Solothurn

Bald wird das «Öufi» im eigenen Haus abgefüllt

Die Öufi-Brauerei erweitert den Betrieb an der Fabrikstrasse und baut eine eigene Flaschenabfüll-Anlage ein. Insgesamt werden gut 4 Millionen Franken investiert.

Als am 11. November 2000 Stadtpräsident Kurt Fluri mit Alex Künzle auf das Gelingen der Öufi-Brauerei anstiess, wusste noch niemand, wohin die Reise gehen würde. «Damals hätten wir weder die fachlichen noch die finanziellen Mittel gehabt, eine Flaschenfüllerei zu realisieren.» Genau das aber hat Künzle nun vor. Ein entsprechendes Baugesuch ist eingereicht, «wir hoffen, bis Mitte nächstes Jahr den Umbau vollendet zu haben.» Dabei bleibt Alex Künzle mit seiner Acht-Personen-Firma – darunter auch die beiden als Braumeister sowie Brauer ausgebildeten Söhne Moritz und Florian, dem Standort an der Fabrikstrasse treu.

Die aus sechs Aktionären bestehende BK Bier Kultur AG steckt rund 2 Mio. Franken in den Ausbau des Familienunternehmens, gleich viel investiert die Gebäudeeigentümerin, die Sasolim AG, in den Rohumbau. «Diese Investitionen werden sich dann im neuen Mietpreis niederschlagen», sieht Alex Künzle in diesem Vorgehen eine optimale Lösung, denn im Gegenzug fallen die hohen Kosten für die externe Flaschenabfüllung weg. Diese erfolgte zuletzt in der Brauerei Felsenau in Bern. «Aber nach unserem Rezept und mit unserem Hopfen.»

Bis zu 10 000 Hektoliter möglich

Nichts ändert sich in der bisherigen Brauerei mitsamt Beiz, wo die beliebten Spezialbiere weiterhin gebraut und offen ausgeschenkt werden. In Bern wurde nur die Hauptsorte, das Lagerbier, für die Flaschen gebraut und abgefüllt. Nun ändert sich mit dem Umbau des Nachbargebäudes, wo bis Ende Juni der Nachtclub Eleven zuhause war, einiges.

Unten wird ein neues 30-Hektoliter-Sudhaus entstehen, daneben die eigentliche Flaschenfüllerei. «Waschen, füllen, etikettieren, verpacken», lautet die auf den ersten Blick einfache Formel – doch für Alex Künzle steckt mehr dahinter. «Bierbrauen ist ein Handwerk, das gelernt sein muss. Aber Bier brauen und in Flaschen zu füllen ist noch einmal so schwierig», weiss der Öufi-Inhaber, der sich schon seit Jahren mit dem jetzigen Investitionsentscheid befasst hat. So wird künftig ein Techniker auf der Lohnliste geführt, der die Abfüllanlage zusammen mit dem jetzigen Braumeister betreut, dessen Name ohnehin Programm ist: Thomas Füller. «Zudem können wir neu einen Brauer-Lehrling bei uns ausbilden», betont Künzle.

Mit der neuen Anlage bleibt es vorerst bei der bisherigen Kapazität von über 3000 Hektolitern Flaschenbier. «Doch wären 10 000 Hektoliter jährlich möglich. Allerdings nur mit Nachinvestitionen.» Die sich im Fall einer Brauerei rasch zusammenläppern können: Ein zusätzlicher 9000-Liter- Tank kommt allein auf 35 000 Euro oder 40 000 Franken zu stehen. Kein Wunder, dass etliche Kleinbrauereien – darunter fallen solche bis zu einem Ausstoss von 15 000 Hektolitern pro Jahr – die eigene Flaschenabfüllung bisher vermieden haben. Und trotzdem erfolgreich im Geschäft geblieben sind, wie das «Ueli Bier» in Basel mit immerhin 40 Jahren auf dem Buckel.

Was neu alles möglich wird

Für die Produktepalette bringt die eigene Abfüllanlage jedoch durchaus einige Vorteile. «Neu wird es eine Halbliterflasche mit Kronkorken geben», kündet Alex Künzle an. «Zudem möchten wir ein Bier, gebraut aus lauter einheimischen Zutaten vom Typ ‹Südfuess› in einer Bügelflasche anbieten.» Denn alles aus heimischer Erde, das ist für den leidenschaftlichen Bierfan Alex Künzle schon fast ein Manifest: Solothurner Wasser sowieso, Hopfen aus Wolfwil und auch die eigene Braugerste dazu. «Demnächst wird ein solches Feld in Altreu abgeerntet. Und dann gibts ein richtiges Erntedankfest», freut sich Künzle, der mit Kollegen das Ziel einer eigenen Mälzerei über die IG Mittelland anvisiert.

Mit der eigenen Flaschenfüllerei «sind wir aber auch flexibler. So können wir künftig das Chlausebier oder auch einen Maibock in Flaschen abfüllen.» Ansonsten hält der Öufi-Betreiber an seinem bisherigen Glaskonzept fest: der grösste Teil sind Mehrwegflaschen bis auf die Einwegflaschen im Zehnerkarton. Die neue Anlage basiert aber auch auf der Erkenntnis, dass «der Bekanntheitsgrad eines Biers ohne Flasche viel kleiner bleibt». Oder, dass der Flaschenmarkt im Detailhandel im Gegensatz zum Ausschank in der Gastronomie wächst. «Die Leute wollen das Bier heimnehmen, denn zwei Drittel von ihnen gehen gar nicht mehr in die Beiz.»
Und so hofft der Brauereinhaber, sich mit der Grossinvestition weiterhin in seinem Marktgebiet, «dem Jurasüdfuss von Biel bis Olten», behaupten zu können.

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