Solothurn
Berufsbildung ist Exportschlager der Schweiz

Ist die Schweizer Industrie konkurrenzfähig? Ist sie innovativ genug, um an der Spitze zu bleiben? Diese Fragen diskutierten fünf Fachleute am Panelgespräch der Baloise Bank SoBa im Solothurner Landhaus.

Franz Schaible
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Lehrlinge in einem landwirtschaftlichen Ausbildungszentrum (Archiv)

Lehrlinge in einem landwirtschaftlichen Ausbildungszentrum (Archiv)

Keystone

«Die Schweiz ist die innovativste Nation der Welt», führte Bank-SoBa-Chef Jürg Ritz vor rund 500 Interessierten ins Thema ein. Er erinnerte daran, dass die Firmen rund drei Prozent des Bruttoinlandproduktes in die Entwicklung neuer Produkte oder Innovationen steckten, also rund 15 Mrd. Franken pro Jahr oder gegen 50 Mio. Franken pro Arbeitstag.

Kein Wunder, belege die Schweiz bei europäischen und internationalen Rankings bezüglich der Innovationstätigkeit regelmässig die vordersten Plätze. Doch kann die Schweiz im Umfeld der Finanz- und Wirtschaftskrise und der Eurokrise die Spitzenstellung halten? Ist eine Krise die beste Phase, um Innovationen zu schaffen? Darüber haben die Podiumsteilnehmer differenziert diskutiert.

Nicht auf Lorbeeren ausruhen

Die Schweiz stehe tatsächlich gut da, erklärte etwa Johannes Milde, Chef der Division Building Technologies Siemens Schweiz AG. Allerdings seien die Kompetenzen «etwas einseitig auf die traditionelle Präzisionsindustrie ausgerichtet». «Ich sehe ein zunehmend grösser werdendes Defizit bei der Entwicklung innovativer Software und IT-Lösungen.»

Matthias Kaiserswerth, Direktor des IBM-Research-Zentrums in Zürich, warnte davor, «sich auf den Lorbeeren auszuruhen». Die Spitzenposition könne nur gehalten werden, wenn sich unser Land weiterhin für die Förderung von Ausbildung, Innovationen und Spitzenforschung am Standort Schweiz einsetze. «Früher reichte es, gut zu sein. Heute, in der globalisierten Welt, muss man der Beste sein, um zu Bestehen.»

Über die Verhältnisse gelebt

Dem widersprach Klaus Wellershoff, selbstständiger Berater und früherer Chefökonom der UBS, und zog einen Vergleich mit Fussballmannschaften. «Ein Team, nur mit absoluten Spitzenspielern besetzt, garantiert auch keinen Erfolg.» Entscheidend sei vielmehr die Zusammensetzung der Mannschaft. Im übrigen sieht er durchaus Handlungsbedarf. «Wir sind in der Krise, weil wir Mist gebaut haben.» Man habe über die Verhältnisse gelebt. Wichtige Teile der Wirtschaftsstruktur, viele Unternehmen aber auch der Sozialstaat seien falsch aufgestellt.

Die notwendigen Anpassungen bräuchten Innovation und Mut zur Veränderung. Beispielsweise im Sozialversicherungssystem. Alle wüssten, dass dieses System auf lange Sicht nicht finanzierbar sei, passieren tue aber nichts. Dabei sei die Losung klar: «Es braucht mehr Leute, die Kuchen backen, statt Kuchen verteilen.»

Fachkräfte, nicht nur Forscher

Im dualen Bildungssystem sieht Manager Milde eine grosse Stärke der Schweiz. Denn bei einer Innovation entfielen nur 20 Prozent auf die Erfindung, 80 Prozent dagegen auf die Umsetzung der Idee in die Praxis. Dazu brauche es gut qualifizierte Fachkräfte und nicht nur Forscher. «Die Berufsbildung ist sozusagen ein Exportschlager für die Schweiz.» Dem stimmte Daniel Schönbächler, Abt und Vorsteher der Klostergemeinschaft Disentis, bei. Seine Erfahrung zeige, dass viele Schüler gar nicht wissen, warum sie eigentlich am Gymnasium seien. «Dabei ist klar: Nur ein starkes Ziel mobilisiert Energien.»

«Verkrustete Strukturen»

Auch der Staat müsse sich mit Innovation auseinandersetzen, hielt Marie-Gabrielle Ineichen-Fleisch, Staatssekretärin und Seco-Direktiorin, fest. Einerseits gehe es darum, finanzielle Mittel für die Innovationen bereitzustellen, um den Standort Schweiz zu stärken.

Andererseits müsse der Staat auch dafür sorgen, den Weg für die Umsetzung neuer Technologien zu ebnen, etwa im Enegie- und Baubereich. «Verkrustete Strukturen müssen aufgeweicht werden, damit der Bewilligungsprozess beschleunigt werden kann.» Das brauche aber Zeit, weil in der Regel Kantone, Gemeinden und Private involviert seien.

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