Der Gesang der Amsel als Zeichen für den Frühlingsbeginn weckt die Natur und die Menschen aus dem Winterschlaf. Die Lebensfreude kehrt beim Vogelzwitschern zurück, und damit auch die Leichtigkeit. «D Zyt isch do, singts uf em Nussbaum scho», schrieb einst der Solothurner Heimatdichter Josef Reinhart für ein Kinderlied. Doch immer weniger Zugvögel kehren im Frühling zu uns an ihre Brutstätten zurück. Auf dem Hinflug in den sonnigen Mittelmeerraum oder von dort zurück warten Millionen von rücksichtslosen Vogelfängern und Jägern auf sie. Die Vögel werden auf grausame Weise getötet und landen meist als Delikatesse auf den Tellern in Restaurants.

«Den Auswirkungen auf die hiesige Vogelwelt wird immer noch zu wenig Beachtung geschenkt», machte Andrea Rutigliano bei einem Vortrag im Naturmuseum auf den unterschätzten Blutzoll aufmerksam. «Die Artenvielfalt in Mitteleuropa wird durch dieses Verhalten massiv bedroht.» Rutigliano gehört dem «Komitee gegen den Vogelmord» an, das seinen Sitz im deutschen Bonn hat. Es wurde 1975 von einer kleinen Gruppe Vogelschützern gegründet und schreitet insbesondere dort ein, wo skrupellose Freizeitschützen und grausame Vogelfänger gegen geltendes Naturschutzrecht verstossen.

Erschreckende Bilder

Finanzielle Unterstützung erhält der Verein durch Organisationen wie Birdlife Schweiz, dem auch der Vogelschutzverband des Kantons Solothurn angeschlossen ist. Rutigliano zeigte erschreckende Bilder von verendeten Zugvögeln und wies darauf hin, dass sich die Vogelschützer oft in gefährliches Gebiet begeben und dort Verfolgungsjagden und Bedrohungen in Kauf nehmen müssen. «Die Vogelhändler stossen Schimpfwörter aus und gehen mit Schlagstöcken auf uns los.» In vielen Ländern gehöre die Jagd auf Zugvögel zur Tradition, und oft seien auch die zuständigen Behörden und gar die Regierung in das Geschäft verwickelt, erhob der Aktivist Anklage gegen die illegale Vogeljagd in Italien, Frankreich, Malta, Spanien und Zypern, aber zunehmend auch in anderen südlichen Ländern. «Die meisten Politiker sehen im Vogelfang ein Bagatelldelikt und stellen entgegen ihrem Versprechen immer wieder Sonderbewilligungen aus», sagte Rutigliano. Mehr als 20 000 Fangnetze und Fallen würden jährlich – oft in der Nacht – eingesammelt, Hunderte Jäger kontrolliert und schliesslich zusammen mit der Polizei überführt.

Sie kämpfen auch vor Gericht

Nebst der Flinte, Fangnetzen und Leimruten operieren die Vogelfänger auch mit Drahtschlingen, Bogen- und Schlagfallen sowie mit elektronischen Lockgeräten. Doch die Vogelschützer führen ihren Kampf manchmal auch vor den Verwaltungsgerichten Italiens: So bringt das Komitee jährlich mehrere Abschussgenehmigungen für geschützte Vogelarten und Vogelfanggenehmigungen zu Fall. Auf diesem Weg konnte in den letzten Jahren der Abschuss von rund einer Million Buch- und Bergfinken, Staren und Sperlingen verhindert und beendet werden.

Doch am Ziel sind die Vogelschützer noch lange nicht. «Wir haben einiges erreicht», sagte Rutigliano, «aber der Kampf gegen den Vogelmord geht weiter.» Dies auch, weil ein Rückfall droht, wenn die Kontrollen ausbleiben.