Solothurn
«Bausubstanz hat Patina angesetzt»: Die St.Marienkirche wird renoviert

Sowohl das Gotteshaus in Solothurn, als auch dessen Orgel sollen ab Januar 2017 saniert werden. Insgesamt stehen 1,4 Mio. Franken zur Verfügung.

Andreas Kaufmann
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St.Marienkirche in Solothurn
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Auch die Orgel soll revidiert werden
Schmutz hat sich angesetzt

St.Marienkirche in Solothurn

Andreas Kaufmann

Es ist nicht nur das farbenreiche Chorfenster des Glasmalers Hans Stocker, das dem Besucher der St. Marienkirche in der Weststadt beim Eintreten geradewegs als Augenschmaus entgegenstrahlt. Auch sonst ist das Innenleben der 1954 eingeweihten «Pfarrkirche St. Maria Königin des Rosenkranzes» nach Plänen des Architekten Josef Schütz auffällig.

Eine markant gerippte Trägerstruktur mit bauchigen Betonsäulen und ein strukturreiches Sichtziegelwerk fallen sofort auf. Doch: «Die Bausubstanz hat bereits Patina angesetzt», sagt Kirchgemeindepräsident Karl Heeb und zeigt auf die durch Schmutz grau gewordenen Säulen.

An einem lokal vorgenommenen Reinigungsmuster sieht man, wie weiss sich die Oberfläche reinigen lässt; ebenso das Mauerwerk an den seitlichen Wänden, das nach der versuchsweisen Reinigung im alten Glanz erstrahlt.

Ebenfalls Schmutz angesetzt haben die 15 seitlichen Kunstglasfenster, vor allem auch die Zwischenräume zur äusseren Schutzverglasung. Weiter bedarf der Boden einer Grundauffrischung: Die Versiegelung der Tonplatten ist verschmutzt und stellenweise abgetragen. Auch die Leuchtkörper sind in die Jahre gekommen und geben zu wenig Licht ab.

Sanierung ab Januar 2017

Im Juni hat die Kirchgemeindeversammlung einen Kredit gesprochen: Für einen Betrag von 1,4 Mio. Franken soll die Kirche ab Januar 2017 bis im Juli saniert werden. Dies umfasst die Reinigung der Böden, Säulen und Wände, ebenso die besagten Seitenfenster, die Motive aus dem Alten Testament aufgreifen.

Nicht im Fokus steht das kunstvolle grosse Chorfenster: Hier wurden 2013 und 2014 die äussere Schutzverglasung erneuert und die farbige Kunstverglasung innen und aussen gereinigt. In diesem Zusammenhang wurde die Marienkirche damals gar unter kantonalen Denkmalschutz gestellt.

Die über den Kirchenbänken angebrachten Leuchtkörper werden neu mit LED ausgestattet und ergänzt durch zusätzliche Ambiance-Lichter, die oben an der Decke installiert werden. «Allerdings ohne die Architektur selbst auszuleuchten.

Wir wollen das Licht nach wie vor unten haben und den Grundcharakter der Raumbeleuchtung beibehalten», so Heeb. Neben weiteren vereinzelten Arbeiten in der Sakristei, der Werktags- und der Taufkappelle besteht Sanierungsbedarf auch im Aussenbereich: Betonpfeiler und die Dachuntersicht sind hier zu reinigen, ebenso müssen Risse und Abplatzungen behoben werden. Sowohl innen wie auch aussen muss die Kirche für die Renovationsarbeiten eingerüstet werden.

Eigentlicher Auslöser für das umfassende Auffrischungsprojekt ist aber die 45-jährige Kirchenorgel aus der Werkstatt von Walter Graf in Sursee. Letztmals 1994 revidiert und einige Male notdürftig aufgefrischt, leidet das Instrument mit 37 Registern an zeitweiligen Betriebsausfällen.

Gerade in den wärmeren Monaten treten vermehrt Störungen auf, «ganze Register fallen teilzeitig aus», sagt Heeb dazu. Da aber daneben der ganze Kirchenraum einer Auffrischung bedarf, die man zum Schutz des Instruments vor den Einwirkungen der Renovation aber vorher durchführt, folgt die Orgelrevision ab August 2017 bis Oktober.

«Eine solche Revision ist ohnehin in Abständen einer Generation nötig.» Dementsprechend wurde sie anlässlich der vergangenen Kirchgemeindeversammlung mit einem Kostenrahmen von zusätzlichen 160 000 Franken veranschlagt und umfasst auch den Ersatz eines Registers.

«Die Kirche war ein guter Wurf»

«Die Renovierung ist nicht Selbstzweck, sondern dient dazu, eine einladende Raumwirkung und die Funktionalität der Kirche zu erhalten», so Heeb. Nicht erst seit der Unterschutzstellung ist die Marienkirche in Fachkreisen eine wichtige Vertreterin ihrer Bauart.

«Sie galt damals wie heute als ein gutes und bedeutendes Werk.» Seit dem Jahr 1954, das gleichzeitig die Geburtsstunde der Pfarrei St. Marien markierte, wurden knapp 950 000 Franken in Unterhalt, Ersatzbeschaffungen und Sanierungen investiert.

Die Auffrischung abrunden wird ein weiteres Projekt, das zurzeit in der Planung steckt: Die Rede ist von der Umgestaltung der Gartenanlage. Die üppige Begrünung nimmt je nach Blickwinkel die Sicht auf die Architektur.

Auch sind einige Bäume morsch und müssen durch Neubepflanzungen ersetzt werden. Diese Kosten werden aber separat budgetiert.