«Sie haben Ihr Ziel erreicht.» Die sarkastische Botschaft steht mit Kreideschrift auf einer Schiefertafel vor der Bäckerei Trüssel an der Hauptbahnhofstrasse. Die derzeit immer noch eine Grossbaustelle, aber keineswegs die geplante Begegnungszone und damit eine Verweil-Oase ist. Mitte November hätten laut Ansage des Stadtbauamtes die Arbeiten vollendet sein sollen, jetzt kämpfen diverse Geschäfte mitten in der wichtigen Adventszeit mit eingeschränkten Zugängen vor ihrem Ladenlokal.

An der Hauptbahnhofstrasse gibts einige Gründe, warum das so ist. Andrea Lenggenhager, Leiterin Stadtbauamt: «Der Baubeginn erfolgte um zwei Wochen verspätet statt Mitte Juli Anfang August. In der Annahme, dass dies für die Geschäfte von Vorteil ist.» Weiter habe es Verzögerungen von einer Woche durch unvorhergesehene Arbeiten an den Werkleitungen gegeben. Nochmals eine Woche gehe zulasten der Bauunternehmung, der Lenggenhager eine «nicht optimale Baustellenorganisation» ankreidet.

«Müssen vorwärtsschauen»

Vielleicht hat genau diese Organisation darunter gelitten, weil sie in den Augen der Betroffenen so gute Arbeit geleistet hat. «Die Verantwortlichen und Arbeiter vor Ort waren sehr korrekt, informierten uns ständig und waren offen für Lösungsvorschläge wie beispielsweise am letzten Wochenende mit dem Chlausetag», rühmt Marianne Ricklin, Geschäftsführerin der Bäckerei Trüssel, die Bauorganisation.

Dem schliessen sich Martin Tschumi und sein Vater Werner von der Dropa Drogerie vorne beim Dornacherplatz an, wo die ebenfalls verspäteten Schlussarbeiten zur Umgestaltung des Rossmarktplatzes auch das Bergsport-Geschäft Bordogna betreffen. «Doch wurde nur jeweils ein Trottoirteil vor jedem unserer Geschäfte aufgerissen, sodass man entweder links oder rechts hinfahren konnte», loben Tschumis ein Vorgehen, das auch an der Hauptbahnhofstrasse gewählt wurde.

Zuerst kam dort der Vorplatz des Cafés Bistro Vorstadt dran, jetzt das Trottoir vor Trüssels Geschäft. Umsatzverluste gabs bei Tschumis vor allem während der Hauptarbeiten, als viele die Vorstadt mieden. Einbussen meldet aber auch Serdar Tokay, Geschäftsführer des erwähnten Cafés Bistro vorne an der Hauptbahnhofstrasse. Doch noch wo anders drückt ihn der Schuh: «Ich bin jetzt 16 Monate in Solothurn. Hier gibts einfach zu wenig Parkplätze.»

Explizit auf die Vorstadt bezogen, stimmt dem auch Marianne Ricklin nebenan zu. «Kurzzeit-Parkplätze für die Kundschaft in der Nähe wären halt schon wichtig.» Denn unter der Woche hätte sich der Geschäftsrückgang in Grenzen gehalten, gravierend sei er an den Samstagen gewesen, «da kommt jeweils ältere Kundschaft mit dem Auto zu uns.» Trotz Begegnungszone sollten Autos auch künftig kurz vor dem Geschäft anhalten können, glaubt Ricklin – für Bäckereien in Solothurn ein Muss. Ansonsten sieht sie neue Chancen auf dem bald attraktiveren Vorplatz – «wir schauen vorwärts und sind optimistisch.»

Keine Baupause im Advent

Die Verzögerung der Arbeiten am Rossmarktplatz begründet Andrea Lenggenhager übrigens mit dem Zeitbedarf von zusätzlichen zwei Wochen für unvorhergesehene Arbeiten an den Elektroanlagen und weiteren zwei Wochen für das Entfernen der alten Tankanlage an der ehemaligen Tankstelle beim Dornacherhof.

«Wir sind uns bewusst, dass Bauarbeiten immer unangenehm sind und einen Umsatzrückgang bewirken können», betont die Bauamtsleiterin. Man versuche, die Auswirkungen auf das Gewerbe so gering wie möglich zu halten, verweist sie auf ständige Kontakte mit den Geschäftsleuten und das Erfüllen ihrer Wünsche. «Der Zugang wie auch der Warenumschlag waren immer möglich.» Neben der Etappierung der Bauarbeiten seien vor Bordogna und der Dropa-Drogerie jeweils die lärmintensivsten Arbeiten am Montag, dem Ruhetag bei Bordogna, erfolgt.

Wäre eine Arbeitseinstellung über die Adventszeit möglich gewesen? «Grundsätzlich ja», meint Andrea Lenggenhager, aber die Nachteile einer Baupause wären gravierender, weil jetzt die Arbeiten vor Weihnachten beendet werden könnten. Eine Wiederaufnahme im Januar sei von der Witterung abhängig und es müssten provisorische Sicherungsmassnahmen für die Fussgänger, den Veloverkehr sowie für den Winterdienst getroffen werden. Oder kurzum: Ein Advents-Baumoratorium würde einen «hohen Aufwand» verursachen.