Mausefalle
Bei diesem Stück ist das Publikum rundum gefordert

Für die diesjährige Open-Air-Produktion im Schlossgarten des Blumensteins hat sich das Teatro Mobile ein Konversationsstück ausgesucht, das jedoch seinen Schauplatz in einem Park hat. Die fünf Mitwirkenden sprechen viel Text, aber daraus resultiert kaum Handlung.

Helmuth Zipperlen
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Sie bestreiten das Gros der Dialoge (v. l.): Rudolf Fischer, Zora Drieghe, David Gnägi und Samira Oulouda.

Sie bestreiten das Gros der Dialoge (v. l.): Rudolf Fischer, Zora Drieghe, David Gnägi und Samira Oulouda.

zvg

«Heim» (Home) des im März dieses Jahres im Alter von 83 Jahren verstorbenen britischen Schriftstellers und Dramatikers David Storey wurde mit mehreren Theaterpreisen ausgezeichnet oder dafür nominiert. Seine Uraufführung erlebte das Werk 1970 am Royal Court Theatre in London unter der Regie des auch aus Filmen bekannten Lindsay Anderson. Unmittelbar darauf wurde es am New Yorker Broadway inszeniert und brachte es auf 110 Vorstellungen.

Ein rundes Tischchen, zwei dazu passende Stühle im Freien sind das ganze Bühnenbild. Ein elegant gekleideter Mann mit Krawatte tritt auf, schaut sich zögernd um. Er zieht seine schwarzen Handschuhe aus und legt sich sorgfältig auf das Tischchen. Sie werden glatt gestrichen. Ein zweiter Mann mit Gehstock kommt geschlendert, und die beiden begrüssen sich mit Harry und Jack. Das Wetter ist immer ein gutes Thema für einen Gesprächsauftakt. So auch hier. Aber der Dialog geht weiter, halbe und abgebrochene Sätze bleiben in der Luft hängen.

Die an sich gepflegte Sprache lässt auf zwei Herren aus der englischen Oberschicht schliessen. Das ist typisch Storey, welcher in seinen Werken immer die Grenzen der sozialen Schichten versuchte aufzuweichen. Schliesslich brechen Harry und Jack zu einem Spaziergang auf. Der Schauplatz bleibt aber nicht lange leer, denn Marjorie und Kathleen treten auf und sprechen mehr im Umgangston, obwohl auch sie mit dem Wetter beginnen. Kathleen jammert über die drückenden Schuhe und hinkt. Marjorie entfaltet den Regenschirm, weil sie in der Ferne ein Wölkchen ausmacht.

Ein kleines Stück Welttheater

Nachdem Harry und Jack die beiden Frauen mehrmals umkreist haben, nähern sie sich ihnen und machen sich gegenseitig bekannt. Es ist kein Zufall, wenn Kathleens Rock immer höher hinauf rutscht, denn sie möchte einen der beiden Männer verführen. Doch diese gehen auf dieses Spiel überhaupt nicht ein. Die Handlung nimmt hier eine überraschende Wende und das Stück entwickelt sich im zweiten Teil zu einer Art Parabel, welche an Dürrenmatts «Physiker» erinnert.

Die Schauspielerinnen und Schauspieler gehen ganz in ihren Rollen auf. David Gnägi ist als Harry von Scheitel bis zur Sohle ein englischer Gentleman, welcher auch in der Armee gedient haben soll. Eine Royal-Air-Force-Vergangenheit will auch Jack haben, allerdings nur als Bodenpersonal. Rudolf Fischers Text handelt immer wieder von Verwandten, welche dies oder das gemacht haben. Er macht einen etwas zerstreuteren Eindruck als Harry und gibt so einen guten Gegenpol. Zora Drieghe trifft den Ton der resoluten Marjorie vorzüglich und Samira Oulouda überzeugt mit der Bandbreite zwischen Jammerliese und verführerischer Anmache. Nach der Pause tritt dann auch Nico Barth als Alfred in Aktion. Er hat eine tragende Rolle mit wenig Text und spielt so mit vollem Körpereinsatz.

Das Publikum muss sich auf das Spiel zwischen Sein und Schein einlassen, um sich zu amüsieren. Starker Beifall an der Premiere belohnte die Darstellenden für ihr treffendes Spiel.

Nächste Aufführungen: Freitag, 30. Juni, und Samstag, 1. Juli, je 19.30 Uhr, und Sonntag, 2. Juli, 17.30 Uhr.

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