Hauptbahnhof Solothurn

Betrunkener fällt aufs Gleis und wird in letzter Sekunde gerettet

Auf diesem Bahnsteig wartete die Rentnerin auf ihren Zug nach Olten.

Auf diesem Bahnsteig wartete die Rentnerin auf ihren Zug nach Olten.

Am Montag hat eine Leserin eine schier unglaubliche Geschichte miterlebt. Ein betrunkener Mann ist beim Hauptbahnhof Solothurn aufs Gleis gefallen und dann gerettet worden – in letzter Sekunde.

Die Pensionierte erzählt, sie habe am Montagmorgen am Gleis 1 auf ihren Zug gewartet. Es sei kurz vor 10 Uhr gewesen. «Ein Mann, der offensichtlich zu viel getrunken hatte, torkelte auf dem Perron vis-à-vis mit einer Bierdose in der einen und einer Tasche in der anderen Hand dem Gleis entlang.»

Immer wieder nippte er an seiner Dose. «Ich habe den Mann auch schon Tage zuvor gesehen», erzählt die Frau, die anonym bleiben will. «Er verkauft Rosen und Herzen und ist am Bahnhof bekannt.»

Der Mann sei niedergekauert. «Als wollte er pinkeln», sagt die Rentnerin. Er habe dann versucht aufzustehen. «Er taumelte und fiel. Dann landete er auf dem Gleis.»

Ein junger, grau gekleideter Mann mit schwarzer Mütze, der neben ihr gewartet habe, so erzählt sie, sei ohne zu zögern losgerannt. Er habe weder nach links noch nach rechts geschaut und sei auf das Gleis gesprungen. «In diesem Moment sah ich die beiden schon tot», sagt sie.

Doch die Geschichte endet gut: «Der junge Mann hievte den Betrunkenen hoch.» Nur einige Sekunden nachdem beide auf dem Perron und somit in Sicherheit waren, sei dann ein Zug eingefahren. 

«Diesem jungen Mann gilt der grosse Dank und die Hochachtung aller Anwesenden», schliesst sie. «Sein Einsatz war mutig, aber lebensgefährlich!»

Geschwindigkeit wird unterschätzt

Bei den SBB ist keine entprechende Meldung eingegangen. Solche Stürze seien aber sehr selten, sagt SBB-Mediensprecher Daniele Pallecchi. «Es handelt sich auf dem ganzen SBB-Netz um eine kleine zweistellige Zahl jährlich», sagt Pallecchi. In dieser Zahl seien aber auch alle Stürze beim Ein- und Aussteigen enthalten, nicht nur diejenigen von Personen, die auf das Gleis fallen.

Generell rate die SBB auch in einem solchen Fall, dass Gleis nicht zu betreten. «Der Aufenthalt auf den Gleisen ist lebensgefährlich», sagt Pallecchi. «Der Bremsweg eines Zuges ist durchschnittlich zehnmal so lang wie der eines Autos.»

Ausserdem werde die Geschwindigkeit von Zügen häufig unterschätzt. Demjenigen der wirklich in eine solche Situation gerät, rät Pallecchi sofort die Bahnpolizei und das SBB-Personal zu informieren. Zuletzt müsse auch immer die Situation berücksichtigt werden. «Es ist nicht dasselbe, ob man im Bahnhof Bern, der in einer Kurve liegt oder an einer gut übersichtlichen Stelle auf dem Land steht.»

Meistgesehen

Artboard 1