Stadtbummel
Barbrüstig in Solothurn – leider nein

Man könnte meinen, es sei Frühling. Da steht bereits die Hafebar, am Mürli werden Bierli gekippt, als seis der schönste Sommer-Freitagnachmittag. Ja, wir sind ein freudig Volk von Kälteresistenten. Aber mutig oben ohne in der März-Sonne tanzen? Das dann doch nicht.

Maria Brehmer
Maria Brehmer
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Feierabendstimmung in der Hafebar. Kalt? Egal.

Feierabendstimmung in der Hafebar. Kalt? Egal.

Barbrüstig. So jedenfalls lautete die Kleiderordnung, feierten wir «Spring Break» in unserer Stadt. Oben ohne auf dem Aaremürli tanzen – das wäre doch mal was. Erhitzte (empörte!) Gemüter garantiert. Doch nichts ist. «Spring Break» findet nicht hier, sondern in den USA statt. Im Süden der Staaten frönen derzeit College- und Uni-Studenten ungehemmt Alkohol und Promiskuität. Aber in Solothurn? Unvorstellbar. Die Aare mit 5°C noch zu kalt, um im Rausch gefahrlos (und nackt, natürlich) zu baden, das Gesetz der Nachtruhe zu streng, um laute Feste zu feiern.

Und überhaupt: Wer von der Stadt eine Bewilligung will, um über die Gasse Biere und Drinks zu verhökern, der hat es nicht einfach. Und wird es auch in Zukunft nicht haben, ist die entsprechende Motion für ein neues Buvetten-Konzept doch gerade letzten Dienstag bachab geschickt worden.

Ohne Bars also. Wenn auch nicht gerade ganz ohne, aber wohl mit nicht allzu vielen neuen Aussenlokalen muss die Stadt auch diesen Sommer auskommen. Doch beschweren wir uns nicht, immerhin bescherte uns die Hafebar diese Woche unerwartete Vorfreuden auf den nahen Frühling. Bereits seit Montag steht das blaue Hüttli stolz wie eh und je an seinem angestammten Platz.

Die Eröffnung ist in drei Wochen. Wär «Spring Break», wär die Kleiderordnung klar: wenig. Ist’s aber ein Durchschnitts-Freitag im April, gilt: viel. Denn wir feiern nicht nur nicht «Spring Break», sondern es ist eben auch noch nicht so warm, wie man’s gerne denkt. So heisst es also: Ausharren, auch wenns fröstelt.

Ja, wir bibbern gerne. Auch ohne oben ohne. Denn jetzt beginnt die Zeit, in der wir beim leisesten Anflug frühlingshafter Tendenzen unser Bier im Freien geniessen – oder vielmehr glauben, geniessen zu müssen. Ungeachtet der Tatsache, dass die schüchterne März- und Aprilsonne weder unsere Gesichter noch unsere Hintern auf dem Mürli adäquat zu erwärmen vermag, strömen wir in Scharen vor die Tür. Hauptsache, das bisschen Sommergefühl verdrängt den Dauernebel-Blues. Grau in Grau kommt früh genug wieder (spätestens in sechs Monaten).

Bald aber. Bald kommt er, der Frühling. Nicht nur gefühlt, sondern richtig. Am 20. März ist astronomischer Frühlingsanfang. Nicht nur in den USA, auch bei uns.

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