entsprächen. Etwa, sie hätte statt der Machtverteilung ein Intendantenmodell gewollt. «Das ist Quatsch», resümiert sie.

Position nicht definiert

Im Gegenteil. Sie habe gewünscht, dass die Geschäftsleitung dem Vorstand unterstellt sei. Ebenfalls sei sie offen gewesen dafür, wie man die Kompetenzen und Macht der Geschäftsleiterin definiere, aber «man hätte sie definieren müssen». Dass es innerhalb des Gremiums der Literaturtage strukturelle Probleme gebe, bestreitet auch der Vorstandspräsident Pascal Frey gegenüber den Medien nicht. Doch seien diese in einem über 35 Jahre gewachsenen Verein nicht von einem Tag auf den anderen zu ändern. Vielleicht hatte die neue Geschäftsleiterin zu wenig Geduld, einen zu wenig langen Atem.

Demgegenüber steht Bettina Spoerris Position. Zu arbeiten, ohne dass der Vorstand hinter ihr gestanden habe, sei physisch und psychisch unhaltbar gewesen. «Das habe ich intern auch kommuniziert», erzählt sie. Spoerri wirft dem Vorstand denn auch Unprofessionalität vor. Dass sie diesen im Herbst einer Evaluation unterziehen wollte, erhitzte wiederum aufseiten des Vorstands offenbar die Gemüter.

Bei ihrem Amtsantritt hatte Bettina Spoerri betont, sie wolle das Gesicht der Solothurner Literaturtage werden. In Bezug auf das Publikum ist das sehr gut angekommen. Auch Vorstandspräsident Pascal Frey habe bilanziert, dass die Literaturtage dadurch ein Gesicht gewonnen haben, stellt Spoerri fest. Aber in der Zusammenarbeit von Geschäftsleitung, Vereinsvorstand und Programmkommission war Spoerris Gesicht offenbar zu profiliert.

Sie wolle nun ihren Rücktritt so sauber wie möglich über die Bühne bringen, meint Bettina Spoerri. Im Übrigen sei das Kapitel Solothurn für sie abgeschlossen. Ein kurzes Kapitel war es. Und leider ohne Happy End.