Immer wenn die Blätter fallen, flattert bei den Solothurner Seniorinnen und Senioren ein Brief vom Stadtpräsidium ins Haus. Es ist Zeit für einen geselligen Nachmittag im Landhaussaal. Die Wertschätzung, die die Stadt ihren älteren Mitbürgerinnen und Mitbürgern entgegen bringt ist gross, und die Liste all jener, die im 90. Lebensjahr und darüber stehen wird von Jahr zu Jahr ein bisschen länger.

1752 Einladungen hat die Stadt in diesem Jahr verschickt. Rund 450 Männer und Frauen haben sich dafür entschieden, mit ungefähr Gleichaltrigen ein paar frohe Stunden zu verbringen. Was die Liste auch noch verrät: Unter den durch die Leiterin der Sozialen Dienste, Domenica Senti, besonders Geehrten leben von 64 Menschen, die älter als 89 Jahre alt sind, immer noch 50 in den eigenen vier Wänden.

Und wie sich zeigt, befinden sich unter ihnen immer noch solche, die erstmals an der Altersehrung teilnahmen. So Berta Stampfli: «Ich habe immer noch viel im Haus und im Garten zu tun, aber meine Kinder haben mir nahegelegt, doch einmal hinzugehen.» Die 90-Jährige bereut es nicht: «Es gefällt mir sehr gut, und ich werde bestimmt auch nächstes Jahr dabei sein.»

Zu den Neulingen gehört auch Ernst Affolter. «Bisher war immer nur meine Frau, dabei, aber jetzt weiss ich, dass das eine gute Sache ist und man viele Bekannte trifft.

Dieser Meinung ist auch Thomas Kägi, der jüngst 75 Jahre alt geworden ist und sich aus lauter «Gwunder» angemeldet hat. Sein Fazit: «Es ist gemütlich, man kann nette Gespräche führen, und das Programm, das geboten wird ist sehr gut.»

Inmitten der froh gesinnten Menschen treffen wir auch Sebastiano Manduca aus Sizilien. Der Italiener ist 1961 in die Schweiz gekommen. «Ich werde hier bleiben und auch hier sterben. Meine Familie wird akzeptiert, und es ist für sie eine Ehre, dass wir an diesem Anlass teilnehmen können.»

Fluris Dank und Appell

Einmal mehr kommt an beiden Nachmittagen weder kulinarisch noch kulturell jemand zu kurz. Die Schriftstellerin und Kolumnistin Renée Maria Bellafante erzählt in kerniger Berner Mundart Kurzgeschichten aus dem Alltag. Mit orthodoxen Klängen und Volksliedern aus Russland weiss das Lyra Vokalensemble aus St. Petersburg zu begeistern. Verena Weyermann brilliert an der Drehorgel.

Stadtpräsident Kurt Fluri dankt den Anwesenden für ihr Interesse an der städtischen Gesellschaft sowie allen freiwilligen Helferinnen für das Engagement, mit dem sie sich für die ältere Bevölkerung einsetzten. Dazu gehörten unter anderen die Sozialen Dienste, die Spitex, der Fahr- und Servicedienst, die Stadtpolizei und die Hauswarte.

Zudem ruft er die Anwesenden dazu auf an der Budget-Gemeindeversammlung im Dezember teilzunehmen. Immerhin winkt eine Steuersenkung auf 110 Prozent. Zur Sprache kommen auch die Sicherung der AHV und die Erhöhung des Rentenalters für Frauen.

«In den nächsten ein bis zwei Sessionen wird es sich zeigen, welche Lösungen mehrheitsfähig sind.» Ein Zuwarten könne man sich in Anbetracht der Zunahme der Leistungsbezüger und der Abnahme der Beitragszahler nicht leisten. «Mit Sicherheit wird es zu einer Volksabstimmung kommen», lässt Fluri die Rentnerinnen und Rentner wissen.