Es waren die «Ode an die Freude» und eine Ode an alle Vögel, die die «Hermesbühl»-Schüler am Dienstag im Kapuzinerkloster mit ihren Stimmen und ihrem Schnuregiige-Register anklingen liessen. Was hier aber anlässlich eines Spatenstichs bei schönstem Frühlingswetter feierlich aus der Taufe gehoben wurde, ist eine Ode an die Natur. Denn: Das nahegelegene «Hemmli»-Schulhaus hat seit Anfang dieser Woche einen Schulgarten.

Dazu wurden die südlich des Klosterbaus gelegenen eingefassten Beete zur Verfügung gestellt. Vier Schulklassen haben sich bereits ins Zeug gelegt, sodass sich die ersten Salate, die ersten Kohlrabi bereits dem Himmel entgegenstrecken. «Aber auch die Echinacea wächst heran», weiss die neunjährige Gartenkennerin Simona. «Und den Erdbeeren geht es ebenfalls gut», ergänzt sie, «auch wenn man derzeit noch nicht so viel von ihnen sieht.»

Mehr als nur Botanik

Fähnchen mit Schülerporträts zeigen jeweils an, wo welcher Junggärtner seinen Werkplatz hat. Der neunjährige Boris jedenfalls hatte schon vor dem Schülergarten einen grünen Daumen: «Wir haben zuhause einen grossen Garten. Aber man lernt auch hier recht viel – beispielsweise, wie lange Pflanzen wachsen.» Und Spass macht es ihm obendrein – wie allen anderen. Schon jetzt steht fest: Der Schulgarten ist viel mehr als nur botanischer Anschauungsunterricht – es ist viel mehr ganzheitliche Bildung. Tatsächlich fragt sich hier niemand mehr, wie ihm der Schulunterricht im Leben «draussen» von Nutzen sein kann.

Spatenstich: Das Hermesbühl-Schulhaus bekommt einen eigenen Schulgarten

Spatenstich: Das Hermesbühl-Schulhaus bekommt einen eigenen Schulgarten

Spatenstich: Das Hermesbühl-Schulhaus in Solothurn bekommt einen eigenen Schulgarten (24. April 2018).

«Neben der eigentlichen Sachkunde geht es auch ums Rechnen, wenn beispielsweise die Beetflächen berechnet werden müssen», sagt Hermesbühl-Schulleiterin Corinne Kaiser. Weiter gehe es aber auch um Sprachverständnis, gerade beim Studieren der Gartentipps, oder um Werkunterricht und ums Arbeiten mit den Händen. «Darüber hinaus vermittelt der Schulgarten aber auch Bildung in Sachen Nachhaltigkeit», sagt Kaiser weiter.

Kinder lernen, dass man die Erdbeeren nicht immer dann ernten kann, wenn man sie auch im Supermarktregal findet. «Sie lernen, woher das Essen kommt – und welche Arbeitsgänge nötig sind, bis es im Teller liegt», sagt Heidi Dizerens, Lehrerin im «Hermesbühl». «Weiter werden die Sozialkompetenzen und auch das Verantwortungsgefühl gestärkt», ergänzt Kaiser. Und zuguterletzt das Gespür für die Natur. Am besten nämlich geht Gärtnern, wenn man den Boden barfuss spürt und keine Scheu davor hat, sich auch mal die Hände dreckig zu machen.

«Urban Gardening» ist Thema

Urs Bucher, der sich als «Klosterwart» für das Kapuzinerkloster versteht, hat das Projekt begleitet und zeigt sich erfreut über das Ergebnis. «Schliesslich will die Ortsplanungsrevision stillgelegte Klöster als öffentliche Räume erschliessen. Was hiermit getan wird.»

Andere Projekte im Kloster, das dem Kanton gehört, sind derzeit noch in Wartestellung: Gegen einige Pläne hinter den Klostermauern regt sich der Widerstand aus der Nachbarschaft. Dieser dürfte bei diesem Projekt kaum aufkommen. Während des Neubaus der Doppelturnhalle Hermesbühl wurde der Unterricht nicht selten und mit Begeisterung der Schulkinder auf die Wiese beim Kloster verlagert. Somit kennen sich auch die vier betreffenden Klassen bestens auf dem Areal aus.

Schuldirektorin Irène Schori weiss, dass «Urban Gardening» zunehmend ein Thema auch der hiesigen Stadtschulen ist. «Ein Thema, das unterschiedlich konkret umgesetzt wird.» Als ein anderes Beispiel nennt sie das Fegetz-Schulhaus, wo einzelne Plätze bepflanzt werden.