Solothurn
Betrachten und Debattieren über Kunst – und die französische Bistro-Küche geniessen

Im Haus der Kunst St. Josef in Solothurn geben vier ehemalige Studenten des deutschen Malers und Kunstprofessors Albert Oehlen Einblick in ihr aktuelles Schaffen. Zum Jahresende wird die beliebte Brasserie «Saint-Jo» wiederbelebt.

eva Buhrfeind
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Das Haus der Kunst St. Josef in Solothurn. Thomas Ulrich und Tina Dauwalder

Das Haus der Kunst St. Josef in Solothurn. Thomas Ulrich und Tina Dauwalder

Hausreste», dieser Ausstellungstitel ist nicht Programm, sondern der ein wenig rätselhafte Name der Klasse Oehlen an der Düsseldorfer Kunstakademie, wo Albert Oehlen, Jahrgang 1954, einer der renommiertesten Künstler der deutschen Gegenwartskunst von 2000 bis 2009 als Professor für Malerei unterrichtete.

Programm ist hier, dass Albert Oehlen, einst einer der «Neue Wilden»-Kunstszene, nun im Haus der Kunst in Solothurn diese Ausstellung vier seiner ehemaligen Studenten kuratiert und selbst mit einem Werk vertreten ist. Ein Ort, der grosszügig Raum bietet für die Gegenüberstellung mit dem Lehrer, der den künstlerischen Weg einspurte, den seine Schüler nun weitergehen werden.

Prägend ist die eindeutige Geste Albert Oehlens, die expressive Linienführung, das Schichten, Übermalen, Verwischen, in das Zeichen und Zeichenhaftes gerät, das Impulsive und das Beruhigte, das Abstrakte und nur vage Figurative, Malerei als Prozess der Bildentdeckung.

So zum Beispiel scheinen sich bei Jana Schröder – die 1983 Geborene stammt aus Brilon – die energischen und markanten Pinselstriche durch den dichten schwarzen Ölfarbauftrag zu pflügen und sich zu zeichenhaften Spuren und kompakten Strukturen zu verweben, sodass auf subtile Art im unendlichen Bildraum zwischen Fläche und Tiefe die Macht der Farbe Schwarz aufgebrochen und neu gedeutet wird.

Vor allem bei dem 1983 geborenen Andreas Breunig klingt das Vorbild an. Auch er vertritt die reine abstrakte Malerei, in der sich die ganze Palette an Farben, Gesten und Aufträgen zu einer imposanten wie informellen Expressivität befreit: überlagern, verwischen, grosszügig malen, konzentriert Linien ziehen, verschmieren, verdichten, im Wechsel flächiger und pastöser Farbwirkung der weissen Leinwand Raum lassend, aus denen hin und wieder kryptische Zeichen auftauchen.

Ein wenig aus der Reihe zu tanzen scheint der 36-jährige gebürtige Japaner Yuji Nagai. Er gibt sich anekdotisch mit den wilden, Gitarre spielenden, tierköpfigen Gesellen, die in einem traumhaften Wirbel zu trudeln scheinen, selbst als Einzelfigur oder in den ornamentalen Gefügen. Der Hintergrund, durchaus impulsiv, ist dennoch minuziös in den vernetzten Farbstrichen und -schichten, denen fein zisilierte und sinnbildartig auftauchende Elemente eine illustrative Wirkung verleihen.

Henning Strassburger skizziert mit den malerischen wie zeichenhaften bildgestalterischen Mitteln seines Lehrers Szenarisches am «Pool»: spritzendes Wasser, das Lineare der Kacheln, figurativ bewegte Momente, Farbkleckse, verstärkt durch Chiffren und Wörter, die der 1983 in Meissen geborene Künstler mit Acryl, Lack und Öl auf Leinwand zu plakativ wirkenden Kompositionen steigert.

Wie schon in den vergangenen Jahren öffnet das Haus der Kunst mit «Saint-Jo» seinen stimmungsvollen Brasseriebetrieb in der aktuellen Ausstellung «Hausreste». Vom 27. 11. bis 13. 12 kann man in der Begegnung mit der Kunst währschafte französische Küche und entsprechende Weine an der Bar oder am Tisch geniessen.

Öffnungszeiten Ausstellung: Do–Fr 17–20 Uhr, Sa/So 13–17 Uhr. Bis 1. 2. 2015. Brasserie: Do–Sa 18–24 Uhr, Sonntag 13–17 Uhr. Auskunft und Reservation: info@hausderkunst.ch; hausderkunst.ch oder Tel. 032 621 09 80.

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