Noch eine Woche nach ihrem Feuerlauf ist die Solothurnerin Trix Rüetschli ganz begeistert. «Nie hätte ich gedacht, dass mir das Feuerlaufen einen solchen Eindruck hinterlässt. Ich bin ein anderer Mensch. Ich weiss nun, dass ich meine Grenzen überwinden kann», freut sie sich.

Dabei sei sie zunächst skeptisch gewesen, als ihre beiden erwachsenen Kinder ihr einen Gutschein für einen Feuerlauf mit Feuerlauftrainer Max Umbricht schenkten. «Ich hatte mit solchen Dingen nichts am Hut», sagt sie dezidiert. Und doch nahm sie eine ungewöhnliche Herausforderung gerne einmal an.

Denn seit ein paar Monaten sei sie nicht mehr die gleiche Person wie früher gewesen, erzählt die Immobilienhändlerin.

«Früher war ich eine spontane, lustige, aktive Person. Doch in letzter Zeit hat es mir einfach an der nötigen Energie gefehlt. Um meine Kinder nicht zu enttäuschen und weil ich im Grunde eine spontane und auch ehrgeizige Person bin, nahm ich mit dem Leiter des Tages, Max Umbricht, Kontakt auf.»

Dass das Erlebnis dann so intensiv geworden sei, hätte sie nie gedacht, sagt Rüetschli. «Ich bin stolz darauf, was ich zu leisten imstande bin.»

Ältester Teilnehmer war 65 Jahre alt

Sie schildert, wie sie den Nachmittag und Abend im Kurs erlebte. «Wir waren eine Gruppe von 14 Personen, Männer und Frauen, gleichmässig gemischt. Der Jüngste war 17, der Älteste rund 65 Jahre alt.»

In der Vorbereitung zum Feuerlauf gingen einige Mentalübungen zur Stärkung der Konzentration voraus. Schon dort habe sie eine ungewohnte innere Kraft spüren können, schildert die Solothurnerin. Eine Konzentrations-Übung sei das Biegen eines Eisens.

Zwei Personen standen einander gegenüber und drückten das Eisen so zusammen. «Wenn man das jemandem erzählt, glaubt das kaum einer», hat Rüetschli erfahren. Und doch: «Ich habe das gebogene Eisen zu Hause. Alle haben sämtliche Mentalübungen mitgemacht.»

Später haben die Teilnehmer belastende Gedanken und Muster, die sie loslassen oder angehen wollten, auf ein Holzbrett geschrieben und dieses anschliessend mittels gezielten Faustschlags bearbeitet. «Ich hätte nicht gedacht, dass ich fähig bin, diese Übungen auszuführen», freut sich Rüetschli noch jetzt.

Feuer gemeinsam entzündet

Dann kam es langsam zum Höhepunkt des Anlasses, dem Feuerlaufen. Alle zusammen entzündeten ein Feuer, das schliesslich einen etwa sechs Meter langen «Glutteppich» ergab.

Zuerst habe sie noch an der Hand des Feuerlauftrainers die ersten Schritte über ebendiesen Glutteppich gemacht. Dann jedoch sei sie noch dreimal alleine über die glühenden Kohlen gelaufen.

«Ein wahnsinniges Gefühl, für das ich auch heute noch keine Worte finde», sagt Trix Rüetschli. «Mir hat sich mit diesem Erlebnis ein Tor aufgetan und ich finde, jeder sollte einmal seine Grenzen überschreiten und erkennen können, wozu er fähig ist.»

Als sie in der Nacht nach Hause gekommen sei, habe sie kein Auge zumachen können. «Ich musste meinem Mann die schwarzen Fusssohlen zeigen, die völlig unbeschadet geblieben sind. «Jeden Morgen beim Duschen bin ich meinen Füssen dankbar.»