Eröffnungsapéro
Berner Coiffeur rührte das Publikum zu Tränen

Die Weltpremiere von Xavier Kollers «Eine wen iig. Dr Dällebach Kari» in der Reithalle war ein voller Erfolg. Am anschliessenden Apéro für geladene Gäste sorgte der Film für viel Gesprächsstoff.

Fränzi Rütti-Saner
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Xavier Koller wollte am Donnerstag Abend in der Reithalle fast nicht mehr die Bühne verlassen. Nach grossem Applaus für seinen Film liess er es sich nicht nehmen, 33 Mitglieder seiner Filmcrew persönlich vorzustellen und ihnen allen zu danken. Unter ihnen auch Barbara Grimm, Schauspielerin, mit dem Preis für Schauspiel des Kantons Solothurn ausgezeichnet. Sie ist in der Rolle als Dällebach Karis Schwester mit Damenbart fast nicht wiederzuerkennen.

Doch dann gings den Alufackeln entlang in Richtung Konzertsaal, wo ein opulentes Apéro riche auf die Gäste wartete. Manche mussten einen ganz grossen Hunger haben, luden sie sich auf ihre Teller doch turmhohe Apérohaufen. «Ich konnte den Film leider nicht sehen», erklärte eine enttäuschte Alexandra Melar Studer. Sie habe mit ihrem Partner Ueli Studer, gegen Windböen kämpfend, die Lichter draussen angezündet. Dennoch wusste sie einiges über den Film. «Im Sommer 2010 habe ich mit anderen Personen das Filmset in Bern besuchen können. Ich fühlte mich wie im 19. Jahrhundert. Da stimmte alles bis ins Detail. Man erkannte sofort: Da ist ein absoluter Profi am Werk.»

Grenchens Stadtpräsident Boris Banga war auch eine halbe Stunde nach der Filmvorführung immer noch sichtlich gerührt. «Jetzt habe ich Dällebach Kari erstmals nicht als Witzfigur oder Saufkumpan erlebt. Der Film ging direkt in meinen Bauch und in mein Herz. Das darf man zwar als älterer Mann heute fast nicht mehr sagen.»

Humor und Tragik sind nah

Neu-Ständerat Pirmin Bischof zeigte sich auch begeistert. «Als alter Schnitzelbänkler habe sehr deutlich erkennen können, wie nah Humor und Tragik liegen. Und dass man nie über vermeintlich Schwächere lachen sollte.» Autor Franco Supino sah das etwas differenzierter: «Ganz grossartig fand ich die jungen Schauspieler, die Darsteller waren traumhaft. Hingegen hat mich die Sprache hin und wieder geärgert. Manchmal fand ich das Ganze auch ein wenig zu kitschig.»

Vroni Jaeggi, Geschäftsführerin der Solothurner Literaturtage, meinte hingegen: «Ich fand das ganz grossartiges Kino. Man erkannte einfach: Da ist ein ganz Grosser am Werk.» Und als «Profi» meinte der Zürcher Filmkritiker Christian Jungen: «Ich bin positiv überrascht. Der Film hat mir viel besser gefallen als ‹Der Verdingbub›».

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