Solothurn
Bald hats sich ausgetanzt - ein Rückblick auf sieben Jahre «Eleven»

Am Freitag und Samstag finden die letzten beiden Partys im Eleven-Club statt. Danach hat es sich endgültig ausgetanzt. Gemeinsam mit den beiden Veranstaltern Markus Moerler und Olcay Oruç Sahin blicken wir auf die sieben Jahre Club-Geschichte zurück.

Andreas Kaufmann
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Die Geschichte des Eleven-Clubs 2008 - Pioniergeist, Markus Moerler, wie Eleven begann.
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2008 - Eröffnungsparty
2008 - Eröffnungsparty
2009 - Maskenball - Auch zur Fasnachtszeit war das Eleven beliebt
2009 - Maskenball - Der Partymacher Moerler im Afrolook
2009 - Maskenball - eine Krankenschwester und ein kleiner Teufel
2009 - Maskenball - auf dem «Motorrad» im Eleven
2010 - Barracuda-Disco - Auch Nostalgie wurde gepflegt
2010 - Barracuda-Disco - Die Tanzfläche war meistens voll.
2013 - Auch Prominenz stand am Eleven-DJ-Pult - Giulia Siegel
Die Geschichte des Eleven-Clubs
2014 - Die letzten Tage des Eleven - Markus Moerler Olcay Oruç Sahin
2014 - Die letzten Tage des Eleven
2014 - Die letzten Tage des Eleven - Hier werden in Zukunft keine Drinks mehr ausgeschenkt.
2014 - Die letzten Tage des Eleven - Und hier wird in Zukunft nicht mehr getanzt.

Die Geschichte des Eleven-Clubs 2008 - Pioniergeist, Markus Moerler, wie Eleven begann.

Felix Gerber

«Es würde uns erstaunen, wenn es jemand schafft, in die Lücke zu springen», sind sich Markus Moerler und Olcay Oruç Sahin einig. Die Lücke, von der die Partyveranstalter sprechen, wird nach diesem Wochenende im Veranstaltungskalender klaffen. Im Club «Eleven» an der Fabrikstrasse hat es sich nach den «Closing Partys» von heute und morgen ausgetanzt. Bilanz der sieben Jahre: 500 Partys, 280 000 Gäste, 150 Kubikmeter Bier und 170 000 Dosen Redbull.

Erfolgszahlen hin oder her: Für Sasolim Immobilien AG, Besitzerin des Areals, passt der Club nicht in die künftige Mieterstruktur. Die Suche nach einer neuen Heimstatt auf städtischem Boden blieb drei Jahre lang erfolglos, «Probleme, mit denen auch andere potenzielle Partyveranstalter konfrontiert wären», findet Moerler.

Ergo: Die Lücke bleibt wohl eine Lücke. Neue Chancen und neue Hürden zeichnen sich jenseits der Stadtgrenze ab: die Aussicht aufs Bucher-Gebäude im Langendörfer Industriegebiet, daneben aber auch mehrere Einsprachen der Anwohnerschaft.

Wie und ob es in Langendorf weitergeht, hängt vom laufenden Einspracheprozess ab. Einen weiteren Hoffnungsschimmer zeichnet sich in Form einer Übergangslösung ab: Diese sei leider aber auch heute noch nicht bestätigt. «Wir müssen tatsächlich erst noch den neuen Mietvertrag erhalten, diesen für gut befinden und unterschreiben.

Der «urbane Schmelztiegel»

Nach dem Rückbau des «Eleven» gilt für die beiden erst einmal: Kopf durchlüften. Sie gönnen sich damit, was sie jungen und jung gebliebenen Erwachsenen in den letzten sieben Jahren geboten haben. «Brot und Spiele», nennt es Moerler rückblickend.

Doch es ist mehr als Zerstreuung am Wochenende: «Das Wort ‹Party› ist verwandt mit ‹partizipieren›», sinniert Sahin über die soziale Komponente. Ausdrücklich versteht sich der Club als «urbanen Schmelztiegel».

So bringe eine Party Menschen zusammen und mache Berührungsängste vergessen.» Und auch das «Eleven» verdiene das Prädikat «Kultur» - keine Frontalkultur, aber Ausgangskultur. «Ein solches Angebot gehört zur Stadt, so wie das Stadttheater - beides kann man gern haben oder auch nicht», betont Moerler.

