Prägende Baudenkmäler müssen unterhalten werden. Gegenwärtig wird die 1689 eingeweihte Jesuitenkirche einer Vollrestaurierung unterzogen. Eingebettet sind denkmalpflegerisch gestützte Massnahmen im Brandschutzbereich, der hindernisfreie Zugang sowie der verbesserte Sitzkomfort in den unbequemen Kirchenbänken.

Die letzte Sanierung des Innenraumes erfolgte 1952/53, denn 1922 musste diese Kirche aus Sicherheitsgründen geschlossen werden. Zuerst war aber die nicht ganz einfache Eigentumsfrage zu klären. 1646 berief der Grosse Rat die Jesuiten nach Solothurn zur Führung einer Lateinschule mit Kollegium an der Goldgasse – immer noch Schulhaus – und Jesuitenkirche. Nachdem 1773 der Jesuitenorden durch den Papst aufgehoben wurde, erklärte der Rat, diese Schule zu behalten.

Um die Kirche wieder als Gotteshaus zu nutzen, wurde 1951 die «Stiftung Jesuitenkirche Solothurn» gegründet und zur Eigentümerin der Kirche. Die Verwaltung übernahm der römisch-katholische Kirchgemeinderat als Stiftungsrat. Benützungsrecht und Unterhalt obliegen der Kirchgemeinde.

«Zeitlich liegen wir im Plan, im Gewölbe sind Reinigung und Restaurierung der Deckenbilder und Stuckaturen praktisch abgeschlossen», erklärt Karl Heeb, Kirchgemeinde- und Stiftungsrats-Präsident, an der öffentlichen Führung. Die Beurteilung und Abnahme sind die letzten Massnahmen. «Die farbliche Einstimmung der Oberfläche erfolgt aus der Nähe und aus der Distanz, damit alle Stellen gemäss Originalstruktur ausgeglichen und gleich hell werden», ergänzt Heeb. Ab 13. Juli kann abgerüstet und mit der Reinigung und Sanierung der Fenster begonnen werden.

Bänke werden breiter

Nach der Gerüstentfernung ist der Boden mit den Natursteinplatten an der Reihe. Unter die Bankfelder kommen Tonplatten. Erst am Schluss werden die Sitzbänke montiert. Weil Teil der originalen Ausstattung, dürfen sie nicht ersetzt werden. Um den Komfort trotzdem zu verbessern, werden die Sitzhöhe reduziert, die Sitzfläche verbreitert und nach hinten geneigt, sowie die Zwischenräume in den hinteren Bankfeldern verbreitert. Die Rückenpolster bleiben. Vorher wird das Podest auf der Mittelempore erstellt und die Beleuchtung auf LED umgerüstet.

Angepasst werden die Brandschutzmassnahmen. Ein Fluchtweg erfolgt über die Sakristei Ost. Dieser bedingt einen Mauerdurchbruch und eine Treppe in den Innenhof des Kollegium-Schulhauses. Der Zweite führt über die Seitenempore West aus dem ersten Stock mit einer Fluchttreppe in den Lapidarium-Innenhof. Zudem muss der Kirchenzugang hindernisfrei werden. Dazu erteilte im letzten Gemeinderat die Stadt als Grundbesitzerin die erforderliche Konzession. «Mit Rollstuhl und Rollator und einer sich automatisch öffnenden Türe wird der Eintritt für alle möglich», erwähnt Heeb. Mitte September ist hier Baubeginn. Am Hochaltar, hundert Prozent aus Holz, wird noch gearbeitet.

Einiges war aufwendiger

Überraschungen gehören dazu. Nicht voraussehbar waren Hohlstellen bei den Deckengemälden. Die Bearbeitung der Holzschnitzereien in der Hochaltar-Bekrönung erwies sich ebenfalls als aufwendiger. Auch muss die ganze Aussenfassade saniert werden. «Wir gingen zuerst davon aus, dass nur der obere Bereich behandelt werden muss, und hofften, bis zum Märetfescht fertig zu sein. Jetzt dauert es bis Ende August. Die Narrenzunft Honolulu kann ihre VIP-Lounge trotzdem erstellen, dafür hat es genug Platz», beruhigt Heeb.

Auch die Finanzen hat die Bauherrschaft im Griff. Für die Innenrenovation sind 3.6 Mio. Franken budgetiert, für die Fassade eine halbe Million. «Die Mehraufwände können wir mit den Reserven auffangen», sagt Heeb. Trotzdem ist die Stiftung auf Spenden angewiesen. Nicht gedeckt durch die kantonalen und eidgenössischen Denkmalpflegen, kantonale Synode sowie Kirchgemeinde sind 500 000 Franken.