Kunst
Bei Raumformer 3D8H muss alles raus, um «Raum im Kopf» zu schaffen

Anton Kaufmann will mit seiner Werkstatt Raumformer 3D8H an der Bechburgstrasse ganz neue Wege gehen. Dazu räumt er den ganzen Fundus selbst hergestellten Objekten am Freitag und Samstag aus. Wehmut lässt er keine aufkommen.

Wolfgang Wagmann
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Das Raumformer-Team mit (v.l.) Daniel Kaufmann, Pierre Alain Münger, Eva Furrer und Anton Kaufmann. Auf dem Bild fehlt Tom Moser.

Das Raumformer-Team mit (v.l.) Daniel Kaufmann, Pierre Alain Münger, Eva Furrer und Anton Kaufmann. Auf dem Bild fehlt Tom Moser.

Wolfgang Wagmann

Seit zwölf Jahren gibt es den Raumformer 3D 8H. Dahinter stand ursprünglich ein Mann: Toni Kaufmann. Die Werkstatt an der Bechburgstrasse an der Grenze zu Zuchwil hat sich seither mit vielen mehr oder weniger bizarren Objekten, primär aus Eisenblech, gefüllt: Feuerkugeln, Kerzenständern, CD-Racks oder der famose Fussballtisch mit elf Plätzen. «Den behalten wir vielleicht», grinst Kaufmann, aber sonst gilt heute und morgen: «Alles muss raus!»

«Platz im Kopf»

Deshalb trennt sich das inzwischen fünfköpfige Raumformer-Team von so manchem, einst heissen Prototyp. «Ich habe sie einfach zu lange gesehen. Einige stammen noch aus dem Jahr 1998», lässt Kaufmann fast jegliche Wehmut vermissen. Das Gewinnen von Platz stehe auch nicht im Vordergrund, «davon hats hier genug. Aber wir wollen uns neu orientieren. Und dafür brauchen wir auch Platz im Kopf.»

1000 Leute kennengelernt

Gesehen hat Anton Kaufmann auch die beliebten Schweisskurse, die nun administrativ wie technisch die seit 2006 an der Bechburgstrasse wirkenden Mitarbeiterin Eva Furrer übernimmt. «Sie ist dafür top motiviert.» In zehn Jahren besuchten gegen 1000 Leute die Kurse, «manchmal auch solche direkt aus dem Büro, die noch nie einen Hammer in der Hand gehabt hatten», spricht der Raumformer die beliebten Event-Schweisstage für Firmen an.

Viele der Kursbesucher zwischen 35 und 55 Jahren, 80 Prozent Frauen, seien «hängen geblieben» und wieder gekommen. Konkurrenz für ihn selbst habe es dadurch kaum gegeben. «Sicher, einige haben angefangen, sich künstlerisch zu betätigen und ihre Objekte an Ausstellungen gezeigt. Ich finde das cool.»

Was es nicht mehr gibt

Der Raumformer freut sich zwar auf die Handwerk-Ausstellung Au-thentica im Kapuzinerkloster nächste Woche. Aber das Abklappern von Ausstellungen mit einer Unzahl von Objekten gehört zu jenen «Sachen, die wir nicht mehr machen». Auch Metallbau und Stahlbau werde nie sein Ding sein, Reparaturen gebe es neu keine mehr und abgesehen von den Feuerkörben, die weiter entwickelt und produziert würden, wolle er von der Objekt-Herstellung auf Vorrat abkommen.

«Wir wollen nachhaltiger werden und uns mehr Zeit für den Kunden nehmen, wie man seine Wünsche technisch und kreativ umsetzen kann. Wichtig ist, dass wir unser Ding durchziehen und die Erwartung der Kundschaft dann übertroffen wird», so Kaufmann.

Ein Werk für die Olma

Ein Schritt in diese Richtung war die Kreation des «Violetten Blechbaums» vor dem umgebauten Bad Kyburg. Vermehrt in Zusammenarbeit mit Künstlern und Grafikern sollen solche Objekte entstehen, Gesamtkonzepte, wie beispielsweise Kunst am Bau und die dazu passende Inneneinrichtung einer Bar. Anton Kaufmann hat auch bereits zwei weitere Aufträge, die in diese Richtung gehen: Der Bau einer «Tourismusmaschine» in Zusammenarbeit mit Kanton Solothurn Tourismus für die Gastausstellung des Kantons an der «Olma», erstmals zu sehen an der entsprechenden Sonderausstellung «Solma» während der Herbstmesse Solothurn HESO.

Andererseits eine Münzspendenmaschine für das Museum Blumenstein, die im Herbst eingeweiht werden soll. Entscheidend ist dabei für Kaufmann der Ausdruck einer eigenen Identität. Denn eines möchte er nie mehr von Betrachtern seiner ganz eigenständigen Kreationen hören: «Aha, e chline Tinguely ...»

Räumung des Fundus: Samstag ab 14 Uhr. Weitere Informationen unter: www.raumformer.ch