Mit der Faust im Sack waren die Eltern der F- und G-Junioren ins Stadion des FC Solothurn (FCS) gekommen. Und in gleicher Gemütsverfassung verliessen viele von ihnen das Gebäude nach einer einstündigen Infoveranstaltung wieder.

Eingeladen hatten Nachwuchschef Ronald Vetter und Marketingleiter Claudio Cappelli. Einige der rund 40 anwesenden Eltern äusserten sich nach der Veranstaltung verärgert. Der Grund: Für ihre Schützlinge - G- und F-Junioren - gilt wie für die älteren Stufen ab sofort auch im Training eine Tenüpflicht.

Das hat die Geschäftsleitung die Eltern der betreffenden rund 30 Jungfussballer unter acht Jahren per Mail kürzlich wissen lassen. Kostenpunkt der elfteiligen Ausrüstung, die alle zwei Jahre erneuert werden muss: fast 390 Franken, bestehend aus Trainings- und Ausgangsbekleidung.

Hinzu kommt der ohnehin fällige Jahresbeitrag von 400 Franken auf diesen Stufen. Wer noch vor der Infoveranstaltung darauf gehofft hatte, die Geschäftsleitung möge von ihrem Entscheid abrücken, wurde enttäuscht: Der Punkt sei beschlossen und nicht verhandelbar, erfuhr die versammelte Elternschar.

Tenü als Imagepflege

Doch weshalb braucht es das Tenü für die Jüngsten? Wie Besucher des Infoabends schildern, sei es mit einem gestärkten Teamgefühl sowie dem Ansehen begründet worden, das man als regionaler Vorreiter in Sachen Fussballförderung pflegen will. Und dieses Image sei durch ein einheitliches Outfit schon ab der jüngsten Stufe zu pflegen.

«Kinder in diesem Alter nehmen sich doch auch die Freiheit, einen Baum blau oder pink zu malen», betonte eine Mutter, und verwies auf die kindliche Individualität, halt auch mal ein Fan-T-Shirt zum Training zu tragen.

«Ein einheitliches Tenü ist doch einem sechsjährigen Tschütteler egal», findet Norbu Sidler, Vater eines G-Juniors. Kopfschütteln lösen bei ihm auch die Vergleiche aus, die die Leitung anstelle: So habe diese andere Vereine im In- und Ausland besucht und deren Tenüpraxis unter die Lupe genommen: «Es kann doch nicht sein, dass sich Solothurn mit Barcelona oder Basel auf eine Stufe stellt», so Sidler weiter.

Auch Andreas Frey, Vater eines siebenjährigen Buben, findet den Entscheid unverständlich. «Die Geschäftsleitung behauptet, es müsse den Kindern Spass machen. Ich bezweifle aber, dass für diese Alterstufe ein Pflichttenü dazu nötig ist.» Ein weiterer Vater regte sich darüber auf, dass der Entscheid über den Köpfen der Mitglieder gefällt worden ist.

«In einem Verein wird doch über Ausgaben abgestimmt.» Demgegenüber stelle sich aber die Geschäftsleitung auf den Standpunkt, im Rahmen der vom Vorstand gegeben Kompetenzen zu handeln.

Dass Vetter den FC Post als Alternative zum FC Solothurn empfohlen haben soll, stiess ebenfalls einigen sauer auf: «‹Wenn Du nicht willst, kannst Du verreisen›, so ist die Botschaft bei mir angekommen», sagt Sidler.

Viele der Eltern überlegen sich tatsächlich einen Wechsel zu einem anderen Club oder haben sich bereits zu diesem Entschluss durchgerungen: «Ich kaufe das Package nicht und werde die Konsequenzen tragen», findet Frey. «Mein Sohn soll dann selbst entscheiden, ob er auf mich oder auf den Club wütend sein will.» So haben viele Kinder auch ihren Freundeskreis beim Club.

Mittelweg in Grenchen

Beim FC Grenchen will man in Sachen Juniorenbekleidung künftig einen Mittelweg fahren. «Bei uns spielen oft auch Kinder aus Familien mit einer Mietwohnung», beschreibt Mediensprecher Gerd Frera.

«Das geht halt schon ein wenig ins Geld.» Bereits in der kommenden Saison soll aber eine zahlbare Ausgangs-Ausrüstung eingeführt werden, die aber nicht teurer als 150 Franken sein soll.

«Die wird für auswärtige Einsätze verwendet, bei denen wir ein einheitliches Erscheinungsbild pflegen wollen. Demgegenüber ist es aber auch wichtig, dass die Messi- und Ronaldo-Fans während des Trainings mit ihrem Fan-Tricot erscheinen können.» Dennoch hat Frera Verständnis für den FCS: «Dort dient es dazu, auch beim Training ein gewisses ‹Kadergefühl› aufkommen zu lassen.»

Bei den anderen Fussballvereinen von Solothurn, dem SC Blustavia und dem FC Post, kennt man indes bis Stufe der D-Junioren keine Tenüpflicht. Zudem liegt der jährliche Mitgliedsbeitrag für einen D-Junior bei 100 Franken, bei jüngeren Stufen zum Teil darunter.

Tatsächlich sind beim SC Blustavia in den letzten Tagen doch einige Beitrittsanfragen von FCS-Eltern eingegangen, so Clubpräsident Peter Hauser. Einen regen Zulauf verzeichnet auch der FC Post - unabhängig von den aktuellen Begebenheiten -, wie Präsident bestätigt: «Und da spielen die finanziellen Belange sicherlich eine Rolle.» Ansonsten aber existiere man gut nebeneinander, ergänzt er.

Ronald Vetter hat sich als Nachwuchschef des FCS in den vergangenen 15 Jahren für Kinderfussball stark gemacht. Auf eine gestrige Anfrage zur Klärung zahlreicher Fragen wollte er keine Stellung beziehen, auch nicht über die Beweggründe der Geschäftsleitung: «Ich spreche erst wieder mit der Solothurner Zeitung, wenn mal wieder etwas Positives über uns geschrieben wird.» Dafür war gestern Abend auf der FCS-Homepage bereits eine Stellungsnahme zu lesen: «Der FC Solothurn möchte als Verein einheitlich auftreten.»

Und auch während des Trainings solle die Tenüpflicht gelten. «Dies stärkt das Selbstwertgefühl der einzelnen Spieler und der Teams.» Auch das Vereinsmotto «Ich bin gut - zusammen sind wir stark!», werde so gefördert. Zudem verweist die Medienmitteilung darauf, dass gerade Shirts aus den Fanshops oft um einiges teurer seien als die Ausrüstung des FCS.