Monatsmarkt Solothurn

Bei Sturm und Schnee bleiben viele Marktfahrer zuhause

In der kalten Jahreszeit ist der Märet in Solothurn ohnehin nur eine Schmalspurausgabe. Der März-Monatsmarkt wurde jedoch von besonders vielen Marktfahrern ausgelassen. Und jene, die da waren, litten unter Sturmwind und Schnee.

«Ja letzte Woche gab es viele Absagen aufgrund der Wetterprognosen», räumt Fritz Jenzer ein. Der Dienstchef Markt der Stadtpolizei kennt die Schwankungen der Monats- und Wochenmärkte aus Erfahrung. Diesmal sind die Reihen der Stände arg gelichtet, einige stehen leer und unbenutzt am Gassenrand, andere hat der Werkhof am Klosterplatz gar nicht erst abgeladen. «Diejenigen, die sonst immer kommen und es sich nicht mit uns verscherzen wollen, melden sich ab.» Weniger regelmässige Marktfahrer bleiben einfach fern, und diesmal hätte es reichlich Platz für Kurzentschlossene gehabt. Wobei die Bedingungen extrem schlecht waren – im Mittagsschneesturm wurden einige Standdächer umgeweht, und an einem Stand ging auch reichlich Porzellan in Brüche.

Normalerweise sind die Märkte im Januar und Februar am schlechtesten besucht. «Im Februar 2018 hatten wir nur gerade 42 Stände am Monatsmarkt. Im April waren es dagegen dann gleich 127», verweist Jenzer auf die letztjährige Rekordmarke. «Und dann müssen wir sogar 20 bis 30 Interessierte abweisen.»

Wenn Sandra Boner orakelt...

Doch diesmal ist alles ganz anders. Am Klosterplatz stehen nur gerade vier verirrte Stände. «Bei ganz wenig Nachfrage lassen wir den Platz auch frei. Und im Winter beschränken wir den Mittwochsmarkt nur auf die Gurzelngasse und den Märetplatz, damit die Hauptgasse durchgehend befahrbar bleibt», erklärt Fritz Jenzer.

Einer der «Eisernen» auf dem Klosterplatz ist Kurt Künzli aus Biberist. Er hat sogar zu tun. Zwei Damen wollen im Italo-Slang parlierend eine seiner Kakteen erstehen. «Macht zehn Franken. Und die Tasche gibts gratis dazu», lacht der gestandene Marktfahrer. Bis vor einem Jahr habe er noch Blumenkistli für «Balkonien» im Angebot gehabt, jetzt pflegt Künzli den Ausverkauf seiner Stachelpflanzen. Dazu bietet er Glaswaren und sonstiges Allerlei an – darunter bunte Socken und Pulwärmer, die seine Frau Ruth gestrickt hat. «Aber aus dem Märet macht sie sich nichts.»

Der Biberister Marktfahrer dagegen geniesst die Standpräsenz und deshalb hat er auch einen fixen Platz auf dem Klosterplatz reservieren lassen. «Die Leute wollen wissen, wo ich zu finden bin.» Das Wetter? Na ja. «Dr Märet isch duss!» Letztes Jahr sei praktisch jeder Markttag «tipptopp» gewesen. Und wenn Verhältnisse wie heute herrschen, hat der 74-jährige Routinier vorgesorgt. Die Dachstangen sind mit Seilen an Betonklötzen auf dem Platzpflaster fest gezurrt. An jeder Ecke einer, wie sich das gehört. «Einmal hatte ich zwei Klötze vergessen. Und prompt ist mir das Dach um die Ohren geflogen.» Kurt Künzli hat auch eine ganz eigene Märet-Wetterprognose aufgestellt: «Immer wenn sie am Freitag unsere Wetterfee Sandra Boner auftreten lassen, ist der Montag schlecht!»

Überwintern in Spanien

Oben in der Gurzelngasse stehen die Marktstände dichter – aber auch hier sind die Lücken unübersehbar. In seinem geräumigen Verkaufswagen hält Josef Brandl seine Teespezialitäten feil. Er ist vor der Unbill der Witterung besser geschützt als die Kolleginnen und Kollegen in ihren offenem Ständen. «Meine Liebste wollte mich daheim lassen», flachst der in Ittigen ansässige Marktfahrer mit bayrischen Wurzeln. «Es sind bereits jetzt vor dem Mittag fünf Stammkunden vorbeigekommen», gibt sich Brandl mit dem Geschäftsverlauf durchaus zufrieden. Solothurn, ja das sei noch der Beste der Monatsmärkte, «andere wie in Zofingen oder Olten habe ich aufgegeben. Da schlägst Du nicht einmal mehr das Benzin raus.»

Hauptsaison sind für ihn die Weihnachtsmärkte, für die er jeweils Tausende von Teeportionen von Hand abpacke. Um dann im Hochwinter kurz zu pausieren, «diesmal verpasste ich einen Märet, weil wir 14 Tage Ferien in Lissabon machten.» Josef Brandl, der dem Schweizerischen Marktfahrerverband angehört, kennt jedoch Kollegen, die gar gleich zwei Monate Winterpause in Spanien einlegen.

Jetzt fängts richtig zu schneien an. Ein Schatten flitzt vorbei. «Heeeh!» ruft ihm der Marktfahrer nach. Brandl nervt sich: «Das wäre eine Aufgabe für die Stadtpolizei. Velofahrer haben hier im Märet nichts zu suchen!»

Direkter Ansprechpartner

Weit wäre sie nicht, die Polizei. Bei einem Stand am Kronenplatz schlürfen zwei Uniformierte den von einem Marktfahrer offerierten Tee. Noch immer zieht die Stadtpolizei die Marktgebühren direkt bei den Standinhabern ein. «Ja die Diskussion hatten wir schon. Wer regelmässig den Markt besucht, hätte lieber eine Gesamtrechnung», weiss Fritz Jenzer. Aber man sei beim Einzug am Markt geblieben, «Das ermöglicht den direkten Kontakt mit den Marktfahrern und man kann allfällige Probleme gleich vor Ort lösen.»

Die Veloflitzerei durch den Märet wohl kaum, dafür werden die Standgebühren von den Marktleuten «als sehr human» gegenüber anderswo eingestuft. Einen Fünfliber kostet der Laufmeter am Wochenmarkt, eine Zehnernote am Monatsmarkt. Letztmals wurden die Gebühren 2014 leicht erhöht – im Gegenzug konnten die Marktstände von den neuen, versenkbaren Stromanschlüssen profitieren.

Autor

Wolfgang Wagmann

Wolfgang Wagmann

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