Während andernorts dem Gewerbe das Januarloch in der Kasse klafft, hat Solothurn seinen altgedienten «Gewerbekatalysator», um diese Zeit zu überbrücken: die Filmtage. Eine vor drei Jahren vorsichtig gemachte Schätzung beziffert die regionale Wertschöpfung aufgrund des Anlasses auf rund 3,8 Mio. Franken, wovon rund die Hälfte auf Hotellerie und Gastronomie entfallen und die andere Hälfte auf das restliche Gewerbe.

Und was seitens der Filmtage-Organisation in Zusammenarbeit mit der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften 2017 eruiert werden konnte: 90 Prozent des Filmtage-Publikums geben 200 Franken pro Tag für Verpflegung und Unterkunft aus. Und auch ohne genaue aktuelle Umsatz- oder Frequenzzahlen lässt sich bereits jetzt feststellen, was schon in den vergangenen Jahren der Fall war: Solothurn profitiert vom Filmfestival.

Frequenzen während Filmpausen

Einen positiven Filmtage-Effekt bestätigt Caroline Jäggi, Geschäftsführerin der Stadt- und Gewerbevereinigung SGSo. «Gerade die Filmpausen haben viele Betriebe punkto Frequenzen zu spüren bekommen.» Vor allem die Achsen Gurzelngasse und Hauptgasse wurden von Kundenströmen heimgesucht. Obschon: Die Filmtage-Besucher haben «ihre» Geschäfte und kaufen – oftmals wiederkehrend – ausgesucht ein.

Urs Jeger vom «Cherzejeger» an der Ecke Hauptgasse-Schaalgasse kann die Erfahrungen bestätigen: «Wir liegen an einer guten Achse – und hatten wie immer gute Frequenzen..» Und tatsächlich erkennt er viele treue Kunden, für die ein Besuch an den Filmtagen jeweils auch mit einem Besuch im Laden verknüpft wird.

Noch zu früh sei es für konkrete Zahlen zu den Logiernächten, informiert Jürgen Hofer, Direktor von Region Solothurn Tourismus. Auf jeden Fall werden die Januar-Resultate vor allem durch die Zeit der Filmtage geprägt und bestimmt. Dabei dient die von den Hotels zu entrichtende Kurtaxe als Messindikator. Jeweils schwierig zu ermitteln sei die Parahotellerie: Was Campingplatz und Jugendherberge angeht, seien die Zahlen eher vernachlässigbar. Und Angebote wie Air B’n’B sind grundsätzlich schwer zu beziffern.

Von einer «fantastischen Auslastung» spricht indes Franz Herger, Finanzverantwortlicher bei der Genossenschaft Baseltor. «Die Filmtage machen sich bei uns immer bemerkbar.» Dies betrifft die Restauration im «Baseltor», «Sol Heure», «Salzhaus» und in der «La Couronne». Erste Zahlen zeigen, dass die Betriebe leicht über Budget liegen. Auch hier zeigt sich der Treueeffekt: «Den grössten Teil der Gäste machen langjährige Besucher aus», so Herger.

Treues Filmtage-Publikum

Die Genossenschaft Kreuz hatte heuer mit Kochkräfte-Mangel zu kämpfen. Im letzten Moment konnte noch ein Spätkoch gefunden werden, um die Verpflegung nach Mitternacht am Wochenende zu ermöglichen. «Zum Glück hat die Grippewelle nicht zugeschlagen», findet Felix Epper von der Genossenschaft, und: «Die Umsätze während der Filmtage waren im Vergleich der vergangenen Jahre konstant. Das diesjährige Ergebnis kann mit den Vorjahresergebnissen mithalten.» Und auch hier: «Wir haben viele Filmtage-Stammgäste empfangen.» Was man feststellt: Die Programmierung hat Auswirkungen auf den Beizenbetrieb. «Die Gäste weniger lang sitzen als in früheren Jahren. Sie kommen in Wellen, wenn ein Filmblock vorbei ist.»

Von Seiten der Gastronomie freut sich auch Michael Brüderli, CEO der Suteria, über die Bilanz der Filmtage: «Mit unserem Café am Kronenplatz profitieren wir ganz klar von der Lage.» Und: Auch hier kommen die Frequenzen in Wellen. Und: «Für uns hat sich der Mittag verlängert: Nachdem zur Mittagszeit die regulären Stammgäste dominieren, seien es zur nachmittäglichen Filmpause um 13.30 Uhr jeweils die Filmtage-Besucher, die ihren Mittagslunch nachholen. «Wer unter diesen Bedingungen nicht profitieren kann, macht etwas falsch», findet Brüderli. Und mit der schweizweit steigenden Bekanntheit der Filmtage sei die Tendenz schon die, dass mehr Leute nach Solothurn kämen. «Wir wollen die Filmtage nicht missen», so Brüderli.