Solothurn
Bekanntes Format gastiert im Kapuzinerkloster, aber die Marke ist neu

Mit «Natürlich im Chloschter» startet am Samstag im Kapuzinerkloster Solothurn die andere Spezialitätenmesse nach der «Authentica».

Andreas Kaufmann
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Vorbereitung zur 1. Ausgabe von «Natürlich im Chloschter» in Solothurn
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Urs Bucher, Organisator der «Natürlich im Chloschter»

Vorbereitung zur 1. Ausgabe von «Natürlich im Chloschter» in Solothurn

Hansjörg Sahli

Wie jedes Jahr wird das malerische Ensemble des Kapuzinerklosters zur Plattform für Handwerk und Kulinarik – mit Werken aus der Hand von Kleinproduzenten, die sich dem Authentischen und Natürlichen verschrieben haben. Nur trägt der Anlass zwar die gleiche Handschrift, aber nicht mehr denselben Stempel. Nach sechs Durchführungen in Solothurn heisst sie nicht mehr «Authentica», sondern «Natürlich im Chloschter».

Und so handelt es sich auch um eine andere Spezialitätenmesse, die am Samstag und Sonntag über die Bühne geht. Zur Erinnerung: Gastronom Urs Bucher, der sich als Vater des Messekonzepts versteht, und seine organisatorischen Mitstreiter haben sich im vergangenen Jahr entschieden, getrennte Wege zu gehen. «Wir sind im Guten auseinander», betont Bucher. Die Marke «Authentica» blieb bei den Mitstreitern, die dieses Jahr aussetzen und 2019 die Fortsetzung im Schloss Waldegg planen. Derweil schuf Bucher die Marke «Natürlich im Chloschter».

«Upcycling» hoch im Kurs

So werden 85 Anbieter aus der Region und der ganzen Schweiz natürliche Produkte aus eigener Herstellung anbieten: Für den Gaumen findet sich alles vom Sirup über den Met bis zum Absinthe oder vom Senf bis zum exotischen Brotaufstrich. Und im Bereich Handwerk trifft man auf Produkte, die von der Kunst übers Dekor bis hin zum Alltagsgegenstand reichen. Oder die das eine mit dem anderen vereinen: «Kunst allein verkauft sich oft schwer. Für mich muss es was sein, das man auch im Alltag brauchen kann», sagt Loes Burri aus Kriegstetten.

Sie führt ein Atelier für kreatives Gestalten und bereitet ihre Skulpturen, Vasen oder Apéroschalen für den Messestart vor. Einiges erinnert an Niki de Saint Phalle oder Hundertwasser. Und: Das Schlagwort «Upcycling» ist bei ihr und anderen Ausstellern Thema: Altem einen neuen Glanz, eine neue Funktion, eine neue Bestimmung geben. So auch bei Laura Ducret aus Zürich, die unter dem Namen «Lorbeer Holzdesign» ihre aus ausgemusterten Fässern geschaffenen Möbel zeigt. «Dass ein Sessel die Form des Fasses aufnimmt, war die ursprüngliche Idee», erklärt sie die Ergonomie.

Vielerorts kann der Besucher den Produzenten unter dem Stichwort «Erleben» entweder bei ihrer Arbeit zuschauen oder selbst schöpferisch mitwirken. Und in einer alpinen Sonderschau präsentieren vier Firmen ihre Produkte aus Hanf und Kuhfleisch. Hanf als Lebensmittel macht das Produzentengremium «AlpenPionier» aus dem Bündnerland salonfähig – jenseits von THC und CBD. Dies reicht vom Müsli über Speiseöl bis hin zum Riegelsnack. «Wir wollen den Hanf vom Image der Raucherware wegbringen, aber auch zeigen, dass er nicht nur medizinisch verwertet werden kann», sagt Carlo Weber von «AlpenPionier». Beispielsweise als Baumaterial, wie Werner Schönthaler vor Ort zeigen wird.

«Ein Drittel mehr Aussteller»

Die Handschrift der «Authentica» ist gut erkennbar: Vieles, was sich bewährt habe, habe man für «Natürlich im Chloschter» übernommen, sagt Bucher. «So wurde die gleiche Atmosphäre wie 2017 geschaffen. Und auch ohne Zelte wie in Vorjahren verzeichnen wir einen Drittel mehr Aussteller.» Unter anderem konnte mit dem «Sündenkeller» auch neuer Ausstellungsraum erschlossen werden.

Zur Erinnerung: Die bei der Trennung der «Authentica» aktiven Macher hatten den Weggang vom Kapuzinerkloster damit begründet, dass man mit der vorhandenen Raumstruktur die wachsende Zahl der Aussteller gar nicht mehr bewältigen könne, vor allem, weil andere Nutzungspläne einen Teil der Räume beansprucht hätten. Die «Authentica» findet deshalb ab 2019 im Schloss Waldegg in Feldbrunnen statt, und zwar zu einem laut Bucher «wenig geschickten» Zeitpunkt, insbesondere wenn die Messe vergleichbar daherkomme. Während er sein «Natürlich im Chloschter» für nächstes Jahr für den 25. und 26. Mai fixiert hat, startet die «Authentica» am 30. Mai.

Derweil zeigt er sich zuversichtlich, dass er durch die Kontinuität und einen lange gehegten Aussteller-Stamm von rund 200 Kontakten auch 2019 das Kapuzinerkloster bespielen kann. «Denn gerade die kleinen Aussteller brauchen diese Messe», weiss Bucher. Auch der ins Zentrum gerückte Aspekt der «Erlebnismesse» spreche für deren Erfolg.

Hoffnung, auch für Konkurrenz

Nichtsdestotrotz bedauert Bucher die Trennung von der «Authentica». Er war bestrebt, wieder mit den Organisatoren über eine Zusammenarbeit zu verhandeln. Indes wünscht er der «Authentica» ebenso Glück, wie er auf eigenen Erfolg hofft. Insbesondere stützt sich seine Hoffnung auf das laufende Bewilligungsverfahren des Kantons, um die Nutzung nach eigenen Angaben «moderat» zu erweitern. «Wir hoffen, dass wir in dieser Sache im 2019 weiter sind.»

Auf alle Fälle verhalte er sich entlang der Grenzen, die er im Rahmen der Nutzungsvereinbarung mit dem Kanton als Eigentümer habe. «Man blickt mit Argusaugen auf das, was wir hier tun», sagt Bucher und ruft die von Einsprachen geprägte jüngere Vergangenheit des Klosters an. Auch läuft eine Anzeige wegen «bewilligungswidriger Nutzung» gegen die Stadt als Bewilligungsinstanz.

Konkret geht es darum, dass laut Baubewilligung von 2007 keine gewerbemässigen und gewinnorientierten Anlässe im Kloster erlaubt seien. Im Falle der «Authentica» hatte das Stadtbauamt argumentiert, dies sei Auslegungssache. Für «Natürlich im Chloschter» heisst es von Andrea Lenggenhager, Leiterin des Stadtbauamtes: «Wir gehen grundsätzlich davon aus, dass es sich um einen ideellen Anlass handelt.»

Öffnungszeiten: Samstag, 11 bis 22 Uhr; und Sonntag, 10 bis 17 Uhr.

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