Bevölkerung der Region wachse, immer mehr Leute seien am Wochenende auf der Piste. «Gleichzeitig greift das Clubsterben um sich. Wo gehen also die rund 1000 Leute hin, die wir jedes Wochenende hier hatten?» Während man bei der Suche auf die Unterstützung der Behörden zählen konnte, stiessen die beiden aber bei keinem Liegenschaftsbesitzer der Stadt auf offene Ohren.

Das Clubsterben selbst scheint sie aber nie direkt betroffen zu haben. Denn am mangelnden Erfolg lag es, auch nicht während ihrer Vorgeschichte. Vor sieben Jahren setzte Olcay Oruç Sahin den Schlusspunkt unter den Betrieb seines «2nd Friday».

«Das Ganze war mir zu gross, zu unkontrollierbar geworden, um es alleine durchzuziehen.» Dann traf er auf Markus Moerler, der zu jener Zeit und bis 2010 das «Deep Underground» in der Kulturgarage betrieb.

Das «Deep» scheiterte auch nicht an mangelndem Erfolg, sondern daran, dass sich die Besitzer gegen eine Umnutzung ausgesprochen hatten. «Den Partygeist - auch den aus dem alten ‹Titanic›-Club - konnten wir in den neuen Club transportieren.»

Und so entstand an der Stelle des «2nd» das «Eleven». Die Chemie zwischen den Partylöwen stimmte auf Anhieb: «Wir sind zwar zwei unterschiedliche Typen. Wichtig ist aber, dass wir das gleiche Ziel verfolgen», findet Sahin.

Man ist einander ideelle Stütze und motiviert, kontrolliert, kritisiert konstruktiv. Doch das Miteinander ist nicht das einzige Erfolgrezept: «Wir waren jeweils an den Partys anwesend - meistens beide, und haben zugehört, beobachtet, diskutiert», betont Moerler.

Am Montag danach folgte die Auswertung: War die Musik unpassend? War das gute Wetter «schuld»? Auch ein Sicherheitsleitfaden für die Security - «quasi eine Doktorarbeit» - ist so entstanden und habe dazu beigetragen, dass der Club nie wegen Ausschreitungen in die Schlagzeilen geraten sei. Besonders aber schätzten Moerler und Sahin das gutes Nebeneinander mit den anderen Veranstaltern.

«Jeder hat seine Nische», findet Moerler. Während das Kofmehl den Schwerpunkt auf Konzerte sowie auf Partys ab 16 setzt, liegt dieser im «Eleven» auf Partys ab 20. «Wir pflegten mit allen Mitbewerbern einen respektvollen und offenen Umgang.»

Bürokratisierung erschwert vieles

«Den Vergleich mit den Clubs in Partystädten wie Luzern und Zürich brauchen wir nicht zu scheuen», so Moerler. Vielmehr hat sich die Partyszene bis heute stark gewandelt. «Man muss heute an 200 Sachen denken, wenn man eine Sause veranstalten will, früher geschah es aus einer Laune heraus.»

Moerler stellt fest, dass gerade die fortschreitende Bürokratisierung den Veranstaltern das Leben nicht gerade erleichtert. Und auch der Gast hat andere Erwartungen: «Im Informationszeitalter muss man dem Gast klaren Wein einschenken was ihn erwartet», sagt Sahin. Auch lege jeder darauf Wert, auf einer Gästeliste zu stehen, verdient oder unverdient.

«In grösseren Städten sind die Clubs so verzweifelt, dass sie die Ladies mit der Stretchlimousine zuhause abholen und ihnen einen Billigprosecco in die Hand drücken.» Im «Eleven» punktete man hingegen mit dem Bonus des Familiären, anstatt Partyköder auszuwerfen, lassen sie durchblicken. «Eleven» sei für den tätowierten Rocker gleichermassen ansprechend wie für die Dame in den Stöckelschuhen.» Den Stammkunden-Anteil schätzt Moerler auf rund 50 Prozent.

Pro Jahr gingen rund 3000 Gläser zu Bruch. Ein Erfolgskriterium: Dass Scherben Glück bringen, wissen sie mit Bestimmtheit: «Je mehr Unrat wir am Ende einer Party zusammenräumen mussten, oder je mehr Fundstücke zurückblieben, um so ausgelassener war diese.» Was sogar dazu führte, dass hier zweimal jemand seine Krücken vergass. Ob es die heilende Wirkung der «Partyzipation» war?

Closing Partys Freitag und Samstag, ab 22 Uhr. Weitere Infos: www.clubeleven.ch/