Vizestadtpräsidentin

Barbara Streit-Kofmel ist eine Botschafterin für Solothurn

Barbara Streit-Kofmel ist stolz auf Solothurn.

Barbara Streit-Kofmel ist stolz auf Solothurn.

Barbara Streit-Kofmel ist bereits seit acht Jahren Solothurns Vizestadtpräsidentin. Am Sonntag steht sie ohne Konkurrenz zur Wahl. Ihr gefällt der Job trotz aller Risiken und Nebenwirkungen.

Nein, Stress hat sie diesmal keinen, die amtierende Vizestadtpräsidentin Barbara Streit-Kofmel. Ausnahmsweise rüttelt die SP nach zwei erfolglosen Versuchen, das Amt zu holen, nicht mehr an der Position der 57-jährigen Juristin und CVP-Fraktionschefin im Gemeinderat. «Nun, das Absolute Mehr muss ich zuerst noch erreichen.» Aber nach acht Jahren im Amt sollte der Wahlsonntag eine reine Formsache sein.

Denn Barbara Streit gefällt der Job der Vizestadtpräsidenten trotz aller Risiken und Nebenwirkungen. «Ich vertrete sehr gerne meine Stadt. Gastfreundschaft ist für mich etwas Wichtiges. Wenn Verbände oder andere politische Gremien uns besuchen, erzähle ich gerne etwas über die Stadt Solothurn. Ich bin stolz auf sie.» Manchmal hätten solche Gäste dann Solothurn nochmals besucht – die Familie aber mitgebracht. Und besonders gerne erinnert sie sich an den Besuch der polnischen Partnerstadt Krakau, wo sie Kurt Fluri als Stadtpräsident an den Feierlichkeiten zu 750 Jahren Stadtrecht von Krakau vertrat. «Wobei, wir sind die kleinste Partnergemeinde. Waren dort doch Städte wie Wien, Petersburg, Florenz oder auch Bordeaux dabei.» Aber so erhalte die Partnerschaft «etwas Weltoffenes für Solothurn».

Immer telefonisch erreichbar

Zu Risiken und Nebenwirkungen. Repräsentationsaufgaben sind das eine. «Kurt Fluri besucht sehr viele Anlässe selbst. Aber natürlich vertrete ich ihn gerne, wenn beispielsweise am Wochenende gleich drei Termine gleichzeitig sind. Oder auch, wenn er einmal bei der Familie sein möchte. Das Ganze hält sich jedoch in Grenzen.» Anders wäre die Situation, sollte der Stadtpräsident ausfallen.

Er sei zwar «nie krank», aber im Fall des Falles müsste Barbara Streit die Amtsführung des Stadtpräsidenten übernehmen – notfalls bis zu einer Neuwahl. «Und zwar uneingeschränkt», was also auch den Einsitz in jene Gremien bedeuten würde, wo Kurt Fluri von Amtes wegen Mandate wahrnimmt: im Verwaltungsrat der Regio Energie Solothurn oder auch der Regiobank Solothurn beispielsweise. Daneben ist Barbara Streit Mitglied des Katastrophen-Krisenstabs. «Ab und zu erhalte ich vom Zivilschutz unangemeldet Telefonanrufe – auch am späten Abend. Damit wird meine Erreichbarkeit getestet.» Politische Machtfülle ist dagegen mit dem Amt der Vizestadtpräsident weniger verbunden.

Sie ist zwar Kraft ihres Amtes in der Gemeinderatskommission vertreten und «ich habe dort vielleicht politisch etwas mehr Gewicht als andere Mitglieder, aber auch das ist sehr beschränkt». Auch in der Verwaltungsleiterkonferenz hat Barbara Streit Einsitz und «vor allem bei finanziellen Geschäften wie der Rechnung, dem Budget oder dem Finanzplan bin ich dabei». Allerdings werde in der Konferenz über keines der Geschäfte abgestimmt, sondern nur darüber beraten.

Ansonsten spiele die Vizestadtpräsidentin im Festlegen der politischen Akzente kaum eine Rolle, «ausser, ich bin in einer Arbeitsgruppe dabei». Sollte es jedoch zu einer Fusion mit anderen Gemeinden kommen, müsste man wohl auch die Positionierung des «Vize» überdenken, meint die derzeitige Amtsinhaberin.

«Unkompliziert und hilfsbereit»

In ihrem Amt und als CVP-Fraktionschefin müsse sie in allen Themen sattelfest sein. Aber schon sich diese Dossierkenntnis anzueignen, «das braucht Stunden». So gesehen bedauert Barbara Streit, dass sie wegen ihrer Tätigkeit als Ersatzrichterin am Obergericht nicht mehr für den Kantonsrat kandieren durfte. «Dort konnte ich viel Hintergrundwissen mitnehmen. Aber ich habe mich für meinen Beruf entschieden.» Und das Amt der Vizestadtpräsidentin. Auch weil sie über einen guten Draht zu Kurt Fluri verfüge. «Er ist unkompliziert, sehr hilfsbereit und ich bin stets rechtzeitig über alles informiert.» Und dann kommt sie doch noch, die eher rhetorische Frage. Was wäre, wenn Sie ab Sonntag Vize von Stadtpräsident Jeffrey Murphy wäre? Barbara Streit zögert nur kurz und schmunzelt: «Dann käme ich wohl mehr zum Einsatz.»

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1