Solothurner Filmtage
Bei Ivo Kummer wirkt der Filmtage-Direktor nach

Ivo Kummer, Leiter Sektion Film im Bundesamt für Kultur, war einmal Filmtage-Direktor. Die Nervosität an den Solothurner Filmtagen ist bei ihm geblieben.

Theodor Eckert
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Hanspeter Baertschi

Beschwingt, mit einem Lächeln im Gesicht, schreitet er durch die stilvolle Cafeteria in der Solothurner Altstadt. Für den gestikulierenden Fotografen hält er den schalkhaften Gesichtsdruck professionell aufrecht.

Ivo Kummer scheint in sich zu ruhen. Weshalb sollte er auch nicht, die Filmtage lasten nicht mehr zentnerschwer auf seinen Schultern: Keine Eröffnungsrede vor dem zahlreichen und kritischen Publikum, keine organisatorischen Baustellen in letzter Minute, keine Dauerpräsenz rund um die Uhr – während der Werkschau des Schweizer Filmschaffens kann der 57-Jährige nun zurücklehnen und die Tage in vollen Zügen geniessen.

Könnte man meinen. Doch nach dem ersten Schluck Kaffee kommt es: «Ich bin total nervös und es kribbelt, als wäre ich nach wie vor voll bei den Filmtagen engagiert», sagt er frei heraus. Dann fügt er an, wenn er durch die Gassen gehe und zum Beispiel einen schiefen Werbeturm entdecke, müsse er sich richtiggehend zwingen, damit er nicht zum Telefon greife, um das Malheur beheben zu lassen.

Früh eingestiegen

Wen wunderts, mit 29 Jahren hat er die Leitung des Anlasses übernommen und in der Folge lückenlos begleitet. Seinem Vorgänger, Stephan Portmann, sei es damals nicht viel besser ergangen. Der habe es allerdings leichter gehabt, er sei jeweils Mitte Januar kurzerhand in wärmere Gefilde geflohen, um so das «Leiden» vor Ort umgehen zu können.

Das ist heraus zu spüren: Kummer würde wohl auch, wenn er von Berufes wegen könnte, wie er wollte. 2011 hat er jedoch ins Bundesamt für Kultur gewechselt und fungiert seither als Leiter der Sektion Film.

Das Stelldichein an den Solothurner Filmtagen gehört somit zu seinen Aufgaben im Pflichtenheft. «Ich habe schon frühzeitig angekündigt, dass ich die 50. Austragung nicht mehr verantworten werde und so ist es gekommen. Dass ich danach beim Bund landen sollte, wusste ich damals natürlich nicht. Ich war offen für vieles».

Der Seitenwechsel

Während sich sein Vorgänger im Bundesamt, Nicolas Bideau, gerne öffentlich in Szene setzte, lässt es Kummer in dieser Hinsicht ruhiger angehen. Er macht denn auch kein Geheimnis daraus, dass sich diese Aufgabe sehr stark von der vorherigen Tätigkeit unterscheidet, obwohl er im Metier geblieben ist:

«Der kreative Spielraum war vorher sicher grösser, die übergeordneten Zusammenhänge habe ich von aussen wohl etwas unterschätzt». Schliesslich ergänzt der nach wie vor in Solothurn wohnhafte Kummer, dass andererseits der Aufgabenbereich grösser geworden sei.

Ist Ivo Kummer zum Politiker mutiert? Er schmunzelt: «Das tönt nicht gerade schmeichelhaft, aber meine jetzige Arbeit hat in der Tat einen sehr politischen Hintergrund». Verantwortlich für Filmkultur und -Förderung zu sein, zwang ihn, das Visier zu öffnen und nach der Nehmer- auch die Geberseite in seine Überlegungen einzubeziehen. Und Geld spielt bekanntlich im Filmgeschäft eine zentrale Rolle. Ohne finanzielle Unterstützung läuft wenig bis nichts: «Über den Markt lässt sich kein Film refinanzieren», kommt die ungeschminkte Botschaft.

Filmförderung ist zentral

Entsprechend Sorgen bereitet Ivo Kummer das sistierte Film-Abkommen mit der EU. Seither ist die Schweiz von deren Filmförderung ausgeschlossen. Nun, Mittwoch dieser Woche kam Kummer aus Paris zurück. Dort traf er seinen französischen Amtskollegen, mit dem er ein bilaterales Kooperationsabkommen aufgleisen will. Andererseits sei es dank der Annahme der Kulturbotschaft 2016–2020 gelungen, der Filmbranche zusätzliche Fördergelder in der Höhe von 27 Millionen für die nächsten fünf Jahre zu sichern.

Zusammen mit seinen 11 Mitarbeitern ist es Kummers Aufgabe, die Gelder geschickt einzusetzen. Unterstützt werden sie dabei auch von Hochschulpraktikanten. Wie es denn so sei, wenn nun ehemalige Kollegen und Konkurrenten bei ihm an den Honigtopf drängen, wollen wir wissen. Von unverkrampft bis schleimig gebe es alles, gibt er freimütig preis. Den «Schleimern» wird er in diesen Tagen wohl auch in der Ambassadorenstadt nicht aus dem Weg gehen können.

Doch Mimik und Gestik des ehemalige Filmtage-Direktors lassen keinen Zweifel daran: Er freut sich riesig auf die Begegnungen und Diskussionen, die ihn noch bis 28. Januar erwarten: «Diese Januar-Tage sind für das Filmschaffen in unserem Land enorm wichtig. Zudem sind sie authentisch geblieben, für mich der unverwechselbare Startschuss in die Festivalsaison 2016.»

Sagt’s und eilt zu einer Besprechung mit dem Chef des Schweizer Fernsehens. Die Solothurner Filmtage: Man sieht sich, man spricht sich, man amüsiert sich.

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