Eigentlich sei die Ausschreibung nur «Peanuts», meint Theo Strausak, juritischer Vertreter des Bauherrn Coop, der seit Jahren ein Einkaufszentrum auf dem ehemaligen Kofmehl-Areal an der Westumfahrung plant.

«Wir wollen auf Nummer sicher gehen, deshalb haben wir den Gestaltungsplan nun mitsamt der Umweltverträglichkeitsprüfung UVP ausgeschrieben.» Denn nochmals einen Formfehler riskieren will die Bauherrschaft nicht. War doch im Januar 2010 die erste Projekteingabe mit dicker Post aus Lausanne quittiert worden: Das Bundesgericht hatte auf eine Anwohnereinsprache hin erkannt, dass das Projekt nicht im kantonalen Richtplan enthalten sei.

Dies wurde inzwischen nachgeholt, der Gestaltungsplan neu eingereicht und vom Gemeinderat 2012 zur Auflage freigegeben - was prompt wieder Einsprachen nach sich zog. Die noch immer hängig sind.

«Zwar haben die Anwohner den Umweltverträglichkeitsbericht und am Projekt mit der Ausschreibung auch nichts geändert. Und streng genommen wäre die UVP nicht nötig, da die Verkaufsfläche mit 6500 Quadratmetern unter der UVP-Pflicht bleibt», so Strausak.

Aber es könnten spitzfindige Argumente auftauchen, wie: Werden die Mall oder Lagerräume später auch noch zu Verkaufsfläche umgemodelt? Deshalb habe man sich zur zusätzlichen Auschreibung entschlossen, die ab Montag im Stadtbauamt aufliegt.

«Light-Variante» verworfen

Dort bestätigt Stadtplaner Daniel Laubscher den Sachverhalt: Die Limite für die UVP-Erstellung liege bei 7500 Quadratmetern Verkaufsfläche. Aber es gebe noch ein Argument für die jetzige Ausschreibung mit Umweltbericht: Diese gebe auch national agierenden Verbänden ein Rechtsmittel, also ein Einspracherecht.

Ist die Einsprachefrist verstrichen, würde die bereits eingegangenen und allenfalls neuen Beschwerden vom Rechtsdienst beurteilt und dem Gemeinderat vorgelegt. Dieser könne das Projekt dann zur Auflage an den Kanton freigeben, «wo wieder das Ergreifen des Rechtsmittels möglich ist.»

Dass der Widerstand gegen das Einkaufszentrum nicht unbedingt nachlässt, dazu trägt auch das Stadtbauamt bei. Will doch der Stadtplaner wiam ursprünglich 14,5 Meter hohen Bau mit den 6500 Quadratmetern Verkaufsfläche und 300 Parkplätzen festhalten, die einen durchschnittlichen täglichen Verkehr (DTV) von 2726 Fahrten generieren.

Coop hatte zwar eine niedrigere, abgespeckte Variante ohne Fremdmieter vorgeschlagen, um die Anwohnerschaft zum Einlenken zu bewegen. «Doch das wollten wir aus städtebaulichen Überlegungen nicht», erklärt Daniel Laubscher, der deshalb das Geschäft nochmals in die Planungskommission brachte.

Diese entschied wie der Stadtplaner, dass ein redimensionierter Bau an dieser als ideal angesehenen Lage keinen Sinn mache - zumal von der Stadt an der Westumfahrung keine weiteren publikumswirksamen Anlagen erwünscht sind.

«Und wieso soll die Stadt Solothurn neben Biberist und Langendorf nicht auch ein richtiges Einkaufszentrum haben?», fragt sich Laubscher. Man baue ja auch nicht in einer viergeschossigen Wohnzone ein Einfamilienhaus. Kommentar rechts