Stadttheater Solothurn
Barbara Grimm brilliert als Maria Callas

Eindrückliches Spiel von Barbara Grimm als Maria Callas im Stück «Master Class» am Stadttheater Solothurn.

Silvia Rietz
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«Master Class» Inszenierung des Stadttheater Solothurns
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Ye Jin Kim als die schüchterne Sophie
Anne-Sophie Sevens spielt die Sopranistin Charlotte

«Master Class» Inszenierung des Stadttheater Solothurns

Ilja Mess

Am 16. September jährt sich der Todestag der 1923 geborenen Maria Callas zum vierzigsten Male. Callas – die wahrscheinlich umfassendste und faszinierendste Opernsängerin aller Zeiten. Es gab in der Literatur des 19. Jahrhunderts keine Frauenpartie, die sie vom Stimmumfang und von der Technik her nicht hätte singen können. Mit Donizetti, Bellini, Verdi und Puccini hat sie vom höchsten Sopran bis zum tiefsten Alt Charaktere geformt, die einzigartig sind, weil sie den inneren Sinn der Musik zum Klingen brachte. Die «Schönheit» ihres Singens lag nicht in der Schönheit der Stimme, sondern in der Unbedingtheit, der Intensität des Ausdrucks. Das Feuer, das in der Stimme brannte, die Leidenschaft und Kompromisslosigkeit der Darstellung und die psychologische Tiefendimension der Rollenportraits sind bis heute unerreicht.

Die kurze, exzessive und nachhaltige Karriere, endete zwölf Jahre vor ihrem Tod: 1965 sang «La Divina» am Covent Garden eine bejubelte «Tosca», danach kehrte sie nie mehr auf die Opernbühne zurück. Ein späteres Comeback auf dem Konzertpodium erwies sich als eine Tragödie.

Eine fiktive Callas-Figur

Schwarze Haare, dunkle Hornbrille, auffälliger Schmuck, ein «Hosenkleid» à la 1970er-Jahre – schon sehen sich Barbara Grimm, die Grande Dame des Theaters, und Maria Callas, die Primadonna assoluta, frappierend ähnlich. Unter der Regie von Tobs-Hausherr Dieter Kaegi verbeisst sich die Schauspielerin in Leben und pädagogisches Wirken der Opernsängerin: Grossartig, intensiv, mitreissend. Nach dem Florence Forster Jenkins-Porträt ein weiterer Diamant im Schmuckkästchen von Barbara Grimms Darstellungskunst.

Das Stück «Master Class» von Terrence McNally zeichnet eine fiktive Callas-Figur, die als strenge Zuchtmeisterin ihre Studenten mit sadistischer Freude korrigiert und klein macht. Grandios, wie die drei Studierenden vom Opernstudio der Hochschule der Künste Bern mitgehen, sich als versierte Sängerinnen und Schauspieler erweisen. Als schüchterne Sophia lässt sich Ye Jin Kim mit Anninas Arie aus Bellinis «La Sonnambula» mit agilem Koloratursopran in die Geheimnisse von «Ah, non credea mirarti» und in die Kunst des Belcantos führen. Mit voluminösem Verdi-Sopran illuminiert Anne-Sophie Sevens alias Charlotte bravourös die Briefszene der Lady Macbeth, während Barbara Grimm nicht minder eindrücklich die «Kleinmädchen-Stimme» der Callas imitiert, mit der sie in den frühen Macbeth-Aufnahmen den Brief deklamierte. Tenor Donovan Elliot Smith lässt sich als Cavaradossi die Triebfeder seiner Liebe zu Tosca erklären. Am Flügel virtuos von Darren Hargan unterstützt, der als «Pianist» auch als Schauspieler ein Kabinettstück liefert.

Aufnahmen dokumentieren die realen Meisterklassen, die Maria Callas 1971 und 1972 an der Julliard School of Music gestaltete. Der Unterricht wurde fesselnd genug um (trotz ramponierter Stimme) das akustische Zeitdokument zu rechtfertigen. Callas trat als Lehrerin eher als Freundin und Kollegin auf. Bemüht, den Studenten über Schwierigkeiten hinwegzuhelfen. Sie kommentierte offen, warmherzig und voll des Lobes. Beharrte auf Notentreue und ausdrucksstarker Interpretation. Hatte ein Nachwuchssänger eine Arie gesungen, ging sie nochmals Phrase für Phrase durch, sogar Note für Note, sang oft ganze Abschnitte zum Erläutern dessen, was sie sagte.

Die von Dirk Hofacker ausgestattete und Dieter Kaegi inszenierte «Master Class» im Stadttheater beeindruckte als ein Kammerspiel über Künstlertum und Verzicht, als ein Drama über die Welt des verhängnisvollen Glamours der 1960er-Jahre und bot eindringliche Schauspielkunst.

Allen voran die überragende Barbara Grimm. Deren Resümee über das Nachfolge-Ranking – keine singt wie die Callas – brachte die Botschaft des Stücks auf den Punkt.

Weitere Vorstellungen: Freitag, 24. Februar, 19.30 Uhr, Stadttheater Solothurn, 8., 9. und 11. März, 19.30 Uhr, Theater Biel. www.tobs.ch

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