Acht Uhr morgens auf dem Posten der Stadtpolizei. Während der Regen niederprasselt, bereitet sich die Truppe auf einen Einsatz vor: Personenkontrolle auf dem Amthausplatz. Im Fokus sind Personen, die mit dem Betäubungsmittelgesetz in Konflikt geraten sind. Dem Kommandanten der Stadtpolizei, Peter Fedeli, kommen oft Reklamationen zu Ohren: «Von Leuten, die auf den Bus warten und sich an der Anwesenheit jener stören, die negativ auffallen, Randständige, Kleindealer.» Auch die Kantonspolizei wird über die Kontrolle informiert, letzte Absprachen gibt Korporal Pascal Ruhstaller als Einsatzleiter über Funk ans Team weiter.

So bringen sich noch vor neun Uhr mehrere Polizisten, zwei Polizeiautos sowie zwei Velos, ebenso Beamte zur Beschattung – sogenannte zivile Elemente – in Position. Mittendrin sind nur sie, bar jeder Uniform, unerkannt, um den Einsatz nicht zu gefährden. Heute, und das ist ein Vorteil, können sie den Ohrstecker gut unter der Regenkapuze verbergen. Sonst stehen sie meistens via Handy mit ihren Kollegen in Kontakt, wie einer der «Verdeckten» erklärt: «Und da jeder zweite heute ohnehin auf dem Handy herumdrückt, fällt das auch nicht sonderlich auf.» Etwas abseits stehen Kollegen, um mögliche Fluchtwege abzuschneiden.

Stadtpolizei Solothurn führt Personenkontrolle durch

Stadtpolizei Solothurn führt Personenkontrolle durch

Einen Monat Vorbereitungszeit ist nötig für einen solchen Einsatz. Und trotz aller Planung weiss Ruhstaller genau: Weil es meistens anders kommt, als man denkt, braucht es Flexibilität – auch an diesem Tag: Wie vom Beobachter auf dem Amthausplatz gemeldet, sind die verdächtigen Personen – drei an der Zahl – bereits Richtung Wengistrasse weitergezogen.

Beim «Käfele» beschattet

Es ist 9.10 Uhr: Ruhstaller hält seine Truppe auf Bereitschaft, sein Kollege notiert den Funkverkehr und die Ereignisse im Einsatzprotokoll. Während die drei einschlägigen Personen bereits im Migros-Restaurant am «Käfele» sind, werden sie beschattet. «Sie warten wohl, bis die Drogenabgabestelle im ‹Adler› aufgeht», mutmasst Ruhstaller. So handhaben sie es auch, wenn sie auf dem Amthausplatz warten, bis es zehn Uhr ist. Und eben dort sind sie einigen Passanten ein Dorn im Auge: «Sie nutzen den öffentlichen Raum bei den Bushaltestellen für einen Zweck, für den er nicht vorgesehen ist.» Das werde von einigen als Störung erachtet. «Aber bei der Auslegung befinden wir uns immer auf einer Gratwanderung, weswegen wir uns aufs Gesetz berufen», sagt Ruhstaller. Und letztlich ebenso auf die Frage, zu welchem Zweck sich Menschen versammeln.

Auch der Zugriff, auf den sich die Polizeitruppe jetzt bereit macht, will gut überlegt sein, weiss Ruhstaller. «Damit wir sie festhalten können, müssen sie die Drogenware auf sich tragen oder beim Wegwerfen ertappt werden.» Lande hingegen ein «Briefli» unbemerkt unter dem Tisch, so können sich die Betroffenen immer rausreden. «Wenn sie dann behaupten, die Ware sei nicht von ihnen, hat man bei der Staatsanwaltschaft keine Chance.»

Kleines Korps und kleine Szene

Über Funk gibt Ruhstaller grünes Licht: Es ist 9.45 Uhr, und die Personen werden dingfest gemacht. Ohne Widerstand zu leisten, folgen sie den Polizisten zum Amthaus II. Smalltalk zwischen Festgehaltenen und Beamten lässt die Prozedur zum geselligen Spaziergang werden. Man kennt einander im kleinen Solothurn, zwischen einem kleinen Korps und einer kleinen Szene. 20 bis 30 ausgeschriebene Personen sind der Stadtpolizei bekannt, Konsumenten und Händler, mit Gesicht und Namen. «Das ist eine Schwierigkeit, aber auch eine Erleichterung», sagt Ruhstaller. «Verdeckt zu agieren wird dadurch nicht einfacher, dafür weiss man, wen man wie anpacken muss.» Und so wie man sich kennt, gibt es auch Denunziantentum in der Drogenszene. Solche, die den Ermittlungen in die Hände spielen, nur um Konkurrenz auszuschalten. «Die Hinweise, die wir so erhalten, können zwar nützlich sein, sind aber mit Vorsicht zu geniessen», sagt Ruhstaller. Vielmehr vertraue man dem eigenen Überblick vor Ort.

«Wie man in den Wald ruft ...»

Es ist 10.10 Uhr: Im Keller des Amthauses II nimmt die Stadtpolizei, fernab vom Passantenstrom, Personalien auf und untersucht die Habseligkeiten. Erhärtet sich ein Verdacht, so folgt eine Leibesvisitation, wie in diesem Fall: «Es hat sich bestätigt, dass eine Frau ein ‹Briefli› Kokain dabei hatte. Sie wird bei der Staatsanwaltschaft angezeigt», sagt Ruhstaller. Doch sie bleibt ruhig, lässt sich widerstandslos von einer Polizistin untersuchen. Zwar verfügt die Stadtpolizei über einen eigenen Untersuchungsraum an der Baselstrasse. Mit Einwilligung kann die Leibesvisitation aber auch hier vorgenommen werden.

Ein anderer Suchtbetroffener wartet auf seine Untersuchung. Er sinniert, dass auf Gewalt immer Gegengewalt folgt: «Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus.» Sprich: Verhält er sich ruhig, hat er nichts zu befürchten. Anders als im Untersuchungsgefängnis, wo er sich medizinisch schlecht betreut fühlte. «Und wenn dich in Olten jemand auf dem Kieker hat, bist du jedes Mal dran.» Mit den hiesigen Ordnungshütern kooperiert er hingegen. «Die Polizisten hier sind fair und freundlich.»

Nicht ganz unumstritten war hingegen ein Einsatz, bei dem die Stadtpolizei vergangenen 11. September 14 Personen am Amthausplatz in Gewahrsam genommen hatte. Das Stadtpräsidium verwehrte sich aber gegen den Vorwurf, die Aktion mit Leibesvisitationen und dem Einsatz von Kabelbindern sei unverhältnismässig gewesen.