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Barock-Abend war eher Vortragsübung als Opernabend

Sopranistin Nicole Hitz und Bass-Bariton Aram Ohanian werden am Cembalo von Francesco Addabbo begleitet.

Sopranistin Nicole Hitz und Bass-Bariton Aram Ohanian werden am Cembalo von Francesco Addabbo begleitet.

Der Auftakt der neuen Konzertreihe «Newcomer Classics» wurde den Erwartungen nicht gerecht. Sopranistin Nicole Hitz und Bass-Bariton Aram Ohanian waren sehr auf den Notentext fixiert und sangen nicht auswendig.

Das Schweizer Opernstudio der HKB kooperiert mit dem Kulturm Solothurn und lanciert unter dem Label «Newcomer Classics» eine Konzertreihe. Damit soll für Nachwuchssänger – parallel zu Produktionen des Studienlehrganges – eine Auftrittsplattform geschaffen werden. Eine Chance, welche weder Sopranistin Nicole Hitz noch Bass-Bariton Aram Ohanian ausschöpften. Der Auftakt von «Newcomer Classics», die mit Arien und Duetten von Caccini, Händel, Vivaldi, Rameau, Lully, Purcell und Telemann «barocke Leckerbissen in der Barockstadt» versprach, erinnerte eher an eine Vortragsübung als an einen Opernabend, wo interpretiert, szenisch illuminiert und gestaltet wird. Dafür waren beide Sänger zu sehr auf den Notentext fixiert. Wobei Nicole Hitz mit dem nahe bei der Bühne sitzenden Publikum kommunizierte, während der Bass-Bariton kaum die Augen hob.

Nochmals über die Bücher?

Dies erstaunt insofern, weil auf der Bühne beide bereits reüssierten. Aram Ohanian überzeugt gegenwärtig in der Erfolgsproduktion «Viva la mamma» als Gatte der Prima Donna nicht nur stimmlich, sondern auch darstellerisch und auch Nicole Hitz punktete in der letzten Studien-Produktion «La Frascatana» in einer Hosenrolle. Francesco Addabbo, Cembalist, Dozent und Korrepetitor am Opernstudio, erwies sich als virtuoser Meister am Cembalo, bestens vertraut mit «Alter Musik» und historischer Aufführungspraxis. Als Moderator stellte er das Programm sympathisch vor, doch als Musiker gab er den Interpreten keine wesentlichen Impulse um die Arien mit Leben zu erfüllen, zumindest nicht im ersten Konzertteil. Selbstredend bringen Sänger neben Stimme und Technik auch Persönlichkeit, Ausstrahlung, Reife, Rollenidentifikation und Ausdruck mit. Fehlen Komponenten, ist dies nicht allein den «Newcomern», sondern auch den Konzertveranstaltern anzulasten. Hätte ein Verantwortlicher mit den Nachwuchssängern gearbeitet, alle hätten davon profitiert: das Publikum und vor allem die Sänger.

Studierende der HKB haben bereits eine musikalische Ausbildung abgeschlossen und erhalten am Opernstudio als angehende Opernsänger den letzten Schliff für das Wirken auf der Bühne, im Musiktheater. Dazu propagiert das Schweizerische Opernstudio auf seiner Website unter anderem: «Die Ausbildung vermittelt Studierenden darstellerisches wie musikalisches Handwerk als Basis und entzündet gleichzeitig ihre szenische Kreativität und künstlerische Fantasie.» Sie müssten sich selbstverantwortlich damit auseinandersetzen und zu künstlerischen Persönlichkeiten entwickeln können. Resultiert aus diesen Zielsetzungen – bei vom Ausbildungsinstitut organisierten Konzerten – das reine Absingen von Arien, muss der Studiengangleiter über die Bücher.

Musikalisch auch Lobenswertes

Musikalisch hatte der Barock-Abend neben dem «Allemande» für Cembalo durchaus auch vokal Lobenswertes zu bieten. So brachte der frühe Hit des 17. Jahrhunderts, «Amarilli mia bella» von Giulio Caccini, das schöne Timbre von Aram Ohanian Bass-Bariton zum Blühen und Nicole Hitz sang Morganas «O s’apre al riso» aus Händels «Alcina» mit etwas viel Vibrato, aber guter Diktion und agilen Koloraturen.

Wurde das Duett aus «Phaëton» von Lully noch mit zwei Notenständern und wenig Augenkontakt gesungen, steigerte sich Nicole Hitz in der amüsanten Wahnsinnsarie «Aux langueurs d’Apollon», flirtete mit dem Cembalisten und liess erahnen, was alles möglich gewesen wäre. Aram Ohanian taute bei Purcell und «Don Quixote» auf, sang «Let the dreadful engines» schönstimmig, mit Ausdruck, blickte ab und zu sogar zu den Zuhörenden. Leider wurde es versäumt, wenigstens das kurze «Schönheit ist nur Fantasie» auswendig zu singen und so zumindest ein furioses Finale zu kreieren. Zumindest die Zugabe brachte eine Steigerung – die Protagonisten teilten sich einen Notenständer. Fazit: Die Reihe «Newcomer Classics» hat das Potenzial, sich vom «Hauskonzert» zum Opernabend zu entwickeln.

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