Solothurn

Barockmalerei im Stadttheater: Alt, schön und einzigartig

Die typischen Theatermotive zieren den Saal: La tragédie et la comédie.

Die typischen Theatermotive zieren den Saal: La tragédie et la comédie.

Ein Überraschungsfund im Spätsommer 2012 hob das Stadttheater in den Status des «ältesten Barocktheaters der Schweiz». Ein Fund, der sich als Perle des Theaters erweist.

Malereien, die man laut Expertisen längst nicht mehr dort vermutete, waren unter den Verkleidungen der beiden Emporen – der Galerie und dem Balkon – zum Vorschein gekommen. Diese barocken Brüstungsgemälde datieren aufs Jahr 1779 zurück und stammen von Felix Josef Wirz, der den Theatersaal zusammen mit Kantonsbaumeister Paolo Antonio Pisoni und Künstler Laurent Louis Midart umgestaltet hatte. Viele Auffrischungen und einige Deckschichten später war der kunsthistorische Schatz in den Aufzeichnungen vergessen gegangen. Man geht laut Denkmalpflege davon aus, dass die Saaldekoration teilweise in Abständen von 20 bis 30 Jahren geändert wurde. Der letzte grosse Umbau datiert auf die 1930er-Jahre zurück.

Wie es die Denkmalpfleger zum Zeitpunkt des Fundes ausdrückten, habe Solothurn damit nun wohl auch «das schönste Barocktheater der Schweiz». Von dieser unerwarteten Schönheit, die aber im ganzen Sanierungsprozess einiges an Umdenken und Umplanen erfordert hatte, konnten sich die Gäste der Übergabe erstmals selbst überzeugen: In aufgefrischter Aufmachung und farbenfroh prangen nun gemalte Vorhänge und Stoffgirlanden, Musikinstrumente und Theatermasken von den Emporen.

Schweizweit einzigartig

«In Sachen Farbe hat man mit der grossen Kelle angerichtet, wie es sich damals für ein Theater gehörte», verdeutlicht Urs Bertschinger, Bauforscher bei der kantonalen Denkmalpflege. Er bestätigt aber auch die Einzigartigkeit des Fundes: «Solche Malereien findet man in der Schweiz nirgends.» Die ältesten bisher bekannten Barocktheater stehen in Bellinzona und La-Chaux-de-Fonds. Die anderen grossen Schweizer Theater seien dagegen erst Ende des 19. Jahrhunderts entstanden. Erst recht beeindruckend sei das Ausmass des hiesigen Fundes. «In dieser Menge Malereien vorzufinden, die alle noch restaurierbar sind, war eine echte Überraschung», so Bertschinger weiter.

Authentisch rekonstruiert

Die Bretter, auf denen die Malereien angebracht sind, wurden im Atelier von Restauratorin Brigitta Berndt aufgefrischt. Laut Bertschinger habe man auf allen Brettern Sanierungsbedarf geortet. Ausserdem haben einige im Laufe der Zeiten ihren Standort «gewechselt», sodass die korrekte Folge der Füllungsmalerei wiederhergestellt werden musste. Wo die Motive nur noch bruchstückhaft erkennbar waren, konnte man diese dank der sich wiederholenden Struktur der Malerei rekonstruieren. «Die abgebildeten Musikinstrumente waren teilweise nur noch an den Rändern erkennbar», so Bertschinger. Indem man aber Vorlagenbücher aus jener Zeit fand, liessen sich auch diese wiederherstellen.

Eine Herausforderung war die Ehrenloge: Diese entstand in der Mitte des 19. Jahrhunderts, also lange nach den Barockmalereien. «Wir fragten uns: Wie lässt sich das malerisch integrieren und neu interpretieren?» So habe man beispielsweise die typischen Theatergesichter, die die Komödie und die Tragödie als Ausdruck wiedergeben, an einer anderen Stelle der Malerei entdeckt und hierhin kopiert. «Man sieht, dass sie neu gemalt sind – und doch nicht neu erfunden.» Entscheidungen wie diese sind durch Diskussionen mit dem Stadtbauamt, den Architekten, Experten und der Denkmalpflege zustande gekommen. Vielerorts waren Kompromisse zwischen Alt und Neu, zwischen Form und Funktion nötig. So auch bei der Reduktion der Sitzplätze von 280 auf 262, oder bei den gebliebenen Säulen, die je nach Platz die Sicht einschränken.

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