Jubiläum von ImproVISION
Beim Theater geht Improvisieren über Studieren

Das Improvisationstheater ImproVISION feierte am Wochenende ihr 10-Jahr-Jubiläum. Dieses wurde mit Salamifrappé und Kuchen im Theater Mausefalle gefeiert.

Fabiana Seitz
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Die Schauspieler von ImproVISION gaben an der Jubiläumsshow ihr Bestes – auch ohne lange Vorbereitungszeit.
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ImproVISION gibt ihr Können zum Besten.
Schauspiel mit Leidenschaft.
Jubiläum von Improvison in der Mausefalle
Das Publikum feiert mit.
Auch treue Impro-Fans werden geschätzt.
Ein Kuchen gehört bei einem Geburtstag dazu.
Die Verneigung nach der Show.

Die Schauspieler von ImproVISION gaben an der Jubiläumsshow ihr Bestes – auch ohne lange Vorbereitungszeit.

Hans Ulrich Muelchi

Ob eine Pressekonferenz mit dem persönlichen Beine-Enthaarer von Conchita Wurst oder eine Oper, die den Titel «Das lustige Salamifrappé» trägt, an Fantasie mangelte es am Freitagabend nicht. Im Theater Mausefalle zelebrierte die Truppe von ImproVISION ihr zehnjähriges Bestehen. Das Geheimrezept des Erfolges von ImproVISION ist genauso simpel wie genial: Ein Pianist, zwei Moderatoren, acht Schauspieler - und alle ahnungslos, was sie als Nächstes erwartet.

So treten die improvisierenden Schauspieler jeweils in zwei Mannschaften gegeneinander an, das Publikum gibt Inputs und bestimmt mithilfe des «Applauso-Meters», wer die Aufgabe besser gelöst hat. Auf die Frage, weshalb man sich das antut und sich planlos auf die Bühne stellt, antwortet die Truppe nach der Show: «Das fragen wir uns auch».

Geburtsstunde in der Mausefalle

Wohl kaum jemand hat damals geahnt, dass ImproVISION einmal eine Eins auf dem Rücken tragen wird. Im Dezember 2004 trommelte Reto Sperisen Freunde und Schauspieler der Mausefalle zusammen und verhalf so dem Solothurnerischen Improvisations-Theater zur Geburt. Doch die Mausefalle wurde schnell zu klein und der einmal jährliche Auftritt an drei Abenden zu wenig.

Ausweg bot die Bühne des Alten Spitals und der Mittwoch bürgerte sich als Impro-Abend ein, sechsmal pro Saison. Einige Schauspieler verliessen das Team, andere kamen dazu, man erfand neue Disziplinen, doch das Grundkonzept blieb. Bei zwei ausverkauften Jubiläums-Shows am «Geburtsort» und zehnjährigem Erfolg kommt da schon auch mal Starfeeling auf. So kämen sie heute gar nicht mehr in Ruhe durch die Stadt, ohne angesprochen zu werden, witzelt das Team.

Nicht jeder ist eine Rampensau

Im Unterschied zum klassischen Theaterschauspiel ist Improvisations-Theater zwar um einiges schweisstreibender, doch auch abwechslungsreicher. Der Text muss nicht stundenlang auswendig gelernt werden und Fehler werden vom Publikum verziehen.

Ohne die Zuschauer wäre das Improvisations-Theater sowieso unmöglich. «Das Publikum muss mitmachen», sind sich die Schauspieler einig. Und doch kann sich nicht einfach jeder als Impro-Schauspieler behaupten. Zwar keine Proben, aber Trainings und Kenntnis gewisser Grundsätze gehören dazu. So verraten die Mitglieder von ImproVISION die drei goldenen Regeln: «Ja sagen, Status und Definieren. Übersetzt heisst das: Aufeinander eingehen, Beziehungen auf Hierarchiegefällen aufbauen und immer klar vermitteln, wen man spielt.» Noch wichtiger ist jedoch, dass man eine «Rampensau» sei und mit der Gruppe gut harmoniere.

Die einzige weibliche Person im Bunde ist zurzeit Janina Malinic. Diskriminiert fühlt sie sich deswegen keineswegs. «Das ist eher ein Vorteil, so hab ich einen Frauenbonus», sagt sie lachend.

Drei Bundesordner als Dank

Für das Gewinnerteam gab es am Freitagabend ein Jass-Set, Trostpreis für die Zweitplatzierten war eine Kaffeekapsel für ein gemütliches Kaffeekränzchen. Nur für Initiator Reto Sperisen war laut Moderatoren ein «ausnahmsweise sinnvolles» Geschenk vorgesehen, so erwarteten ihn drei Bundesordner. Zum Aktionspreis wohlgemerkt.

Ob es in zehn Jahren immer noch «Fünf, vier, drei, zwei, eins ... los!» heisst und dann das Stadttheater gefüllt sein wird, wird sich zeigen: «Wir machen das solange, wie es uns Spass macht. Und das ist vermutlich noch lange genug.» Denn Planen soll man beim Improvisations-Theater ja bekanntlich nichts.