Barocktage Solothurn
Was trug eine Frau der «Bonne Société»?

Die Barocktage bieten einen Einblick in die damalige Garderobe der Frauen.

Helmuth Zipperlen
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Ohne Zofe war ein Garderobenwechsel unmöglich.

Ohne Zofe war ein Garderobenwechsel unmöglich.

Hansjörg Sahli

Sie sehen schön aus und entzücken das Auge: Die Roben der Damen auf den zeitgenössischen Gemälden des Barock. So fand sich denn eine stattliche Anzahl Interessierter am Sonntagnachmittag auf Schloss Waldegg ein. «Les Soirées Amusantes», ein Verein der sich der Rekonstruktion der Salonkultur des 18. Jahrhunderts mit seinen vielen Facetten verschrieben hat, lud im Theatersaal zur Demonstration, wie sich eine Dame von Stand im Barock anzog. Die dabei präsentierten Kleidungsstücke sind nach aktuellem Wissensstand von Hand nach Methoden der Zeit angefertigt.

«Es gab leichte Unterschiede in lokaler Hinsicht oder aus Gründen des Standesunterschiedes»,

betonte Alessandra Reeves. Deshalb verkörpere sie auch nicht eine bestimmte Figur. Aber es ist gut vorstellbar, dass Madame de Broglie, die Enkelin von Maria Margaritha von Sury sowie die Schwester des bekannten Peter Viktor von Besenval, sich ähnlich kleidete, wie Alessandra Reeves es vorführte.

Zu Beginn der Veranstaltung trug Alessandra Reeves ein Kleid, das für uns Heutige als fertig angezogen erschien. Damals wäre es aber als Negligé bezeichnet worden. Sie begann sich dieses Kleides zu entledigen, indem sie Nadeln aus dem Mieder entfernte und die Schnüre löste, die das Kleid am Körper festhielten. Nun stand sie in einem Unterrock da, was wir heutzutage als Negligé betrachten würden.

Zwei Taschen, links und rechts der Hüfte, wurden befestigt. Darin konnte eine Geldbörse versorgt werden, denn Handtaschen kannte man damals noch nicht. Darüber wurden zwei «Trichter», Paniers (Körbe) genannt, gelegt, welche dann das Bauschen der Robe bewirkten. Ein weiterer Unterrock folgte bis dann endlich das eigentliche Kleid angezogen wurde. Das war hinten geschlossen und konnte mit einer Schnürung im Leinenfutter auf Figur gebracht werden. Eine Frisur mit einer Masche im Haar ergänzte die vornehme Erscheinung.

Eine Frage aus dem Publikum erkundigte sich nach Schmuck. Ja, Halsketten konnten getragen werden, waren aber nicht unbedingt nötig, denn der Spitzenbesatz am Kleid und die farbigen Bänder seien Schmuck genug gewesen. Die Spitzen waren äusserst teuer und ihr Vorkommen zeugte von Reichtum.

Die Referentin erklärte auch, dass die Wespentaille erst später im zweiten Empire in Mode gekommen ist. Bei Hofe wurden die Röcke noch mit Schleppen versehen. Die Stoffe waren sehr teuer und kostbar, so dass ein Kleid jahrelang in Gebrauch war. Wurden die Kleider nicht mehr benötigt, wurde der Stoff anderweitig verwendet, beispielsweise für Kinderkleider. Was machte eine schwangere Frau bei so vielen Verschnürungen? «Das Mieder wurde nur oben geschnürt und unten locker fallen gelassen», antwortete die Referentin.

Hinweis: Die Präsentation «Madame Garderobenwechsel» findet am Sonntag, 22. August, statt.

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