Die Aktion des Stadt- und Gewerbevereins sorgte nur für locker gefüllte Gassen und Läden in der Altstadt. War das nasskalte Wetter mit stürmischen Westwindböen schuld? Oder ist – ganz im Gegensatz zu den Sonntagsverkäufen in der Weihnachtszeit – Ostern nicht der Magnet, um Einkaufswillige in die Stadt zu locken?

Auf dem Klosterplatz waren am Sonntag alle Parkplätze besetzt. Das ist ungewöhnlich für einen verregneten Sonntagnachmittag. Immerhin, beim Konzertsaal hatte es noch ein paar freie Felder. Beim Spaziergang von der Franziskanerkirche bis zur Rathausgasse ist dann aber keine Menschenseele zu sehen. Das ist nicht ungewöhnlich, sondern eigentlich jede Woche so. Das erste echte Zeichen, dass die Stadt- und Gewerbevereinigung zu einem Sonntagsverkauf eingeladen hatte, war eine mit mehreren Einkaufstaschen behangene Frau in der unteren Barfüssergasse.

Diese offensichtlich gute Kundin für die Solothurner Geschäfte blieb dann aber eher eine Ausnahmeerscheinung. Der Einladung ins sonntägliche «Konsumentenparadies» sind nicht sehr viele Menschen gefolgt. In der Gurzelngasse hat es geschätzt etwa dreimal so viele Leute wie an einem normalen Sonntag. Aber dreimal fast niemand, das sind immer noch nicht wirklich viele Menschen. Dabei haben viele Läden für ihre Kundschaft extra kleine rote Teppiche vor den Eingangstüren ausgerollt.

Platz, Zeit und Ruhe

Im Manor gibt es kein Gedränge. Dem Bettlacher Beat Brügger ist das gerade recht so. Sechs Taschen schleppte er um 15 Uhr bereits mit sich herum. «Das sind alles Kleider und Geschenke», sagt Brügger. «Ich habe heute viel Zeit und Ruhe, um mir die Ware genau anzuschauen. Das gefällt mir.»

Auch im C&A hat es viel mehr Freiraum zwischen den Kleiderständern als zum Beispiel an einem Samstag oder einem Abendverkauf an einem Donnerstag. «Es sind eigentlich dieselben Kunden gekommen wie an normalen Tagen», sagt Sarah Wagner, die an diesem Tag die Verantwortung trägt. Dabei hatte die Solothurner C&A-Filiale extra Gutscheine verteilt, die nur für den Sonntagsverkauf gültig waren. «Diese Gutscheine werden von sehr vielen Kunden genutzt», sagt Wagner. So habe man den Umsatz deutlich steigern können.

Rabatte und Aktionen

Ähnlich sieht es im Schuhgeschäft Max Shoes aus. Dort läuft es dank den 10 Prozent Rabatt ganz ansprechend. «Wir haben zwar nicht mehr Kunden im Laden als an einem gewöhnlichen Tag, aber dank der nur heute gültigen Aktion sind sie entscheidungsfreudig und der Umsatz ist ansprechend», sagt Larissa Müller. Das Geschäft laufe etwa so wie sonst an einem Mittwoch.

Angestellte sind nicht begeistert

Aber arbeiten wenigstens die Angestellten gerne an einem eher ruhigen Sonntag? Die meisten überlegen sich ihre Antworten lange, machen dabei ein verlegenes Gesicht und möchten nicht namentlich genannt werden. «Wir sind froh, dass die Sonntagsverkäufe die absolute Ausnahme sind», lässt sich die Meinung des nicht gerade begeisterten Verkaufspersonals zusammenfassen. Der freie Sonntag ist den im Verkauf angestellten Personen ganz einfach heilig, diesen opfern sie nur widerwillig, auch wenn sie es nicht offen sagen.

Gastgewerbe profitierte nicht

Selbst im Gastgewerbe war das Echo auf den Sonntagsverkauf sehr zurückhaltend. «Heute läuft nicht viel», sagte Sarbaz Qader vom Restaurant Babylon. «Bei uns kommt es mehr auf das Wetter an.» Ohne den Sonntagsverkauf wäre das «Babylon» wegen des Regens vielleicht sogar geschlossen geblieben. Noch etwas strenger fällt das Urteil von Jenny Nussbaum vom «Barock Café und Bar» aus. «Es läuft sogar weniger als an einem gewöhnlichen Sonntag», lautete ihre eher ernüchternde Bilanz.

Das mag darauf zurückzuführen sein, dass die Aktion der Stadt- und Gewerbevereinigung eigentlich nur die Hauptgasse und die Gurzelngasse etwas beleben konnte. Nicht einmal bis zum Landhausquai reichte die Ausstrahlung. Erfolgreich waren immerhin noch die in der Goldgasse ansässigen Läden. Dort wurden auf kleinem Raum gleich sieben rote Teppiche ausgerollt. Das bringt Synergien. Nadia von Arx, Geschäftsinhaberin des Ladens «Lila, schöne Dinge», war deshalb insgesamt zufrieden mit dem Sonntagsverkauf. «Es läuft ganz gut, wir waren nie alleine im Laden», zog sie eine erste positive Bilanz.

«Schade ist nur, dass sich so viele Läden nicht am Sonntagsverkauf beteiligt haben. Je mehr Läden offen sind, umso mehr Leute werden angelockt und das hilft allen.» Auf der Liste des Stadt- und Gewerbevereins standen diesmal – kurz vor Ostern – nur die Namen von 54 Geschäften, die sich beteiligen wollten, während es an den Sonntagsverkäufen vor Weihnachten jeweils deutlich über 70 sind.