Solothurn
Bei diesem Jugendmusical fällt die Saat auf guten Boden

60 Jugendliche feilen im reformierten Kirchgemeindehaus in der Solothurner Weststadt am Bühnenprojekt «Hanna».

Andreas Kaufmann
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Konzentration beim Singen unter der Leitung von Martin Wüthrich
23 Bilder
Feinschliff einer Szene im Erdgeschoss
Myriam Fankhauser führt durch die Szene
Konzentration beim Singen unter der Leitung von Martin Wüthrich
Konzentration beim Singen unter der Leitung von Martin Wüthrich
Martin Wüthrich übt als musikalischer Leiter mit den Jugendlichen. (Anina Mathivannan)
Jede Szene muss sitzen
Kritische Beobachter in der ersten Reihe
Die Jugendlichen sind in Spiellaune, auch neben der Bühne
Der Techniker erhält Unterstützung
Im Rollenbuch ist alles festgehalten
Andrea von Burg, Szenenleiterin
Impressionen des Jugendmusicals «Hanna»
 (Bild: Hanspeter Bärtschi)
 (Bild: Hanspeter Bärtschi)
 (Bild: Hanspeter Bärtschi)
 (Bild: Hanspeter Bärtschi)
 (Bild: Hanspeter Bärtschi)
 (Bild: Anina Mathivannan)
 (Bild: Hanspeter Bärtschi)
 (Bild: Hanspeter Bärtschi)

Konzentration beim Singen unter der Leitung von Martin Wüthrich

Hanspeter Bärtschi

Auf dieser Bühne geht es nicht viel anders zu und her, als es im Leben junger Menschen des 21. Jahrhunderts oft abläuft: Bei Mela bröckelt der Selbstwert, weil ihre Schwester fleissiger und fitter ist – und zu allem auch noch cooler. Sie selbst aber kämpft um Anerkennung und gegen Ausgrenzung – zunächst zuhause, und dann auch noch im Mädcheninternat.

Hanna, die dieser Geschichte den Namen gibt, sieht in ihr jedoch mehr als nur die Ausgegrenzte. «Hanna» heisst auch das 22. Solothurner Jugendmusical aus der Feder von Ruth Wüthrich. Ein biblisches Thema bildet jeweils die Grundlage des Projekts im reformierten Kirchgemeindehaus Weststadt. Und so hat auch diese Geschichte rund um die Probleme der Milleniumsgeneration etwas Zeitloses, Universelles.

Die Geschichte stützt sich auf das Gleichnis des Sämanns, der die Saat ausbringt, die aber teilweise von Dornen erstickt, teilweise von Vögel gefressen wird oder auf unfruchtbaren Boden fällt. Jugendliche, so Ruth Wüthrich, fühlen sich in manchen Momenten wie die Saat, die verdorrt. Dabei fällt die Saat oft auch auf guten Ackergrund.

In den Ferien gebüffelt

Mittlerweile im Zweijahresturnus nehmen Ruth Wüthrich, ihre Söhne Martin und Philipp Wüthrich, sowie ein rund 20-köpfiges Team ein neues, jugendnahes Thema auf, giessen es in choreografische, musikalische und dramaturgische Formen und schaffen daraus eine Geschichte. Über 60 Kinder und Jugendliche zwischen 12 und 20 Jahren sind es dieses Mal, die nach einem Casting vor den Sommerferien auch während der schulfreien Zeit Texte gebüffelt und Lieder im Kopf mitgesungen haben.

Diese Woche nun wird intensiv geprobt – und zwar in jeder Ecke des Kirchgemeindehauses. Sogar im Gang werden Szene um Szene durchlaufen: Zwei Ensembles mit je 30 Darstellern proben je abwechselnd ihre Bühnentexte und die von Martin Wüthrich komponierten Lieder. Daneben werden Solisten zusätzlich geschult, und Tanzeinlagen werden studiert, sodass am Sonntag, genauer diesen Sonntag, 13. August, eine erfolgreiche Premiere über die Bühne gehen kann. «In dieser Woche geht alles ziemlich schnell. Wir müssen deshalb auch voraussetzen, dass die Jugendlichen schon am Montag die Texte kennen und die Lieder gesungen haben», macht Stephan Tüscher vom Team klar. Und dies, lobt er weiter, klappe sehr gut.

Aus Spass an der Bühne

Die 20-jährige Julia Fluri und die 18-jährige Jasmin Ziegler sind zum vierten Mal beim Jugendmusical dabei und tragen damit bereits einen stattlichen Rucksack an Jugendmusicalerfahrung mit sich. Julia Fluri spielt die besagte Aussenseiterin Mela – «eine Rolle, mit der man sich identifizieren kann, da jeder zuhause oder in der Schule schon mal in der Situation war, sich ähnlich zu fühlen.»

Jasmin Ziegler, die in «Hanna» die Deutschlehrerin spielt, sass schon von klein auf als Zuschauerin im Publikum – und jetzt nimmt sie ebenfalls zum vierten Mal die Bühnenperspektive ein: «Es macht Spass, miteinander etwas zu erarbeiten und dann das Resultat zu sehen.» Und: Wenns Spass macht, gehe es auch einfacher mit dem Text büffeln, fügt sie an.

Neu dabei ist der 12-jährige Nathanael Gerber. Ein bisschen nervös sei er schon, «aber Theater spiele ich eben gern, nachdem wir auch schon in der Schule ein Bühnenstück erarbeitet haben.» Und mit grosser Wahrscheinlichkeit wird auch das Jugendmusical Nathanaels Leidenschaft weiter befeuern.

2019 ist schon auf Kurs

Apropos Leidenschaft: Das Kernteam besteht aus Menschen, die früher selbst mitgespielt haben, sagt Ruth Wüthrich. Die Autorin des Stücks führt draussen beim «Wildbach»-Schulhaus bei unerwartet eingebrochener Kälte Einzelproben durch. Kontinuität und Beharrlichkeit wohnen dem Geist des Jugendmusicals spürbar inne: An Engagement hat das Projekt seit dem Start 1989 nichts eingebüsst, sagt auch Wüthrich.

Zwar gabs noch vor vier Jahren einen Schnitt: Statt 90 waren es plötzlich nur noch 60 Anmeldungen. «Das hat uns aber Luft auf der Bühne gegeben, sowie die Möglichkeit, das Miteinander noch familiärer, persönlicher zu erfahren», sagt sie. Zwei Jahre später, mit einem Teilnehmerlimit von neu 60, habe es plötzlich wieder eine Warteliste gegeben.

Wenn sich am Sonntag der Vorhang hebt, wird Wüthrich selbst im Publikum sitzen – «mit kritischem Blick, da ich schon an der Premiere Sachen entdecke, die ich nachträglich anders geschrieben hätte.» Sie bleibt nicht stehen – gedanklich ist sie bereits im Jahr 2019 und weiss schon jetzt: «Im nächsten Musical in zwei Jahren wird es um einen Bauer namens Linus gehen...»

Aufführungen: So, 13. August, 18.30 Uhr; Fr, 18. August, 19.30 Uhr; So,20. August, 10.30 Uhr; Mi, 23. August, 19.30 Uhr; Fr, 25. August, 19.30 Uhr; Sa, 26. August, 18.30 Uhr; Fr, 1. September, 19.30 Uhr; Sa, 2. September, 18.30 Uhr. ref. Kirchgemeindehaus Weststadt. Eintritt frei, Reservation: www.jugendmusical.ch

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